2025-12-03T05:51:34.672Z

Interview
Seit vier Jahren bei der Viktoria: Erst kürzlich hat Ex-Profi Jochen Seitz seinen Vertrag in Aschaffenburg bis 2022 verlängert.
Seit vier Jahren bei der Viktoria: Erst kürzlich hat Ex-Profi Jochen Seitz seinen Vertrag in Aschaffenburg bis 2022 verlängert. – Foto: Sven Leifer

Aller guten Dinge sind zwei

Nach seiner Spielerkarriere mit unzähligen Bundesliga-Spielen, will Jochen Seitz auch als Trainer nach ganz oben. Aktuell absolviert der 43-Jährige den Fußballlehrer-Lehrgang.

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Einmal hat Jochen Seitz bereits den Weg in den Profibereich erfolgreich gemeistert. Vom TSV Heimbuchenthal aus startend ging es über Viktoria Aschaffenburg in die Eliteliga Deutschlands. Und auch als Trainer schickt sich der 43-Jährige an, den Durchbruch zu schaffen. Als aktueller Coach von wiederum Viktoria Aschaffenburg ist der Franke immerhin bereits in der 4. Liga aktiv. Doch das soll noch nicht das Ende der Fahnenstange sein, wie der hauptberufliche Übungsleiter im FuPa-Interview erzählt - u.a. absolviert Jochen Seitz deshalb aktuell den Fußballlehrer-Lehrgang.

Jochen, früher Ex-Profi bei u.a. Stuttgart und Schalke, bald der deutschen Trainer-Elite angehörend. Fühlst Du Dich angesichts Deiner bisherigen Karriere eigentlich privilegiert?
(lacht herzlich) Nein, überhaupt nicht. Alle, die mich kennen, wissen, dass ich sehr bodenständig bin. Ich gehe nicht damit hausieren, dass ich ehemaliger Profi bin. Mir ist die Gegenwart deutlich wichtiger als die Vergangenheit. Ich möchte das Bestmögliche aus der jeweiligen Situation machen und nicht in Erinnerungen schwelgen. Fußballerisch gesehen liegt mein aktuelles Hauptaugenmerk darauf, mit meiner Viktoria erfolgreich zu sein.

Gemeinsam mit bekannten Namen wie Miroslav Klose, Hanno Balitsch und Kim Kulig absolvierst Du momentan den 67. Fußballlehrer-Lehrgang des DFB. Kannst Du uns erklären, wie das Aufnahmeverfahren zu dieser Ausbildung vonstatten gegangen ist?
Voraussetzung ist, dass man die A-Lizenz besitzt und mit dieser eine längere Zeit einen Verein trainiert hat. Erst dann ist es möglich, sich zu bewerben. Ein gewisser Kreis - zirka 100 von über 160 Bewerbern - wird zum Eignungstest eingeladen. Während dieser drei Tage in Hennef muss man verschiedene Prüfungen bestehen - einen schriftlichen und mündlichen Test, eine Spielanalyse sowie ein Thema, das man innerhalb einer dreiviertel Stunde ausarbeiten und auf dem Platz anwenden muss. Letztlich werden dann nur 24 zum Lehrgang zugelassen. Nachdem es bei meinem ersten Versuch nicht geklappt hat, bin ich dieses Mal dabei.


»Es ist an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen«

Welchen Einfluss hat die Corona-Lage auf diese Schulung?
Die Gruppen wurden verkleinert und es liegt ein verstärkter Fokus auf den Hygiene- und Abstandsregeln. Wir hoffen jedoch, dass bald alles wieder ganz normal möglich ist. Natürlich kann ich mich auf die Ausbildung konzentrieren, weil der Spielbetrieb momentan ja ruht. Aber mir wäre es schon lieber, wenn wir wieder - wie gewohnt - Fußballspielen könnten.

Du hast - sollte alles klappen - bald die bestmögliche Trainerausbildung Deutschlands. Dein Verein, Viktoria Aschaffenburg, spielt hingegen "nur" 4. Liga. Das passt doch irgendwie nicht zusammen, oder?
Momentan trainiere ich mit meiner A-Lizenz die höchste Liga, die damit möglich ist - sprich: Regionalliga. Es ist also an der Zeit, den nächsten Schritt zu machen. Dass ich das ausgerechnet bei meinem Heimatverein machen kann, freut mich sehr. Wie es weitergeht, wenn ich Fußballlehrer bin, ist vollkommen offen. Das Geschäft ist viel zu schnelllebig, um irgendwelche Pläne aufstellen zu können.

Seine Karriere ließ der langjährliche Bundesliga-Spieler beim FC Bayern Alzenau ausklingen. Gleichzeitig sammelte er dort erst Trainererfahrungen.
Seine Karriere ließ der langjährliche Bundesliga-Spieler beim FC Bayern Alzenau ausklingen. Gleichzeitig sammelte er dort erst Trainererfahrungen. – Foto: Christian Hedler

Ist die Viktoria für Dich nur eine Zwischenstation auf dem Weg nach ganz oben - oder willst Du diese Entwicklung eben mit Aschaffenburg machen?
Die Entwicklung der Viktoria ist sehr positiv. Wir haben in den vergangenen vier Jahren einiges auf die Beine gestellt. Natürlich hoffen wir, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange ist. Der Weg ist steinig, aber durchaus machbar. Wie schon gesagt: Im Fußball kann es schnell gehen.

Ist es im Fußball der Neuzeit überhaupt möglich für die Viktoria in den Dunstkreis der absoluten bundesweiten Spitze zurückzukehren - inzwischen ist der Profibereich ja eher eine wirtschaftliche als sportliche Herausforderung?
Ja, und genau hier liegt das große Problem. Wirtschaftlich sind wir einfach noch nicht so weit wie beispielsweise Türkgücü, Schweinfurt oder Bayreuth. Das muss aber nicht heißen, dass wir dieses Niveau nicht irgendwann erreichen können. Fest steht: Mit unseren derzeit begrenzten Möglichkeiten holen wir das Maximale raus. Mehr ist als Amateurverein nicht möglich.


Der Übergang von der Spieler- zur Trainerkarriere verlief fließend

Das Potenzial, den nächsten wirtschaftlichen Schritt zu machen, ist aber da?
Ja. Allerdings ist noch viel Überzeugungsarbeit nötig, um Geldgeber zu überzeugen, uns zu unterstützen.

Die Viktoria ist das, was man unter einem Traditionsverein steht - spielte Mitte des vergangenen Jahrhunderts 1. und 2. Liga. Was zeichnet Deinen Heimatclub darüber hinaus noch aus? Warum ist gerade diese Mannschaft so interessant für den Trainer Jochen Seitz?
Ich bin ja nicht nur hauptberuflicher Trainer von Aschaffenburg, sondern wohne auch hier. Ich habe 15 Minuten bis zum Vereinsgelände. Und auch meine Kinder gehen in der Stadt zur Schule. Nach meiner Karriere bin ich bewusst in die Heimat zurückgekehrt. Ich fühle mich hier pudelwohl. Und natürlich reizt mich das Projekt rund um Viktoria Aschaffenburg auch in sportlicher Hinsicht. Ich bin davon überzeugt, der richtige Mann am richtigen Ort zu sein.

Kommen wir nochmal auf Deine persönliche Karriere zurück: Warum war es für Dich klar, dass Du nach der Spieler- sofort Deine Trainerkarriere startest?
Ich habe mich bereits während meiner aktiven Karriere mit Taktik und Menschenführung beschäftigt. Insofern war es für mich ein logischer Schritt, unmittelbar nach meinem Karriereende als Spieler ins Trainergeschäft einzusteigen.

Du bist also so fußballverrückt, dass Du im Gegensatz zu anderen Ex-Profis sofort nach dem Karriereende weitergemacht hast?
(lacht) Ja, das stimmt. Für mich besteht allerdings ein großer Unterschied zwischen Spieler- und Trainer-Dasein. Insofern kann man die Herausforderungen nicht miteinander vergleichen. Früher habe ich individuell gedacht, heute muss ich das Kollektiv im Auge haben.

