
Zlatan Bajramovic, ehemaliger Bundesligaspieler für St. Pauli, Freiburg, Schalke und Frankfurt, war am vergangenen Wochenende als Trainer der U15 Mannschaft des Hamburger SV zu Gast beim 31. Weihnachtscup von Viktoria 08 Georgsmarienhütte. FuPa.net hat sich mit dem Coach des späteren Turniersiegers über den Weihnachtscup, die Jugendarbeit des HSV, sowie die Fußballweltmeisterschaft in Brasilien unterhalten.
Herr Bajramovic, Sie sind zum ersten Mal als Trainer der U15 des Hamburger SV beim Weihnachtscup in Georgsmarienhütte. Wie sieht Ihr erster Eindruck aus?
Zlatan Bajramovic: Das Turnier ist gemischt aus Vereinen, die renommiert sind, und aus Teams, die hier aus der Gegend kommen. So haben die kleineren Vereine auch mal die Chance, in der Vorrunde gegen größere Clubs zu spielen. Das macht natürlich Sinn, da die größeren Teams so einfacher in das Turnier reinkommen. Die Stimmung ist super, insbesondere bei den Heimmannschaften. So macht es Spaß für die Jungs, sie mögen besonders die Rundumbande. Es ist eine gute Abwechslung zum Spielbetrieb draußen.
Euer Terminplan ist eng gestrickt, in den nächsten Wochen geht es noch zu Hallenturnieren nach Düren, Passau, Ilshofen, Würzburg und Flensburg. Wie schafft es der HSV, den Fußball mit einer schulischen Ausbildung zu kombinieren?
ZB: Viele Schüler gehen auf eine Partnerschule in der Stadt. Das Gymnasium hat eine super Nähe zum Trainingsgelände. Diese Schule besuchen sehr viele Spieler und so haben sie auch die Verbindung zum Verein, können dort ihre Hausaufgaben machen und werden betreut. Das klappt sehr gut.
Wie sieht ein typischer Tag im Leben eines HSV-Nachwuchsspielers aus?
ZB: Die Jungs stehen gegen halb sieben auf und gehen dann zur Schule. Zwei Mal die Woche haben sie dann, unter anderem mit mir, Training in der Schule. Anschließend gehen sie dann ins Internat oder nach Hause, machen dort ihre Hausaufgaben und essen zu Mittag. Danach können sie sich zum Individualtraining eintragen und um 18:00 Uhr geht das reguläre Training los. Die Jungs sind eigentlich vollgepackt, da bleibt nicht so viel Luft, um etwas anderes zu machen.
Wie behält man die Spieler auf dem Boden der Tatsachen und verhindert, dass sie sich schon im Trikot der Bundesligamannschaft sehen?
ZB: Das geht eigentlich sehr leicht. Wir legen sehr viel Wert auf Sachen, die außerhalb des Fußballplatzes passieren. Zum Beispiel Pünktlichkeit und gewisse Dinge die man im normalen Leben benötigt. Vor allem der Respekt vor anderen Menschen. Fußball ist nicht alles. Das ist eine sehr schöne Beschäftigung, die riesigen Spaß macht, aber das andere darf man sicherlich nicht vernachlässigen.
Bosnien - das Land, für das Sie 35 Länderspiele bestritten haben - fährt das erste Mal zu einer Fußball-Weltmeisterschaft. Wie verfolgen Sie die WM? Und, falls es im Viertelfinale zur Partie Deutschland-Bosnien kommen sollte, für wen würden Sie die Daumen drücken?
ZB: So weit sollte Bosnien erst mal nicht denken, die Deutschen allerdings schon (lacht). Der zweite Platz hinter Argentinien ist für Bosnien drin, genauso aber auch für Nigeria und den Iran. Keiner von den beiden Nationen ist schlechter oder besser. Ich wäre auf jeden Fall für Bosnien, da ich mein Leben lang für diese Nation gespielt habe. Ich werde die WM ganz gemütlich mit ein paar Tüten Chips vorm Fernseher verfolgen und tue mir den Stress in Brasilien nicht an. Ich habe selber schon in so vielen Stadien gespielt, dass da nicht so ein großes und besonderes Ding auf mich warten würde.
Sie waren sowohl als Spieler, als auch als Trainer für den FC St. Pauli unterwegs. Wie schwer fällt es da zum Erzrivalen, zum HSV zu wechseln?
ZB: Wir befinden uns noch im Jugendbereich. Damals, als ich Spieler war, wäre so was schwieriger gewesen. Jetzt geht so etwas eigentlich relativ locker. Da gibt’s immer mal Leute, die meinen einen dummen Spruch machen zu müssen, das ist aber nicht böse gemeint. Alles läuft ganz normal, so ist das Geschäft.