2025-12-17T10:26:01.779Z

Aufreger der Woche
Nur, wer geimpft oder genesen ist, darf nach aktuellem Stand noch auf den Fußballplatz – egal, ob Schiedsrichter, Spieler, Trainer, Betreuer oder Zuschauer.
Nur, wer geimpft oder genesen ist, darf nach aktuellem Stand noch auf den Fußballplatz – egal, ob Schiedsrichter, Spieler, Trainer, Betreuer oder Zuschauer. – Foto: Andreas Arens

2G im Amateurfußball: Das sagen die Vereine

Die Schonfrist ist vorbei: Wenn ab dem kommenden Monat im Fußballverband Rheinland erstmals in diesem Jahr wieder in den Ligen um Punkte gekämpft wird, soll dies auch unter 2G-Bedingungen geschehen. FuPa hat sich unter Vereinen in der Region umgehört, wie sie mit dieser Vorgabe umgehen.

Nachdem die Corona-Regeln im Dezember kurzfristig verschärft worden waren, zeigte sich der Fußballverband Rheinland (FVR) noch kulant – und ermöglichte seinen Clubs, Partien ins neue Jahr hinein zu verlegen. Vor dem Hintergrund, dass es „gleichermaßen Wunsch wie Verpflichtung ist, den Spielbetrieb aufrechtzuerhalten, sofern die rechtlichen Vorgaben dies zulassen“, so der Verband in einer vor einigen Tagen veröffentlichten Stellungnahme, sollen die Wettbewerbe nun unter den in der aktuellen Corona-Verordnung des Landes Rheinland-Pfalz vorgeschriebenen 2G-Bedingungen, die auch für den Sport unter freiem Himmel und die Zuschauer greift, fortgesetzt werden. Betroffen seien davon die Altherren, der Herren- und Frauenbereich sowie die A-Jugend. Im Kinder- und Jugendfußball (17 Jahre und jünger) gehen sie beim FVR derzeit davon aus, dass „der Spielbetrieb ohne Einschränkungen und ohne Anwendung der 2G-Regelung für Spielerinnen und Spieler weiter fortgeführt werden kann“.

Kann eine Mannschaft aufgrund zu wenig Spielern, die geimpft oder genesen sind, nicht antreten, droht der Spielverlust am Grünen Tisch. Der Verband hat für die Vereine ein Formular entwickelt, das vor dem Spiel von beiden Mannschaften ausgefüllt werden und die Bestätigung beinhalten muss, dass die Spieler den 2G-Status erfüllen. Kontrolliert werden soll es vom Heimverein. Dieser ist auch für die Kontrolle des/der Schiedsrichter verantwortlich.

Hier und da regt sich Unmut. Der Verband schließe ungeimpfte Fußballer vom Sport aus, sagen Kritiker, von denen sich einige in den vergangenen Tagen und Wochen an die TV-Redaktion gewandt haben, sich aber nicht mit ihrem Namen dazu bekennen wollen. Die von Medizinern wie DFB-Arzt Tim Meyer belegte, geringe Infektionsgefahr beim Sport im Freien wird von dieser Seite immer wieder ins Feld geführt (siehe dazu auch: Extra). „Ich sehe den Verband als nicht mächtig genug an, um gegen die Politik ankommen zu können. Diese Regel ist von der Politik gewünscht. Die Hände sind uns gebunden“, lässt Martin Knuppen, Sportlicher Leiter von Rheinlandligist SG Schneifel-Auw, durchblicken. Die Entscheidung des Verbands unterstützt Dominik Lay, Geschäftsstellenleiter des Schneifel-Ligarivalen FSV Trier-Tarforst: „Wir verlassen uns hier weiterhin auf die Meinung von Experten, deren Entscheidungen auf wissenschaftlichen Grundlagen basiert und möchten so schnell wie möglich unseren Sportlern ein annähernd normales Umfeld anbieten.“

Aus Sicht des SV Neuerburg gebe es „kein Verständnis für Impfgegner und Impfverweigerer“, so Günter Scheiding, der Vorsitzende des Vereins aus der Südeifel. Er begründet die Meinung mit den Erfahrungen, „die wir mit Erkrankten in der Vergangenheit gemacht haben. Wir wollen alles tun, um schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden und verlassen uns auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse.“ Man sei generell froh, dass man nach aktuellem Stand überhaupt weiterspielen könne – im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Jahren, als es coronabedingt jeweils zu Saisonabbrüchen kam, ist der Tenor der Aussagen von Helmut Kirchen, dem Vorsitzenden der SG Saartal-Schoden, und Armin Sersch, 2. Vorsitzender des Hermeskeiler SV.

Als „unumgänglichen Schritt“ sieht Dennis Scholer, Fußball-Abteilungsleiter der DJK Eintracht Dist (Dahlem/Idenheim/Sülm/Trimport) aus der Nähe von Bitburg, die Verschärfung der Bedingungen auf dem Fußballplatz: „So wird auch ohne die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht Druck auf die Impfgegner beziehungsweise -verweigerer ausgeübt.“ Scholer lässt aber auch durchblicken: „Insgesamt darf man aber nicht vergessen, dass unter den Ungeimpften auch Menschen sind, die sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht impfen lassen dürfen oder können. Diese Menschen werden durch diese Einführung benachteiligt, auch wenn diese einer Impfung im eigentlichen Sinne positiv gegenüber stehen.“ Christian Benz, stellvertretender Abteilungsleiter des SV Trier-Irsch, bezeichnet die 2G-Regel „nur als halbe Wahrheit“: Problematisch seien die unterschiedlichen Regelungen etwa für den Innen- und Außenbereich, Veranstaltungen und auch Gastronomie: „Da ist ziemlich viel zu beachten für Ehrenamtler kleinerer Amateurvereine. Nicht so recht nachvollziehbar sind die neuen 2G-Vorgaben für Harald Dahlem vom TuS 05 Daun: „Wir reden hier über eine sportliche Aktivität im Freien. Von den Verbänden hätte ich mir mal ein kritisches Hinterfragen gewünscht. Die Vereine müssen die Maßnahmen halt einfach umsetzen. Für mich ist das eine unlogische und zu einfache Entscheidung“, so der Abteilungsleiter des Clubs aus der Kreisstadt.

Bei jenen Vereinen, die sich an der TV-Umfrage beteiligt haben, gibt es eine sehr hohe Impfquote – sowohl unter den Fußballern, wie auch unter Trainern und Betreuern. Schneifel-Funktionär Knuppen ahnt aber Probleme für den Fall, dass „wir uns noch ein viertes oder gar fünftes Mal impfen lassen sollen. Ich vermute schon, dass dann einige hinterfragen werden, ob das noch gesund sein kann. Wenn man nach drei Impfungen als nicht mehr geimpft zählt, wird der Amateurfußball kaputt gehen“.

Dass die jeweilige Gastmannschaft ausdrücklich in dem vom Verband zur Verfügung gestellten Formular erklärt, alle notwendigen Nachweise kontrolliert zu haben, ist aus Sicht des FSV Trier-Tarforst „zumindest in der Theorie eine ordentliche Lösung“, so Dominik Lay. Gefreut hätte man sich beim Trierer Club, wenn der Verband beziehungsweise der jeweilige Fußballkreis die Überprüfung der Schiedsrichter zentral übernommen hätten: „Hier haben die Vereine zusätzlich zur durch Corona umfangreicheren Spieltagorganisation eine weitere Aufgabe zu bewältigen.“ Eine zentrale Kontrolle der Schiedsrichter wäre auch nach Angaben des SV Trier-Irsch „wünschenswert und pragmatisch“. Dann könnten auch nur Unparteiische angesetzt werden, welche die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Christian Benz gibt angesichts der in Innenräumen noch verschärften Vorgaben zu bedenken: „Was ist mit einem Schiedsrichter, der zwar 2G erfüllt, aber nicht 2Gplus? Der darf sich dann draußen im Regen umziehen und muss ungeduscht nach Hause fahren?

