
Nach dem Titel mit Hankenberge nahm sich der erfahrene Coach eine Auszeit. Im Interview spricht er über Entwicklungen im Amateurfußball, seine Philosophie und mögliche neue Aufgaben.
Der Name Andreas Cabus ist im Amateurfußball rund um Osnabrück kein unbekannter. Der heute 60-Jährige hat über die Jahrzehnte bei zahlreichen Vereinen an der Seitenlinie gestanden – unter anderem beim SC Portugues, SuS Vehrte, der SG Ostercappeln, dem SC Epe, dem VfB Schinkel und dem Osnabrücker SC. Zuletzt führte er die SG Hankenberge zurück in die 1. Kreisklasse. Nun gönnt sich Cabus eine Pause – ganz loslassen kann er das Spiel aber noch nicht, wie er im Gespräch verrät.
Herr Cabus, zuletzt waren Sie Trainer und sportlicher Leiter in Hankenberge. Warum geht es dort für Sie nicht weiter?
Nach meinem letzten Spiel für die SG Hankenberge – urlaubsbedingt bereits am vorletzten Spieltag gegen Rothenfelde III – wurde es etwas ruhiger. Der Gewinn der Meisterschaft war ein starker Abschluss und zugleich eine direkte Korrektur des letztjährigen Abstiegs. Für mich war das ein passender Moment, einmal abzuschalten. Nach all den Jahren im Traineramt, vorrangig an Wochenenden, war mir wichtig, mehr zeitliche Freiheit für meine Familie zu haben. Die Rolle des sportlichen Leiters in Hankenberge hat faktisch nicht stattgefunden. Die 1. Mannschaft ist mit einem kompetenten Team an Funktionären sehr gut aufgestellt. Diese leisten hervorragende Arbeit, sodass ich mich bewusst zurückgenommen habe.
Was war Ihr größter Erfolg – oder Misserfolg – als Trainer, und was haben Sie daraus gelernt?
Rückblickend durfte ich im Laufe der Jahre viele tolle Kontakte knüpfen – teilweise habe ich sogar die Söhne ehemaliger Spieler trainiert. Zwei Generationen zu begleiten ist ein ganz besonderes Gefühl. Sportlich gesehen waren meine größten messbaren Erfolge die Aufstiege mit dem SC Lüstringen II, dem OSC II, dem VfB Schinkel sowie der SG Hankenberge. Doch nicht nur Aufstiege zählen: Oft war es die größere Herausforderung, mit knapper Personaldecke den Klassenerhalt zu sichern. Hier zählen vor allem geschlossener Zusammenhalt und starker Teamgeist. Als Misserfolg empfinde ich Situationen, in denen es menschlich zwischen Trainer und Mannschaft nicht funktioniert – oder wenn Störfaktoren aus dem Vereinsumfeld Einfluss nehmen. In solchen Momenten ist man als Trainer oft machtlos, egal wie gut die fachliche Arbeit ist. Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, meine Herangehensweise weiterzuentwickeln, dabei aber meinen Grundsätzen treu zu bleiben.
Wie bewerten Sie die Entwicklung im Amateurfußball?
Ich nehme einen erfreulichen Trend wahr: Viele Spieler – besonders im ländlichen Bereich – entscheiden sich wieder bewusst für heimatnahe Vereine, wo sie mit Freunden spielen und sich wohlfühlen. Das ist eine sehr gesunde Entwicklung. Gleichzeitig sind die Anforderungen an Trainer gewachsen – sowohl von Seiten der Spieler als auch der Funktionäre. Dabei klaffen Anspruch und tatsächliches Potenzial nicht selten auseinander. Insgesamt ist das Spielniveau ab der 1. Kreisklasse aber deutlich dynamischer und ansehnlicher geworden.
Welche Erfahrungen haben Sie besonders geprägt?
Geprägt hat mich vor allem, aktiv zur Entwicklung von Spielern und Mannschaften beitragen zu können. Es geht nicht darum, sich mit vier oder fünf Leistungsträgern zufriedenzugeben, sondern ein Bewusstsein dafür zu schaffen, als Mannschaft gemeinsam zu funktionieren – ob in Ballbesitz oder nach Ballverlust – und nicht darauf zu hoffen, dass es genau diese angesprochenen Leistungsträger schon richten werden.
Welche Spielphilosophie verfolgen Sie?
Meine Spielphilosophie richtet sich immer nach dem vorhandenen Potenzial. Ohne die nötige Fitness und technische Grundlagen lässt sich keine belastbare Taktik umsetzen.
Grundsätzlich setze ich auf offensives Umschaltspiel – den direkten, kurzen Weg zum Tor nach Ballgewinn – kombiniert mit einer stabilen, gut organisierten Defensive.
Würden Sie noch einmal als Trainer arbeiten?
Ob ich nochmal Trainer werde? Ich sage nicht „nie“. Die direkte Arbeit mit einer Mannschaft hat ihren besonderen Reiz, genauso sicherlich auch in weiterer sportlich leitender Funktion. Es kommt auf die Aufgabe und das Umfeld an.
Welche Voraussetzungen müsste ein Verein mitbringen, damit Sie nochmal einsteigen?
Wenn sportliche Herausforderung und Vereinsstruktur zueinander passen – zum Beispiel mit engagierter Jugendabteilung oder mehreren Herrenteams – kann ich mir gut vorstellen, nochmal Verantwortung zu übernehmen. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, dann bin ich zum passenden Zeitpunkt bereit.
