
Die ganz großen Sensationen blieben in der 1. Runde des Lotto-Pokals Hamburg weitgehend aus. Dafür ließen einige Favoriten früh erkennen, mit welcher Ernsthaftigkeit sie den Wettbewerb angehen. Eimsbütteler TV schoss BLS Hamburg 01 mit 13:0 aus dem Wettbewerb, ETSV Hamburg gewann 8:1 bei Hamm United FC, TuS Dassendorf erledigte seine Aufgabe beim FSV Geesthacht mit 4:1 und SC Victoria setzte sich beim VfL 93 Hamburg mit 4:0 durch.
Dass ein Klassenunterschied allein nichts garantiert, zeigte dagegen der SC Vier- und Marschlande. Gegen den Oberligisten SC Vorwärts/Wacker Billstedt, der wenige Monate zuvor noch im Halbfinale gestanden hatte, gelang ein bemerkenswertes 3:0. Genau solche Geschichten machen die zweite Runde interessant: Die Favoriten werden stärker, gleichzeitig sind noch genügend unterklassige Mannschaften dabei, die ihren großen Abend suchen.
Zwischen dem 18. und 20. August wird das Teilnehmerfeld nun weiter reduziert. Auf dem offiziellen Spielplan stechen insbesondere zwei direkte Oberliga-Duelle sowie die Auswärtsspiele der Regionalligisten heraus.
Das prominenteste Spiel steigt an der Adolf-Jäger-Kampfbahn. Altona 93 und FC Süderelbe kennen sich bereits aus der Oberliga Hamburg - und sogar aus dieser noch jungen Saison. Zum Auftakt gewann Altona mit 2:1. Nur wenige Wochen später wirkt die Ausgangslage allerdings erheblich offener.
Altona ist nach dem Abstieg aus der Regionalliga sportlich noch nicht angekommen. Auf den Auftaktsieg gegen Süderelbe folgte ein 0:2 gegen den TSV Sasel, anschließend setzte es bei der TuS Dassendorf sogar eine deutliche 0:6-Niederlage. Süderelbe dagegen holte am Freitag beim 3:1 gegen Eintracht Norderstedt II seinen ersten Saisonsieg und dürfte mit deutlich besserem Gefühl zum erneuten Duell fahren.
Auch deshalb besitzt diese Partie für Altona bereits eine gewisse Brisanz. In der ersten Pokalrunde hatte der Regionalliga-Absteiger mit dem 3:1 bei HEBC Hamburg einen anspruchsvollen Gegner ausgeschaltet. Nun wartet sofort das nächste Oberliga-Duell. Süderelbe wiederum löste seine Auftaktaufgabe beim SV Rot Weiss Wilhelmsburg mit einem unspektakulären 2:0.
Für beide Vereine ist der Wettbewerb interessant. Altona zählt allein aufgrund seiner Möglichkeiten und Historie zum Kreis der Teams, die tief in den Pokal vorstoßen wollen. Süderelbe könnte dagegen binnen weniger Tage aus einem schwierigen Saisonstart eine kleine Aufbruchsstimmung machen.
Auch das Gastspiel des FC Eintracht Norderstedt beim HSV Barmbek-Uhlenhorst gehört zu den Begegnungen, die redaktionell deutlich mehr hergeben als eine gewöhnliche Partie zwischen zwei unterschiedlichen Spielklassen.
Norderstedt ist als Regionalligist klar favorisiert. Schon die erste Runde zeigte allerdings, dass Pokalabende nicht zwangsläufig zu Spaziergängen werden. Beim FC Alsterbrüder kassierte die Eintracht fünf Gegentore, setzte sich letztlich aber mit 7:5 durch. Für die Norderstedter war es ein spektakulärer Start in einen Wettbewerb, in dem sie naturgemäß zu den Titelanwärtern gehören.
Nun geht es zu einem traditionsreichen Hamburger Gegner. Gerade für Barmbek-Uhlenhorst ist ein Heimspiel gegen einen Regionalligisten die Konstellation, in der der Pokal seinen besonderen Reiz entwickelt. Die Anstoßzeit wurde inzwischen auf Dienstag um 19.30 Uhr gelegt.
Norderstedt kann sich einen ähnlich wilden Verlauf wie gegen die Alsterbrüder kaum wünschen. BU dagegen kann genau darauf hoffen, dass der Favorit nicht sofort Zugriff auf die Partie bekommt.
Beim Rahlstedter SC wartet auf den ETSV Hamburg eine dieser Aufgaben, bei denen auf dem Papier nahezu alles für den Gast spricht. Der ETSV gehört zu den stärksten Mannschaften der Oberliga und unterstrich seine offensive Qualität bereits in Runde eins eindrucksvoll beim 8:1 gegen Hamm United.
