
Schiedsrichter werden eigentlich nur wahrgenommen, wenn sie schlecht pfeifen. Dann wird geschimpft. Sind sie gut, werden sie ignoriert. Nix g'sogd is g'lobt gnuah - ist oft das Motto. FuPa will das in der Winterpause ändern. Mit der Serie "Alte Pfeifen", in deren Rahmen altgediente Unparteiische auf Kreisebene in den Fokus rücken. Männer (und auch Frauen), die jede Woche dafür sorgen, dass die unzähligen Amateurspiele überhaupt über die Bühne gehen können. Teil 9: Karlheinz Lößl (75 Jahre/SV Wiesenfelden)
Bitte stelle zunächst einmal die Eckpunkte Deiner Schiedsrichter-Karriere dar.
Als ich mir 1974 als Spieler des SSV Schorndorf eine starke Verletzung zu gezogen habe, schickte mich der Verein zum Schiedsrichter-Neulings-Kurs. Ich habe Gefallen an der Pfeife gefunden und schaffte es bis 1977 die A-Klasse, die jetzige Kreisliga. Durch meinen Umzug ging es zum SV Wetzelsberg, bei dem ich Vorstand und Spieler war. Während dieser Phase konnte ich aus Zeitgründen nur noch Jugend- und Schüler-Spiele leiten. Ab 1988 war ich dann wieder ohne Einschränkungen im Einsatz. Im Dezember 2024 erhielt ich die Verbands-Ehrenmedaille in Gold für 50 Jahre aktiver Schiedsrichter.
„Nie im Leben“, ist oft zu hören, wenn eigentlich Fußballbegeisterte darauf angesprochen werden, ob sie denn nicht Unparteiischer werden möchten. Warum gilt für Dich „liebend gerne“?
Die sportliche Betätigung ist für mich sehr wichtig. Außerdem bin ich gerne mit jungen Leuten im Fußball aktiv.
Das wohl gewichtigste Contra-Argument gegen eine Karriere an der Pfeife sind Anfeindungen. Wie oft wirst Du verbal angriffen? Wie gehst Du damit um? Wurdest Du sogar schon einmal körperlich angegangen?
Körperlich angegangen wurde ich in den 50 Jahren noch nicht. 1976 hatte ich einen Spielabbruch, nachdem sich mehrere Spieler auf dem Platz geprügelt haben.
Wie würdest Du Dein Auftreten als Schiedsrichter beschreiben? Bist Du eher der autoritäre Typ, der keinen Widerspruch duldet – oder eher der Freund auf dem Feld, der vieles über Zwischenmenschlichkeit regelt?
Anfangs war ich eher der autoritäre Typ. Inzwischen bin ich eher ruhig und besonnen.
Was hat sich im Umgang auf dem Sportplatz im Vergleich zu früheren Tagen verändert?
Es ist bei den Spielern und Zuschauern gegenüber den 70er und 80er Jahren viel ruhiger geworden.
Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welche Regel würdest Du sofort abschaffen?
Die vielen Aus- und Rückwechselungen in den unteren Klassen. Und das jährliche Ändern der Handspiel-Regel.
Wann ist ein Handspiel ein Handspiel: Kannst Du das möglichst einfach erklären?
Bei meinen Neulings-Kurs 1974 lehrte man uns: Wenn die Hand zum Ball geht ist es Handspiel. Geht der Ball zur Hand - ist es kein Handspiel. Da war es einfacher zu entscheiden. Durch regelmäßigen Änderungen ist es viel komplizierter geworden.
Gibt es das eine Spiel in Deiner Karriere, das hängengeblieben ist?
Bei einem entscheidenden Spiel um den Aufstieg im Jahr 1976 in der B-Klasse hat eine ältere Frau einen Spieler an der Seitenlinie mit ihrem Regenschirm zu Fall gebracht.
Die Schiedsrichter werden immer weniger, manche Spiele können nicht mehr besetzt werden. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?
Mit mehr Werbung in den Vereinen. In der Straubinger Gruppe wird hervorragende Arbeit bei der Ausbildung und den Paten für junge Schiedsrichter geleistet.
Abschließend der Blick in die Zukunft: Wie lange bleibst Du noch am Ball?
Solange ich gesund bleibe. Aus den Mittelkreis werde ich keine Spiele leiten, da höre ich vorher auf.
Danke für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft!