2024-07-12T13:30:11.727Z

Analyse
Vor allem ältere Fußballtrainer verstehen Gen Z-Spieler nicht immer
Vor allem ältere Fußballtrainer verstehen Gen Z-Spieler nicht immer – Foto: Shutterstock

„Alte“ Trainer und die Generation Z – das klappt nicht immer!

Wer muss sich anpassen, Trainer oder Spieler? Eigensinn gefährdet Mannschaftsgeist

In den vergangenen zwei Jahren berichteten gleich vier Trainer FuPa gegenüber von ihren Problemen, die sie mit der jüngeren Generation von Spielern innerhalb von 1.Mannschaften hatten. Ganze drei davon haben ihre Trainerkarriere u.a. deswegen unter- oder abgebrochen. Wir haben nachgeforscht.

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Einer, der die Lage sehr gut einschätzen kann, ist Fernando „Nando“ Gutierrez, der als Koordinator für außerschulische Aktivitäten an der Europaschule arbeitet. Er kennt die Lage aus Sicht seiner hauptberuflichen Tätigkeit, aber auch als einstiger Trainer u.a. in der BGL Ligue. Im November 2022 hörte er nur wenige Monate nach seinem Comeback auf der Trainerbank in Pfaffenthal wieder auf. „Aus persönlichen Gründen“ hieß es damals. Beim selben Verein schmiss auch Jhemp Almeida einst hin, wurde wieder als Spieler aktiv um wieder Spaß zu haben – dieser war ihm als Trainer abhanden gekommen. „Ich bin überzeugt, dass es die richtige Entscheidung war“ verriet uns Almeida nicht später als vergangenen Mittwoch. Ein weiterer Übungsleiter, der uns darum bat, seinen Namen nicht zu nennen, hat seine Trainerkarriere ebenfalls u.a. aus ähnlichen Gründen beendet.

Über Probleme mit einer verwöhnten Generation an Spielern beschwerte sich im Verlaufe der Saison 2023-2024 auch Tony Lopes, Cheftrainer von Tricolore Gasperich, der aber weiter als Coach arbeitet. Im März kritisierte Lopes einige seiner Gaspericher Spieler mit folgenden Worten: „Meine Spieler, viele mit ganz verschiedenen Herkünften, haben scheinbar vergessen, wo sie herkommen. Eigentlich sollten sie ebenfalls kämpferisch auftreten und den nötigen Willen an den Tag legen, doch durch ihre bequemen Lebenssituationen haben sie scheinbar vergessen, dass Fußball eine Kontaktsportart ist, bei der man neunzig Minuten Einsatz zeigen muss. Ihr Komfort passt nicht zum Einsatz, der beim Fußball gefordert ist.“

Wie schlimm ist die Lage?

Ich und die anderen Trainer, die in diesem Artikel angesprochen wurden, sind Teil einer anderen Generation“ stellte Fernando Gutierrez unverzüglich klar. Generationenprobleme, wenn es sich denn um ein solches handelt, gab es schon immer. Die in unserem Artikel angesprochene Generation ist die, die in den 2000er Jahren geboren wurde. Sie entspricht der Generation Z, die laut Wikipedia Menschen umfasst, die zwischen 1997 und 2012 zur Welt kamen.

Gutierrez: „ich habe viel zu diesem Thema gelesen. Es ist sehr komplex. Diese Generation ist es gewöhnt, immer eine fürsorgliche Behandlung in der Erziehung und in der Schule erfahren zu haben. Sie wollen stets Erklärungen und Gründe wissen, wieso sie etwas tun müssen oder sollen.“ Dies ist natürlich grundsätzlich nicht falsch, im Gegenteil, ist auch der einstige Cheftrainer von u.a. Hamm und Beggen überzeugt: „Als Trainer muss ich dann meine Entscheidungen und Vorgaben rechtfertigen. Man muss etwas flexibler sein.“

Müssen sich Trainingsmethoden ändern?

Früher wurden im Training Ansagen gemacht und die Spieler haben es akzeptiert. Das hat sich geändert. Die Trainer müssen sich aber mit der neuen Situation auseinandersetzen und diese Entwicklung mitmachen denkt auch Gutierrez: „Ich werde jetzt u.U. etwas philosophisch, wenn ich sage, dass sich die Art und Weise der Erziehung stark verändert hat. Meine Mutter war z.B. immer sehr darauf bedacht, dass ich in dem, was ich tue, nicht zu sehr auffalle. Wir sollten diskret sein. Das gibt es heute nicht mehr, die heutige Generation ist da völlig anders. Manche glauben, sie wären der Nabel der Welt.“

Die Kinder und Jugendlichen bekämen häufig gesagt, dass sie die Nettesten und Schönsten seien, dass niemand ihnen etwas zu sagen habe, ließ Gutierrez weiter wissen. Seiner Meinung nach könnte das der Ursprung des Problems bzw. Phänomens sein. „Aber dies ist die heutige Realität und die Trainer müssen sich daran anpassen. Der Fußball ist bekanntlich eine Kollektivsportart. Dort bilden Werte wie Einheit, Gruppendenken u.ä. eine zentrale Rolle. Die heutige Generation hat aber mit diesen Dingen Schwierigkeiten, da sie es wichtiger findet, sich vorrangig für sich selbst zu interessieren. Dass das dann nicht unbedingt kompatibel mit den Voraussetzungen des Fußballs ist, dürfte auf der Hand liegen.“