Was die 2G-Kontrolle der Zuschauer angeht, sieht Dist-Funktionär Scholer keine Probleme: „Seit Saisonbeginn führen wir die Einlasskontrolle unter 3G-Bedingungen durch. Im Endeffekt wird sich nicht viel ändern, lediglich dass das Kind einen anderen Namen bekommt.“ Bei Vereinen wie dem SV Neuerburg wollen sie die Kontrolle „gleich mit dem Kassieren des Eintritts kombinieren“, so Clubchef Scheiding. „Die meisten Amateurvereine werden bei der organisatorischen Umsetzung erhebliche Probleme bekommen. Sie sind doch alle auf ehrenamtlichen Strukturen aufgebaut“, gibt allerdings Dauns Fußballchef Dahlem zu bedenken.

Extra:

Online-Petition tritt für 3G-Regel im Fußball ein

Freiluftsport und damit auch Fußball unter 3G- statt unter 2G-Bedingungen zuzulassen, halten Kritiker der seit Anfang Dezember (auch) in Rheinland-Pfalz geltenden Corona-Regeln aufgrund des hier sehr geringen Ansteckungsrisikos für vertretbar. Eine im Nordosten Deutschlands gestartete Online-Petition („3G statt 2G im Amateurfußball des Landes Brandenburg“) fand binnen weniger Tage über 11.000 Befürworter.

Hier geht's zum Link:

Petition 3G statt 2G im Amateurfußball

Initiator Ulf Brunnemann, der als A-Jugend-Trainer des FSV Veritas Wittenberge einige ungeimpfte Spieler in seinen Reihen hat und befürchtet, dass „so einige Mannschaften, die personell eh dünn besetzt sind, keine Zukunft mehr haben“, erwägt aufgrund des hohen Zuspruchs in seinem Bundesland eventuell eine bundesweite Petition zu starten.

Kommentar:

Warum nicht weiter 3G?

Der bestmögliche Schutz vor dem Coronavirus ist das eine, das andere sind politisch veranlasste Maßnahmen, die über das Ziel hinausschießen und selbst von namhaften Wissenschaftlern nicht belegt werden können: Sport ist wichtig, um die Abwehrkräfte und das allgemeine (auch und gerade das psychische!) Wohlbefinden zu stärken. Darin sind sich die Experten einig. Es besteht auch bei Sport in der Gemeinschaft unter freiem Himmel nur eine geringe Ansteckungsgefahr. Das bestätigt neben DFB-Arzt Tim Meyer unter anderem auch der bekannte Aerosol-Experte Gerhard Scheuch („Wenn man draußen ist und sich an der frischen Luft bewegt, dann ist die Gefahr bei Null.“).

Die Gefahr, sich etwa in der Kabine oder beim Duschen anzustecken, ließe sich mit etwas Kreativität durch Besprechungen im Freien oder detaillierte Nutzungspläne minimieren.

Warum dann 2G im Amateurfußball – und das nicht nur für die Aktiven auf dem Platz, sondern auch für Trainer, Betreuer und sogar die Zuschauer, die auf den weitläufigen Anlagen ohne Weiteres genügend Abstand halten können? Es scheint, als ob damit der Druck auf die Ungeimpften einfach weiter erhöht werden soll. Ob diese Strategie von nachhaltigem Erfolg ist, darf bezweifelt werden. Einige fühlen sich schlicht erpresst und lassen sich dann „trotzdem halt impfen“. Andere entfernen sich gefrustet vom Sport und der Gemeinschaft. Sie irgendwann wieder zurückzugewinnen, könnte sehr schwierig werden.

Die Rückkehr zur 3G-Regelung im Amateurfußball würde völlig ausreichen, um das Virus in Schach zu halten und die Gräben, die sich plötzlich unter Sportlern auftun, nicht zu groß werden zu lassen.

a.arens@volksfreund.de

Aufrufe: 028.1.2022, 16:18 Uhr
Andreas ArensAutor