
Bis auf den gesperrten Andy Drechsel konnte Rollhaus erneut seine Wunschformation aufbieten und hatte noch gute Optionen auf der Bank. Weil Westerhausens Landesklasse-Trainer Ralf Hermann am Vortag nicht auswechselte, konnte sein Co-Trainer Mario Fehnle am Sonntag auf tatkräftige Unterstützung in der Zweiten bauen. So gesellten sich zum bereits in den Vorwochen in der Reserve aktiven Martin Panterodt auch Eicke Timpe, Florian Brinkmann und Max Krause aus dem Landesklasse-Team.
Nach der schwachen Partie gegen Bad Suderode brannten die Germanen auf Wiedergutmachung und legten vor allem in der Anfangsphase ein furioses Tempo vor. Mit frühem Pressing und schnellen Pässen setzte man die Gästedeckung von Beginn an unter Bedrängnis. So war noch nicht einmal ein Zeigerumdrehung gespielt, als Jan Ebeling nach Pass von Jakob Ewald auf halblinks zum Schuss kam und Mathias Langer im Westerhäuser Tor zu einer ersten Glanzparade zwang. Die Neinstedter drückten weiter, fanden vor allem aber in ihren Hereingaben von außen zu selten einen Abnehmer. So waren es Schüsse aus der zweiten Reihe von Götz und Schwarzloos, die zunächst die größte Gefahr versprühten, ihr Ziel aber verfehlten. Als der umsichtig leitende Schiedsrichter Hiersemann ein Handspiel vor dem Gästestrafraum übersah, entwickelte sich ein Konter, in dessen Folge die Spielvereinigung überraschend in Führung ging: Brinkmann nahm Krauses Pass auf und vollendete allein vor König (18.). Neben einem Schuss von Panterodt aus spitzem Winkel blieb dies der einzige Torabschluss der Gäste im ersten Durchgang, wobei sie noch mit zwei engen Abseitsentscheidungen gegen sich haderten. Der Treffer aber hinterließ Wirkung bei den Neinstedter, die in der Folge zwar weiter mehr Spielanteile hatten, aber im letzten Angriffsdrittel die Konsequenz vermissen ließen oder zu unpräzise gegen die nun stabilisierte Westerhäuser Defensive agierten. So blieb es zur Pause bei der glücklichen Gästeführung.
Die erste Gelegenheit in der zweiten Hälfte hatte die Spielvereinigung, als Panterodt über rechts in den Strafraum eindrang, König seinen Schuss auf den langen Pfosten aber abwehren konnte. Danach übernahm erneut der Gastgeber die Kontrolle und hätte alsbald ausgleichen müssen: Im wohl besten Angriff spielte Gabriel Schwarzloos Jan Ebeling auf links frei, dessen Flanke bei Markus Möhring landete. Dieser nahm die Kugel gut mit, scheiterte mit seinem Abschluss aber am herausgeeilten Langer. Es entwickelte sich ein Neinstedter Sturmlauf, in welchem sich die immer tiefer stehenden Gäste mit großem Kampf gegen den drohenden Ausgleich stemmten. Und lange Zeit sah es so aus, als sollten sie das glücklichere Ende für sich haben. Denn erst verfehlten Schüsse von Ewald und Pastorek von der Strafraumgrenze ihr Ziel und dann half sogar das Aluminium doppelt mit, als Langer zunächst einen Freistoß von Schumann an die Latte lenken konnte und später ein Schwarzloos-Eckball, vom Wind getragen, an den Pfosten segelte. Nachdem zahlreiche weitere Schussversuche von der vielbeinigen Westerhäuser Defensive immer wieder geblockt wurden und Langer auch einen von Neumann gegen seine Laufrichtung abgefälschten Fahldieck-Schuss von der Linie kratzen konnte, senkten sich bei den Germanen bereits viele Köpfe. Doch eine letzte verzweifelte Hereingabe von Daniel Böhnstedt fand auf Umwegen zu Kevin Knopf, dessen Schuss zwar einmal mehr geblockt werden konnte, aber vor den Füßen von Gabriel Schwarzloos landete. Der Flachschuss des Neinstedter Spielführers schlug unhaltbar für Langer zum späten 1:1 ein (90.+1). Direkt nach Wiederanstoß war dann Schluss und neben Rollhaus wusste auch Westerhausens Kapitän Sebastian Beyer mit dem Ergebnis noch nicht so recht umzugehen: „Wir gehen mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Spiel. Aufgrund der Spielanteile und Chancen hat sich Neinstedt das Unentschieden natürlich mehr als verdient, auch ein Sieg war drin. Wenn man aber 70 Minuten in Führung liegt und sich leidenschaftlich in jeden Schuss wirft, ist der Ausgleichstreffer in der letzten Sekunde natürlich sehr bitter.“