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115.000 Euro Miese statt einer schwarzen Null

Warum die Mitglieder des FC Schweinfurt 05 die alte Vorstandschaft nicht entlasteten

von Michael Horling · 20.12.2011, 14:02 Uhr · 0 Leser
Die aktuelle Vorstandschaft um (v.li.) Schatzmeister Bruno Rath, Vorsitzender Markus Wolf und dessen Stellvertreter Jürgen Menninger. F: Horling
Die aktuelle Vorstandschaft um (v.li.) Schatzmeister Bruno Rath, Vorsitzender Markus Wolf und dessen Stellvertreter Jürgen Menninger. F: Horling
Die vorab schon von Pressesprecher Markus Schäflein verteilte Medieninfo, die mitlerweile auch auf die vereinseigene Homepage wanderte, klang eigentlich durchweg erfreulich. Von "positiven Zahlen" war zu lesen, genauso von abgetragenen Verbindlichkeiten. Doch rosig ist die finanzielle Situation des FC Schweinfurt 05 deshalb längst noch nicht. FuPa war auf der Jahreshauptversammlung 2011 dabei und skizzierte die Lage beim FC05.

Auf der Jahreshauptversammlung präsentierte der Verein überwiegend Zahlen aus der Saison 2009/2010, der Landesliga-Spielzeit also, die mit dem Aufstieg in die Bayernliga endete. Alleine in diesen zwölf Monaten aber häufte sich ein Minus von knapp über 115.000 Euro zum ohnehin bestehenden Schuldenberg an. Damals noch verantwortlich: Die alte Vorstandschaft um Werner Jonas und Rudi Löhnert, beide am Montagabend nicht anwesend. Die Folge: Beide Ex-Vorsitzenden wurden von den 79 anwesenden Mitgliedern ohne Gegenstimme und bei nur vier Enthaltungen von Löhnerts persönlichen Freunden nicht entlastet. "Man wird für gute Arbeit belohnt, also muss man für schlechte auch bestraft werden", fasste der seit 10. Mai 2010 verantwortliche Vorsitzende Markus Wolf seine Sichtweise zusammen.

FC05-Vorsitzender Markus Wolf: »Ernüchternde Zahlen.«


Von "ernüchternden Zahlen" sprach Wolf, der erklären durfte, warum diese Zahlen so spät aufgearbeitet werden konnten. Das Steuerbüro musste gewechselt werden, die alte Vorstandschaft habe man trotz steter Nachfragen immer wieder nur schlecht erreicht. Immer wieder fehlten Belege. Und dann - so Jürgen Menninger, der schon etwas deutlicher wurde - verwendeten die alten Vorstände Spendengelder für die Finanzierung des Spielbetriebes. Das führte dazu, dass das Finanzamt dem Verein die mittlerweile wieder zurückgewonnene Gemeinnützigkeit aberkannte. Von "negativen Hinterlassenschaften", sprach der 2. Vorsitzende Menninger. Um die 40.000 Euro an anlaufenden Schulden nannten die alte Vorstandschaft der neuen beim Wechsel. "Das aber hat sich als Beschönigung erwiesen." Rund 115.000 Euro waren es eben, 52.000 Euro an Verbindlichkeiten musste der Verein aktuell begleichen. Auf 393.506,77 Euro summierten sich somit die Schulden zum 30. Juni 2010. Rund 245.000 Euro sind davon noch immer durch ein zinsloses Darlehen unbekannter Privatpersonen abgedeckt. Der Rest soll, so zumindest laut Pressemeldung und Menninger, "mittlerweile beglichen" sein.

"Die schwarze Null steht", das kündigte damals die alte Vorstandschaft an. Daraus wurden 115.000 Euro Miese. "Das war ein schwerer Rucksack für die neuen Vorsitzenden", weiß Menninger. "Wir sind belogen wurden", sagt Markus Wolf ganz deutlich und kündigte an, "nicht beide Augen zudrücken" zu wollen. Man werde intern diskutieren, ob man Jonas und Löhnert in Haftung nimmt. "Der Verein ist rechtlich in der Lage, Schadensersatzansprüche geltend zu machen", weiß Jürgen Menninger. Gesunkene Beiträge der nur noch 970 Vereinsmitglieder (im Vergleich zu 1.017 bei der letzten Jahreshauptversammlung), weniger Spenden, generell eine schlechtere Einnahmensituation lassen die Zukunft nicht viel rosiger erscheinen. In dieser Saison ist der FC05 dank einer nun laufenden Buchführung zwar bei einem Plus von 2.220 Euro angelangt. Doch nun kommen ja die drei einnahmenfreien Monate bei laufenden Kosten für die Fußballer. Die lockten diese Runde im Schnitt 698 (Quelle: FuPa-Statistik) statt der kalkulierten 1.000 Zuschauer an. Mit 30.000 Euro weniger als geplant rechnet Wolf vorsichtshalber und sagt: "Wir arbeiten daran, den Verlust möglichst gering zu halten." Erst im Juni / Juli 2012 wird es die nächste Versammlung geben, dann mit Nachwahlen für den verstorbenen Dieter Sczygiel und mit den genauen Zahlen für die Saison 2010/2011.

Zuschauertabelle 2011/12SpieleMinMaxGesamtDurchs. 1. SpVgg Bayern Hof 11 500 1.910 9.400 854 2. TSV Buchbach 10 600 1.050 7.780 778 3. 1. FC Schweinfurt 05 12 470 1.171 8.385 698 4. TSV Großbardorf 10 310 2.100 6.220 622 5. Würzburger FV 12 342 1.275 6.779 564


Natürlich war die Situation der Fußballer wie immer Hauptbestandteil der Versammlung. Die erste und zweite Mannschaft sind die Sorgenkinder, weshalb der sportliche Leiter Rüdiger Mauder "das Fußballjahr 2011 so schnell wie möglich vergessen" möchte. Dafür gab´s Applaus, noch lauteren, als Mauder vom "geilsten Verein der gesamten Region" sprach. Zumindest im Jugendbereich sieht es gut aus, hat der FC05 doch seinen Status als Nachwuchsleistungszentrum, ebenso zwischenzeitlich aberkannt, doch wieder zurückgewonnen und stehen nahezu alle Mannschaften weit oben. Auch im Frauenfußball läuft es gut, die Leichtathtleten sorgen ebenso für positive Schlagzeilen. Faustball und Badminton laufen eher nebenher, von den Abteilungen Football, Rugby oder Futsal, damals von der alten Vorstandschaft als Ersatz für die verloren gegangenen Handballer geholt, ist schon lange nicht mehr die Rede.

Regionalliga-Aufstieg nur, »wenn die sportliche und wirtschaftliche Basis stimmt.«


Bürgermeister Otto Wirth bekam an seinem vorletzten Amtstag von Markus Wolf einen Trainingsanzug überreicht. Danach sprach der Vereinsvorsitzende einige grundsätzliche Dinge an. "Das ein oder andere Tabellenplätzchen" sollte die erste Mannschaft in der Rückrunde noch gut machen. Einen Lizenzantrag für die Regionalliga wird der FC05 zwar stellen. Ein Aufstieg aber mache nur dann Sinn, "wenn die sportliche und auch die wirtschaftliche Basis stimmt". Mit einem Platz im Tabellenkeller würde der FC 05 "die Leute weiter verärgern". Und ohne die Großindustrie im Boot könne es der Verein eh nicht schaffen. "Ich fühle mich als Hauptsponsor alleine gelassen", gab Markus Wolf zu und sprach von "Lippenbekenntnissen" aus der Schweinfurter Industrie, die zwar ankündigte zu helfen, wenn er als neuer Vorsitzender einsteigt. Passiert sei aber noch nichts.

Auch die Stadt Schweinfurt müsse helfen. Aus finanziellen Gründen lehnte sie für den Haushalt 2012 den vom FC 05 beantragten neuen Kunstrasenplatz der neuesten Generation ab. Eine neue Beschallung des Hauptfeldes (Wolf: "Das Gekrächze regt mich auf!") dürfte aber Formache sein, weil sich Schweinfurt ja nicht blamieren will, wenn nächsten Sommer im Willy-Sachs-Stadion die Faustball-EM steigt. Für 2015 - zum 110-Jährigen - hat sich der FC05 für die Ausrichtung der Stadtmeisterschaften beworben. Darauf legt Wolf wieder großen Wert, genauso auf das Antreten bei den Hallenturnieren diesen Winter "mit keiner Hustentruppe, sondern mit der bestmöglichen Mannschaft".
Nach exakt zweieinhalb Stunden endete die Jahreshauptversammlung. Zum Schluss wurde ganz heftig diskutiert. Eben darüber, ob es Sinn macht, Schadensersatzforderungen an die alte Vorstandschaft zu richten. Aber auch über die Fan-Vereinigung, die 2.100 Euro sammelte für die Station Regenbogen der Würzburger Uni-Kliniken. "Das zeigt, dass sie anpacken und die Ärmel hochkrempeln", lobte Wolf, der sich mehrfach rechtfertigen musste, weil der Verein unlängst einen Nachruf vergaß beim Tod einer verdienten Alt-Spielers und bei einem anderen in die Schlagzeilen geriet, weil er nicht die gewünschte Parkkarte für sein Auto im Innenhof bekam. "Das Gemotze auf der Haupttribüne" ist Markus Wolf generell ein Dorn im Auge. Die "To-Do-Liste" der Nullfünfer fürs Jahr 2012 zeigt sich also prall gefühlt, so kurz vorm Jahreswechsel.