
Gau-Odernheim. Mit Klartext muss man klarkommen. „Ich habe ihm vor der Mannschaft gesagt, dass ich zuletzt nicht zufrieden mit ihm war und er jetzt trotzdem die Chance bekommt“, erzählt Florian Diel, Trainer von Oberligist TSV Gau-Odernheim. Und er, Stürmer Gradi Nkunga, stimmte zum Erstaunen seiner Mitspieler vollauf zu.
Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung und Wormser Zeitung.
Die Idee des TSV-Trainers war, Nkunga gegen Wormatia Worms, seinem ehemaligen Verein, die Bewährungschance zu geben, mit der Hoffnung auf ein paar Prozent extra. Und wenn Eigenlob nicht stinken würde, könnte Diel mit Blick auf die 38. Spielminute zu Klopfern auf die eigene Schulter ansetzen. Denn da traf Nkunga, weil er im Zentrum der Wormser Abwehr weglief und Aki Dimitrijevics flache Hereingabe punktgenau serviert bekam.
Beim anschließenden Jubel streckte der 22-Jährige die Hände fast schon entschuldigend gen Himmel – eine gängige Geste des Respekts. Von der U13 an spielte Nkunga acht Jahre für den VfR Wormatia. Das hat er nicht vergessen, zumal er noch immer in Worms-Neuhausen wohnt. „Ich hatte eine gute Zeit da“, sagt der Stürmer, der bis zur U19 beim VfR gespielt hatte, dann nach einem Abstecher nach Sandhausen und in die Bayernliga Süd Landesliga-Torschützenkönig für die U23 der Wormatia wurde und auch ein paar Oberliga-Minuten sammelte, aber für die Saison 2024/25 nicht genug Aussicht auf Spielzeit in der ersten Mannschaft bestand.
Die Station TuS Mechtersheim brach Nkunga nach einem halben Jahr ab. Schon im Vorgriff auf den absehbaren Abgang von Ausnahmestürmer Fabio Moreno Fell kam er vorigen Winter an den Petersberg – und reihte eine Verletzung an die nächste. In seinen drei Verbandsligaspielen fühlte sich der Stürmer schon nicht richtig fit, dann machten Sprunggelenk und Leiste Probleme. „Ich kam früher zurück, als es gut war“, gibt der 22-Jährige zu. So stellten sich Folgeverletzungen ein. „Ich bin, wenn ich ehrlich bin, immer noch nicht ganz fit, aber ich versuche mein Bestes zu geben.“
Die kritische, ehrliche Selbsteinschätzung hebt Diel an seinem Stürmer hervor, was die eingangs geschilderte Episode beweist. „Mich freut es für ihn, dass er in diesem Moment da war und seine Chance nutzen konnte. Sonst war er ordentlich im Spiel.“ An Nkunga schätzt der Trainer, dass er ein „Arbeiter-Stürmer“ ist, wertvoll für die Kabine und die Betriebsmoral. „Damit passt er bei uns gut rein.“
„Hier bin ich super glücklich“, strahlt Nkunga nach seinem Premierentreffer. „Es hat mich sehr gefreut, dass ich die Chance nutzen konnte. Hoffentlich kommen jetzt mehr Tore dazu.“ Die nächste Chance besteht beim zuletzt stark verbesserten FC Rot-Weiß Koblenz (Sonntag, 15.30 Uhr).
Die Fußstapfen von Moreno sind groß, keine Frage. Niemand wird sie allein ausfüllen können. Es geht nur im Kollektiv. Drei Stürmer-Tore des umfunktionierten Spielmachers Belel Meslem gab es bislang, und nun das von Nkunga. „Wir wollten wieder mehr als Mannschaft angreifen“, sagt Diel, „als Stürmer musst du bei uns schon ackern. Und dann am besten nach einem 40-Meter-Sprint noch treffen.“
Deshalb schob der Chefcoach den ganzen Mannschaftsverbund nach vorne, ließ höher attackieren und folglich in letzter Linie auch höher verteidigen. Mehr Risiko, mehr Gestaltungswille und weniger Reagieren im Spiel, das legte offenbar im Kopf den Schalter um. So gelang es beim 2:2 gegen die Wormatia auch erstmals, nach Rückstand zu punkten. Auch dank Nkunga.