Rahlstedt besitzt allerdings Heimrecht und damit zumindest jene Zutaten, die ein Pokalspiel unangenehm machen können. Das Spiel beginnt zudem erst um 20 Uhr, wodurch sich ein klassischer Flutlichtabend entwickelt. Der ETSV darf sich trotz seiner Favoritenrolle nicht erlauben, gedanklich schon eine Runde weiter zu sein.
Gerade nach den Ereignissen der vergangenen Pokalsaison ist die Erwartungshaltung beim ETSV groß. Damals gelang im Viertelfinale sogar der Coup gegen den Regionalligisten Eintracht Norderstedt. Wer solche Gegner ausschalten kann, wird gegen einen unterklassigen Kontrahenten automatisch zum Gejagten.
Erst am Mittwoch greift FC Voran Ohe gegen die TuS Dassendorf ein. Für Dassendorf ist das eine klassische Pflichtaufgabe mit Stolperpotenzial. Der Oberligist gewann zum Auftakt des Pokals 4:1 beim FSV Geesthacht und reist nun erneut auswärts zu einem Gegner, der genau auf dieses Spiel hinfiebern dürfte. Auch die offizielle Pokalvorschau zählt Ohe gegen Dassendorf zu den interessanten Auswärtsaufgaben eines Favoriten.
Noch größer ist der Klassenunterschied am Dienstag beim Duvenstedter SV. Dort gastiert mit dem Eimsbütteler TV ein Regionalligist. Der ETV kann nach seinem 13:0 in Runde eins kaum deutlicher als Favorit in ein Pokalspiel gehen. Gerade deshalb liegt die Geschichte weniger in der Frage nach der Rollenverteilung als darin, wie lange Duvenstedt die Partie offenhalten kann.
Für einen Außenseiter gibt es im Pokal kaum eine attraktivere Situation: Heimspiel, großer Gegner und praktisch nichts zu verlieren. Der ETV wiederum muss verhindern, dass aus einer vermeintlich einfachen Aufgabe ein unangenehmer Abend wird. Die Partie wurde auf 19.30 Uhr angesetzt.
Neben Altona gegen Süderelbe garantiert auch die Partie Concordia Hamburg gegen HT 16, dass mindestens ein weiterer Oberligist die 3. Runde nicht erreichen wird.
Beide Mannschaften können den Klassenunterschied als Ausrede streichen. Es geht unmittelbar gegen einen Konkurrenten aus derselben Liga, wodurch Tagesform und personelle Möglichkeiten noch stärker ins Gewicht fallen. Solche Spiele sind gerade früh in der Saison interessant, weil sie schnell eine erste Richtung vorgeben können. Ein Pokalaus nach wenigen Wochen kann den Saisonstart erheblich eintrüben, ein Erfolg gegen einen direkten Ligakonkurrenten dagegen zusätzlichen Schwung bringen.
Ähnlich interessant ist HFC Falke gegen USC Paloma. Paloma geht als Oberligist favorisiert in die Partie und löste die erste Aufgabe bei SV Friedrichsgabe mit 2:0. Falke setzte sich knapp mit 2:1 bei Nordlichter im NSV durch. Die Rollen sind verteilt, der Rahmen macht die Begegnung dennoch reizvoll: Falke bekommt einen attraktiven Hamburger Oberligisten vor die eigene Tür und kann ausschließlich gewinnen.
Wer nach einer potenziellen Fortsetzungsgeschichte aus Runde eins sucht, landet beim SC Vier- und Marschlande. Das 3:0 gegen Vorwärts/Wacker Billstedt war eines der auffälligsten Resultate der Auftaktrunde. Nun kommt mit dem VfL Lohbrügge der nächste namhafte Gegner.
Genau darin liegt redaktionell der Reiz. War das 3:0 gegen Billstedt ein einmaliger Pokalabend oder entwickelt sich der SCVM tatsächlich zum Pokalschreck dieser Saison? Während andere Außenseiter in Runde eins gegen höherklassige Gegner deutlich verloren, warf Vier- und Marschlande einen Oberligisten ohne eigenes Gegentor aus dem Wettbewerb.
Ein zweiter Erfolg würde aus einer Überraschung bereits eine echte Pokalgeschichte machen.
Auch andernorts lohnt der Blick: SV Grün-Weiss Eimsbüttel bekommt mit Victoria einen Oberligisten, FC Elmshorn erwartet den Niendorfer TSV und Juventude do Minho darf sich mit Teutonia 05 Ottensen messen. Gerade dort liegt die Spannung weniger in der Frage nach dem Favoriten als darin, ob einer der vermeintlich Kleinen den nächsten großen Namen erwischt.
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