
Vor knapp einem Jahr, als in der Kreisliga A Kempen-Krefeld die Saison angepfiffen wurde und die Zweitvertretung von Amern mit ihrem plötzlichen Rückzug für Schlagzeilen sorgte, hatte in Sachen Aufstieg niemand den Neuling Anadolu Türkspor Krefeld oder den gerade in der Abstiegsrelegation gegen Ratingen 04/19 II sang- und klanglos gescheiterten VfB Uerdingen auf der Rechnung. Doch die Realität sieht ganz anders aus. Anadolu hat nach dem Durchmarsch durch die B-Klasse und dem Weggang von Goalgetter Samed Yesil nach Türkgücü Ratingen die nächste Meisterschaft perfekt gemacht und der VfB, das Team des ewigen Trainers und Managers Stefan G. Rex mit seinen vielen alten Haudegen, ist als Vize und zweiter Aufsteiger spätestens nach dem Remis in Willich am vorletzten Spieltag sicher über den Zielstrich gegangen (1:1).
Yesil ist ja bekanntlich in der Winterpause zu Anadolu Türkspor zurückgekehrt und hat sich mit 28 Treffern in nur 14 Spielen noch auf Platz zwei der Torjägerliste gesetzt. Angeführt wird diese mit 38 Treffern von Burhan Sahin vom VfB Uerdingen. Der 37-Jährige, der auch in seinem Heimatland Türkei spielte und schon für viele andere Klubs ein treffsicherer Vollstrecker war (unter anderem beim SC St. Tönis), erlebte am Rundweg, vom BV Union Krefeld kommend, seinen dritten Frühling. Rex gehörte vor vielen Jahren zum Förderer des jungen Sahin. Gefolgt vom Anrather Marvin Müller mit 25 – er war nach einem Platzverweis lange gesperrt. Rang vier mit 24 Toren stehen für den Schiefbahner Jens Seyferth zu Buche. Dann folgt Jendrik Norbert Schwanitz. Der Kaldenkirchener traf 21 Mal in 17 Begegnungen.
Mit Platz drei, vor dem Hülser SV, ist ein Team eingelaufen, mit dem schon gerechnet wurde. Allerdings ist für die Willicher wegen ihres Komplett-Neuaufbaus diese Platzierung erheblich höher einzuschätzen. Am letzten Spieltag trafen beide übrigens noch aufeinander und teilten sich die Punkte, was der VfL-Elf von Trainer Stefan Poetters langte, um die Nase vorne zu behalten.
Der SC Viktoria Anrath, für den das Freundschaftsspiel-Highlight gegen Bundesligist VfL Borussia Mönchengladbach alle Erwartungen übertraf, liegt als Fünfter völlig im Soll. Alles im Reinen ist beim SC Waldniel auf Platz sechs, was mit Abstrichen auch für den SC Schiefbahn, der schwer in die Spielzeit fand, von Woche zu Woche aber stabiler agierte, gilt. Vor allem die Abteilung Attacke performte gut.
Eher erneut enttäuschend das Abschneiden des TSV Kaldenkirchen. Seit Jahren klappt es bei den Grenzlern mit dem Höhergehen nicht. Fraglos hat auch das frühe Veröffentlichen des Weggangs im Sommer von Trainer Fabian Wiegers-Lange zum VfR Fischeln – plus Bruder Philipp Stephan und Lars Heines – die heile Welt an der holländischen Grenze durcheinandergebracht. Mit dem viele Jahre beim SC Union Nettetal erfolgreich arbeitenden Coach Andreas Schwan soll nun ein neuer Anlauf genommen werden.
TSV Bockum II und Neuling TuRa Brüggen II mischten besser mit, als eingeschätzt. Beide übertrafen die Erwartungen um Längen. In Bockum war die Verpflichtung von Trainer Leslaw Goluch über jeden Zweifel erhaben, was anfänglich schon angezweifelt wurde. Dies gilt nicht ganz für den SSV Strümp, der dahinter eingegangen ist. Die Elf um Kapitän Yasin Asan wollte zwar nicht ganz an die begehrten Fleischtöpfe ganz oben ran, aber schon etwas weiter vor. Dies soll nun in der kommenden Saison passieren. Interessante Neuzugänge sind schon verpflichtet. So zum Beispiel Abwehrspieler Leon Kempkens, beim Oberligisten TSV Meerbusch eine Bank.
Eine bessere Platzierung als Platz 13 war das Saisonziel des FC Hellas Krefeld. Aber erneut passte nach dem Neuaufbau nicht alles so zusammen, wie erwartet. Dazu hat die Posse um das Kurzengagement von Trainer Karl-Heinz Himmelmann das Übrige dazu getan. Aber Gefahr nach ganz unten drohte nie. Dies gilt auch für den einen Platz davor platzierten SC Niederkrüchten, der für seine Verhältnisse zwei respektable Serien hinlegte. Erstaunlich erneut wieder die Dritte des TSV Meerbusch. Allen Widrigkeiten zum Trotz hat es Trainer Jannik Boortz wieder geschafft, nie ernstlich bangen zu müssen. Auch Vater Ralf, der ehemalige 1. Vorsitzende des VfR Fischeln, hat durch kluge Personalpolitik seinen Anteil daran.
Aufsteiger und Absteiger TuS Gellep war wegen seiner beschränkten Möglichkeiten von Beginn an kaum konkurrenzfähig. Dass aber die Zweite aus Fischeln absteigt – für das Team war das vergangene 0:0 bei Mitkonkurrent Rhenania Hinsbeck zu wenig –, hat auch mit einem Totalversagen der Macher auf der Kommandobrücke zu tun. Da konnten auch der rege Trainerverschleiß und die Rückkehr von Simon Gerdts zwischen die Pfosten nicht mehr retten. Mit Leon Pietta, Thomas Eigerdt beziehungsweise Jan Krolicki und Maurizio Garau Serra gaben sich an der Kölner Straße die Trainer praktisch die Türklinke in die Hand.