Die Gruppe sei nicht das primäre Ziel vieler jüngeren Fußballspieler, auch wenn sie sich wünschen, dass man ihnen glaubt, führte der gebürtiger Argentinier seine Erklärungen weiter aus. „Das Management eines Teams muss deswegen viel individueller ausgerichtet sein. Weshalb werden Trainergespanne immer größer? Bei den Profis hat man vier Co-Trainer, Fitnesstrainer, Torwarttrainer usw. Als Coach leitest du im Prinzip die Arbeit dieser Assistenten. Wenn man dann aber in tiefere Ligen, wie z.B. in die 1.Division in Luxemburg, geht, dann fehlt oft das Geld, um so viele Trainer zu bezahlen. Dies macht die Sache auf diesem Niveau natürlich sehr viel komplizierter.“

Gutierrez erklärt in diesem Zusammenhang, dass der Cheftrainer bei kleineren Vereinen durch viel persönlicher ausgerichtete Ansprachen einen viel größeren Zeitaufwand zu betreiben hat. Die Diversität, Anweisungen an über 30-Jährige als auch an junge Spieler geben zu müssen, sei aber bereichernd, der Trainer würde dabei ebenfalls hinzulernen, war Gutierrez im Gespräch mit FuPa überzeugt. Als Amateurtrainer stünde die eigentlich für diese Aufgaben benötigte Zeit aber nicht immer ausreichend zur Verfügung.

Nando Gutierrez - im Interview stets darauf bedacht, hervorzuheben, dass man dieses Thema nicht zu sehr verallgemeinere - gab weiter zu Protokoll:Zu meiner Zeit sprach man die verschiedenen Aspekte der Vorbereitung, auch auf mentalem Plan, an, doch man wusste nicht immer wirklich, was man da sagen würde bzw. was gesagt wurde. Heute ist das aber sehr wichtig.“ Glaubwürdigkeit spielt entsprechend eine Rolle, aber auch die Emotionen. Früher seien diese einfach zu oft heruntergeschluckt worden, heute wisse man, dass es besser sei, diese auszudrücken. „Damit muss sich ein Trainer ebenfalls auseinandersetzen“ rät der Inhaber des UEFA-A-Trainerscheins. „Amateurtrainer müssen besser ausgebildet und vorbereitet aber vor allem viel öfter verfügbar sein. Das ist aber nicht selbstverständlich. Wo ich klare Kante zeige ist, dass man den jungen Spielern zwar vermitteln sollte, dass man sie versteht, aber auch, dass man Teil einer Gruppe ist, welche Vorrang haben muss.“

Mitbestimmungsrecht junger Spieler

Früher legte der Trainer die Regeln fest, heute sei dies nur noch teilweise der Fall. Die Spieler fordern laut Gutierrez oft ein Mitspracherecht, das man ihnen auch einräumen sollte, damit man später beim Verletzen der Regeln auch darauf verweisen könne, dass die Spieler diese Regeln selbst mitbestimmt hätten. Seine Ausführungen erinnern durchaus an das, was Lehrer aus Schulen berichten. „Die Gruppe und ihre Ziele kommen vor dem Individuum, das müssen die Jüngeren verstehen. Früher war der Fußball unsere Passion und der ordneten wir alles unter. Man darf natürlich nicht verallgemeinern, doch heute sagen viele nicht, dass sie den Fußball lieben, sondern, dass sie es lieben, Fußballer zu sein. Sie sehen Spieler im Internet, die viele Follower haben, sich mit anderen Stars treffen usw.“

Den Weg dorthin sähen viele junge Fußballer heutzutage aber nicht. Das Hintergrundwissen, die Arbeit die hinter einer solchen Karriere steckt, bleibt im Verborgenen. „Sie denken, dass drei Wochen Training reichen würden, um so zu sein, wie diese Stars. Opfer bringen, Einsatz zeigen, all diese Voraussetzungen fehlen bei manchen. Ausreden, wie dass man mit seinem Hund Gassi gehen müsse, gab es bei uns nicht. Damit will ich sagen, dass der Fußball für diese Generation ein Interessensgebiet ist wie irgend ein x-beliebiges anderes. Wenn es etwas komplizierter wird, merkt man, dass sie den Fußball nicht bedingungslos lieben. Die wichtigsten Fragen sind allzu gerne die, wann sie ein Trikot mit ihrem eigenen Namen bekommen oder wann ihr Foto im Internet erscheint. Das gibt zu denken.“

Einen gemeinsamen Nenner finden

Laut Gutierrez’ Meinung mache es wenig Sinn, gegen das Verhalten der jüngeren Generation anzukämpfen. Die Mannschaften, die die beste Gruppendynamik hinbekommen, werden laut ihm Vorteile haben. Mit den Regeln verhält es sich wie in der Gesellschaft, wie im richtigen Leben. „Man muss versuchen, den Jüngeren die Werte zu vermitteln, die wir lernten um sie auf unsere Seite zu bekommen“ schloss Fernando „Nando“ Gurierrez das ausführliche Gespräch mit FuPa. Zu vermitteln, dass ein Einzelspieler in der Gruppe voraussichtlich individuell besser wird und besser vorankommt, wird eine Aufgabe von Trainern werden, wenn sie es nicht schon ist.

Anmerkung: wir weisen darauf hin, dass wir sehr wohl auch die Sicht von Spielern der Gen Z einholen wollten. Leider standen die von uns dafür angedachten zwei Personen bis zum redaktionellen Abschluss nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung, u.a. auch aufgrund von Ferien. Geplant ist, dass wir in naher Zukunft deren Meinungen in einem zweiten Artikel zum Thema beleuchten wollen.

Aufrufe: 06.7.2024, 13:55 Uhr
Paul KrierAutor