Wir würde der Spieler Jochen Seitz mit dem Trainer Jochen Seitz zurechtkommen?
Ui, das wäre nicht so einfach (schmunzelt). Ich war nie der ganz einfache Spieler. Ich war zwar nicht rebellisch, aber doch einer, der viele Dinge kritisch hinterfragt hat - meine eigene Leistung genauso wie die Vorgehensweise des jeweiligen Trainers. Im Nachhinein betrachtet hätte ich etwas lockerer sein sollen. Aber ich denke schon, dass der Spieler Jochen Seitz mit dem Trainer Jochen Seitz und umgekehrt einen Konsens finden würde.


Die Einflüsse prominenter Ex-Trainer

Hat sich der Job des Trainer wirklich so verändert, wie immer diskutiert wird.
Keine Frage: Heute musst Du als Trainer auf die Spieler zugehen, sie mit ins Boot holen. Eine gute Chemie innerhalb einer Mannschaft ist fast wichtiger als die individuelle Qualität der Einzelspieler. Auch das Spiel an sich und die Experten im Trainerteam haben sich weiterentwickelt. Früher war das anders. Da wurde das gemacht, was der Trainer vorgibt - und Ende. (überlegt) Der Amateurbereich ist der ideale Unterrichtsraum in Sachen Zusammengehörigkeitsgefühl. Hier spielt die Kameradschaft nämlich noch einmal eine deutliche größere Rolle als bei den Profis.

Welche Deiner früheren Trainer siehst Du in Dir selber wieder? Bist Du der "Quälix", der "Don Jupp" oder der "Professor"?
Jeder Trainer muss für sich selber den wichtigen Weg finden. Charaktere sind ja bekanntlich unterschiedlich. Nichtsdestotrotz nimmt man natürlich von jedem Trainer, den man als Spieler hatte, etwas mit - den Fitness-Fokus von Felix Magath oder auch die taktischen Finessen von Ralf Rangnick.

"Die Bundesliga ist natürlich ein Ziel, das man vor Augen hat - gerade, wenn man den Fußballlehrer macht."
"Die Bundesliga ist natürlich ein Ziel, das man vor Augen hat - gerade, wenn man den Fußballlehrer macht." – Foto: Sven Leifer

,,,und die Menschenführung von Heynckes - und fertig ist der perfekte Trainer.
Das mit Heynckes hätte ich jetzt nicht so gesagt. Schalke war eine sehr unglückliche Station für ihn. Sein großer Vorteil: Er war bereit, sich weiterzuentwickeln und hat das hervorragend gemacht. Ansonsten lege ich schon großen Wert auf Fitness und taktische Variabilität.

Abschließend darfst Du träumen: Endet der Weg von Jochen Seitz auch als Trainer in der Bundesliga, bei den absoluten Spitzenteams?
Träume sind erlaubt, keine Frage. Die Bundesliga ist natürlich ein Ziel, das man vor Augen hat - gerade, wenn man den Fußballlehrer macht. Ich freue mich auf die Zukunft und auf das, was noch kommen mag.

Schönes Schlusswort. Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft.

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Die weiteren Teilnehmer des 67. Fußballlehrer-Lehrgangs des DFB: Hanno Balitsch, Jens Bauer, Sabrina Eckhoff, Florian Fulland, Danny Galm, Miroslav Klose, Michel Kniat, Marco Konrad, Kim Kulig, Dennis Lamby, Stephan Lerch, Andreas Neuendorf, Robin Peter, Carsten Rump, Daniel Scherning, David Siebers, Manuel Schulitz, Tobias Schweinsteiger, Danny Schwarz, Farat Toku, Lars Vossler, Michael Wimmer, Eren Yilmaz;

Aufrufe: 017.6.2020, 08:30 Uhr
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