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Allgemeines

Appell: Sportvereine sind keine Dienstleister

Die Ereignisse rund um die Vorstandsarbeit bei der SGE Bedburg-Hau sind sicherlich exemplarisch.

von RP / Christian Cadel · 05.12.2025, 18:00 Uhr · 0 Leser
Die Probleme, die die SGE Bedburg-Hau hatte und hat, sind fraglos keine Seltenheit.
Die Probleme, die die SGE Bedburg-Hau hatte und hat, sind fraglos keine Seltenheit. – Foto: Stefan Klümpen

Ein Jahr ohne gewählten Vorsitzenden, ein Verein fast am Abgrund: Die
SGE Bedburg-Hau ist nur ein Beispiel für ein größeres Problem. Was passiert, wenn wir alle weiterhin nichts tun? Ein Appell.

Nach langem Warten hat die SGE Bedburg-Hau endlich einen neuen Vorsitzenden – Tim Kisters. Damit endet eine lange Leidenszeit. Der Verein stand sprichwörtlich vor dem Abgrund, da sich ein Jahr lang niemand finden ließ, der den Vorsitz übernehmen wollte. Das ist kein Einzelfall. Und es ist auch nicht neu. Aber es ist ein Symptom einer Entwicklung, die gefühlt immer mehr an Tempo aufnimmt.

Wer übernimmt Verantwortung?

Immer wieder gibt es Vereine, die einen Existenzkampf führen müssen, weil niemand Verantwortung übernehmen will oder kann. Und dabei geht es nicht nur um Posten im Vorstand. Auch viele Helfer werden immer weniger. Die Gründe? Sie sind so komplex wie das Problem selbst.

Ist es Zeitmangel, ist es die berufliche Belastung, sind es familiäre Strukturen? Bestimmt auch. Aber Tim Kisters hat recht, wenn er sagt, dass man es sich manchmal zu einfach mache. Jeder habe doch mal eine Stunde Zeit, um mit anzupacken. Aber wie lassen sich Vereinsmitglieder mehr fürs Ehrenamt begeistern? Tim Kisters hat einen Plan. Kann dieser Plan aufgehen? Ja, kann er. Denn in dieser schnelllebigen und sich stark verändernden Welt, in der Empörung oft vor Rücksicht kommt, in der Hass auf mehr Begeisterung stößt als Nächstenliebe, muss jede Ressource genutzt werden.

Zeitgemäße Strukturen

Ältere Strukturen, die seit 20, 30 oder 40 Jahren bestehen, müssen aufgebrochen werden. Die ältere Generation muss früh Nachfolger finden und aufbauen – und vielleicht auch mal mutiger sein, sich selbst zurückzunehmen (falls möglich) und der jüngeren Generation mehr Raum geben. Das soll keinen Generationenkonflikt heraufbeschwören, sondern vielmehr für die jeweils andere Seite sensibilisieren.

Die Sprache ist das A und O. Argumente wie „Das war aber schon immer so“ zählen einfach nicht mehr. Ein 25-Jähriger kommuniziert eben lieber über WhatsApp, Tiktok und Co. – und er informiert sich auch mithilfe dieser Plattformen.

Alle müssen mit anpacken. Ein Verein ist kein Dienstleister, der nur Erwartungshaltungen erfüllt. Er ist Gemeinschaft. Und Gemeinschaft bedeutet: Anpacken. Ein Verein schafft Zusammenhalt und bringt die Menschen zusammen, was in diesen unsicheren Zeiten soooo wichtig ist. Ob alt oder jung, schwarz oder weiß, schwul oder hetero, christlich oder muslimisch. In Vereinen kommen alle zusammen. Und in Vereinen spielen diese Kategorien keine Rolle – zumindest sollten sie es nicht.

Auch der Autor dieser Zeilen ist Mitglied in einem Sportverein und engagiert sich viel zu wenig. Sein Grund: Zeitmangel. Aber den Satz von Tim Kisters, dass man es sich manchmal zu einfach mache, hat sich der Autor gemerkt.