2026-01-20T07:14:11.657Z

Im Nachfassen
Tor-Flaute beendet: Mathias Fetsch traf gegen Fortuna Köln zum zwischenzeitlichen 3:1. Foto: Hermann.
Tor-Flaute beendet: Mathias Fetsch traf gegen Fortuna Köln zum zwischenzeitlichen 3:1. Foto: Hermann.

Bei Holstein Kiel soll Leidenschaft zur Regel werden

Holstein Kiel nach Erfolg gegen Köln wieder in Lauerstellung

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Dass schon der erste Sieg im Jahr 2017 (und nach vier sieglosen Spielen in Folge) reichte, um wieder in Schnupperweite der Aufstiegsränge zu landen, ist typisch für die 3. Liga. Bei Holstein Kiel spielte das am Sonnabend keine Rolle. Nicht nur Trainer Markus Anfang fand diese Zurückhaltung gut.

„Was sollen wir über große Ziele sprechen, wenn wir es nicht mal schaffen, ein Spiel zu gewinnen?“, schilderte er seine Sicht vor dem Anpfiff – und er hatte wenig Grund, daran etwas zu ändern. „Es war ein verdienter Sieg. Aber es war heute auch nur ein Spiel.“ Sportchef Ralf Becker blies ins gleiche Horn. „Das ist heute ein gutes Gefühl, mehr nicht. Es war heute eine gute Leistung, aber die müssen wir jede Woche abrufen.“

Eine klare und schonungslos offene Analyse gab Fortuna Kölns Trainer Uwe Koschinat ab. „In den ersten 29 Minuten hätte wohl kaum ein Zuschauer darauf getippt, dass es einen solchen Kantersieg geben würde“, sagte er und hatte Recht, als er feststellte: „Wir wollten ein aktiver Gegner sein. Das hat gut funktioniert. Natürlich birgt das immer das Risiko, hinten in Eins-gegen-eins-Duelle zu kommen. Aber wir hatten in dieser Phase auch gute Umschaltmöglichkeiten.“

Gleichzeitig ging er mit seiner Mannschaft in der restlichen Spielzeit auch hart ins Gericht. „Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen, individuell wie mannschaftlich. Holstein Kiel hat Spieler, die auch unter Druck richtige Entscheidungen treffen. So müssen wir uns am Ende sogar bedanken, nicht noch höher verloren zu haben.“

Doch bei Holstein gab es auch in der Phase, in der es noch ein offenes Spiel war, durchaus positive Erkenntnisse. „Es war ein kämpferisches Spiel und wir haben gut dagegen gehalten“, stellte Kapitän Rafael Czichos fest. Diese Tugenden hob auch Anfang hervor. „Es war ein Mentalitätsspiel, darauf hatte ich vorher hingewiesen“, sagte der 42-Jährige. „Die Mannschaft hat die richtige Einstellung gefunden. Sie war fokussiert. Diese Mentalität haben wir auch vorher in einigen Spielen gezeigt, aber manchmal hat sie auch gefehlt.“

Das 2:2 gegen Aalen, als Holstein einen Zwei-Tore-Vorsprung nach der Pause noch leichtfertig herschenkte, war ein Beispiel dafür. Und so hatten die meisten Kieler ein eher kurioses Empfinden: Das Gegentor, eigentlich zum phrasenhaft bekannten „psychologisch ungünstigen Zeitpunkt“ unmittelbar vor der Pause gefallen, sei gut für die Mannschaft gewesen. „Vielleicht war das gar nicht schlecht“, vermutete Torschütze Alexander Bieler. „So haben wir die Spannung aufrecht gehalten.“

Auch Anfang hatte das in der Kabine ausgemacht. „Die Jungs waren konzentriert. Ich habe gespürt, dass sie unbedingt nachlegen wollten.“ Fetsch betonte: „Wir haben gegen Aalen gesehen, wie schnell es gehen kann. Es reicht in dieser Liga eben nicht, wenn jeder nur einen halben Schritt weniger macht.“

Den Treffer, so hilfreich er letztlich auch gewesen sein mag, hätte man dennoch verhindern müssen. Ein simpler Einwurf, seit Jahren eine Spezialität von Fortuna-Kapitän Daniel Flottmann und bei den Kölnern stets wie eine Standardsituation betrachtet, hebelte Holstein aus. Die Kieler hatten keine klare Zuordnung entgegen gesetzt, sodass der eher schmächtige Christopher Lenz bei der Verlängerung gegen Markus Pazurek auf verlorenem Posten stand und sich für Hamdi Dahmani anschließend niemand zuständig fühlte. Diesmal war es nur ein kleiner Schönheitsfehler.

Denn nach der Pause lieferten die Kieler ein gutes Spiel ab, ließen sich von den Kölnern nicht mehr so sehr unter Druck setzen und hatten in Überzahl endgültig leichtes Spiel. „Das schnelle 3:1 kam uns natürlich gelegen, mit dem Elfmeter war dann alles klar“, stellte Becker fest. „Die Mannschaft hat heute Leidenschaft gezeigt. So sollte es immer sein.“
Aufrufe: 021.2.2017, 10:00 Uhr
SHZ / cjeAutor