
Sportlich startete das neue Jahr für den SV 09 Staßfurt vielversprechend. Mit einem 3:0-Heimerfolg über den FSV Grün-Weiß Ilsenburg untermauerten die Staßfurter ihren Platz im Spitzentrio der LOTTO-Landesliga Nord. Abseits des Platzes gibt es allerdings Unruhe. So tauchte der Verein in einer kürzlich veröffentlichten Recherche der "Süddeutschen Zeitung" und der "Mitteldeutschen Zeitung" auf.
Im Fokus der Recherche steht Tobias Rausch, der Parlamentarische Geschäftsführer der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen-Anhalt. Bisher war bekannt, dass drei Geschwister und ein Schwager des 35-Jährigen Anstellungen bei anderen AfD-Abgeordneten gefunden hatten. Aufgrund dieser - in Sachsen-Anhalt nicht verbotenen - Praxis der Über-Kreuz-Anstellung wurde in den vergangenen Wochen der Vorwurf der Vetternwirtschaft laut. Auch bei anderen Parteien wie der CDU wurden solche Beschäftigungsverhältnisse bekannt. Deutschlandweit wurde berichtet.
Nun rückt auch der SV 09 Staßfurt in diesem Zuge in einen ungewohnten Fokus. Denn Tobias Rausch ist nicht "nur" Mitglied des Landtages und Parlamentarischer Geschäftsführer der AfD-Fraktion, sondern seit Anfang 2025 auch Vorstandsvorsitzender beim Landesligisten aus dem Salzlandkreis. Nun steht die Frage im Raum, ob es Verbindungen zwischen den Posten gibt.
Wie zuerst die "MZ" berichtet hatte, stünden vier Fußballer aus der Herrenmannschaft der Staßfurter auf der Gehaltsliste von Rauschs Abgeordnetenbüro. Auszüge aus Arbeitsverträgen, die der "Süddeutschen Zeitung" vorlägen, würden dies bestätigen. Landtagsabgeordnete in Sachsen-Anhalt können monatlich 5940 Euro für Mitarbeiteraufwendungen abrechnen. Finanziert werden die Mitarbeiter aus öffentlichen Geldern.
Der "SZ" zufolge habe Rausch zum 1. Mai 2025 drei Spieler des SV 09 Staßfurt auf Minijob-Basis für 250 Euro im Monat bei sich im Wahlkreisbüro angestellt. Ein weiteres Mitglied aus dem Verein, das im vergangenen Jahr angestellt wurde, verdiene demnach 300 Euro monatlich. Laut den Verträgen sollen die Fußballer vier Wochenstunden zur Unterstützung der parlamentarischen Arbeit tätig sein. Eine "SZ"-Anfrage, warum ausgerechnet Fußballer seines Vereins angestellt wurden und was sie genau für ihn arbeiten, ließ Rausch offen.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob die Anstellungen im Wahlkreisbüro und das Fußballspielen beim SV 09 Staßfurt womöglich in einer Verbindung miteinander stehen.
Auf Anfrage von FuPa Sachsen-Anhalt erklärte Rausch, aus personen- und datenschutzrechtlichen Gründen grundsätzlich keine Auskunft über Mitarbeiter zu geben. Man werde sich zu der Thematik nicht äußern. Gleichwohl betonte Rausch ausdrücklich, dass beim SV 09 Staßfurt Politik und Freizeit sowie berufliches Engagement und Hobby getrennt würden. Der Fußball stehe im Vordergrund.
Auch die "Süddeutsche Zeitung" hatte den Verein mit den Recherchen konfrontiert. Einer der stellvertretenden Vorsitzenden hätte daraufhin erklärt, im Club habe man erst durch einen Bericht in der "Mitteldeutschen Zeitung" von den Minijobs der Spieler erfahren. Jene Anstellungen seien nur die Sache von Rausch. Wer beim SV 09 Staßfurt spiele, mache dies für gewöhnlich nicht für Geld. Die Anstellungen im Wahlkreisbüro stünden in keinem Verhältnis zum Verein.