2025-12-03T05:51:34.672Z

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Reinhold Deisböck wurde erst mit Mitte 40 Schiedsrichter.
Reinhold Deisböck wurde erst mit Mitte 40 Schiedsrichter. – Foto: Thomas Martner

Alte Pfeifen (13): Solange die Frau kein Machtwort spricht

Schiedsrichter-Urgesteine auf Kreisebene: Aus der Not heraus geboren wurde die Pfeiferei eine große Leidenschaft von Reinhold Deisböck

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Schiedsrichter werden eigentlich nur wahrgenommen, wenn sie schlecht pfeifen. Dann wird geschimpft. Sind sie gut, werden sie ignoriert. Nix g'sogd is g'lobt gnuah - ist oft das Motto. FuPa will das in der Winterpause ändern. Mit der Serie "Alte Pfeifen", in deren Rahmen altgediente Unparteiische auf Kreisebene in den Fokus rücken. Männer (und auch Frauen), die jede Woche dafür sorgen, dass die unzähligen Amateurspiele überhaupt über die Bühne gehen können. Teil 13: Reinhold Deisböck (74 Jahre/FC Julbach-Kirchdorf)

Bitte stelle zunächst einmal die Eckpunkte Deiner Schiedsrichter-Karriere dar.
Ich war ein Spätberufener, habe erst mit Mitte 40 begonnen. Der Grund: Ich war ja Vorstand des ASC Simbach und damals hatten wir das Problem, dass wir keine Schiedsrichter stellen konnten. Deshalb habe ich mich dazu entschlossen, es eben selbst zu machen. Meine Prüfung habe ich 1995 abgelegt, seit 1996 bin ich im Einsatz. Und ich habe relativ schnell erkannt, dass mir die Pfeiferei Spaß macht. Deshalb habe ich immer weitergemacht. Meine Leistungsklasse war immer nur A-Klasse. Ich war einfach schon zu alt. Zirka 1050 Spiele sind bisher zusammengekommen.

„Nie im Leben“, ist oft zu hören, wenn eigentlich Fußballbegeisterte darauf angesprochen werden, ob sie denn nicht Unparteiischer werden möchten. Warum gilt für Dich „liebend gerne“?
Erst einmal war es ja ein Dienst für meinen Verein, dass ich angefangen habe. Und die Freude daran wurde immer größer. Das liegt vor allem daran, dass es bisher keine negative Erlebnisse gegeben hat. Während meiner Zeit als Spieler und Funktionär konnte ich mir viele Dinge angewöhnen, die mir nun helfen, mit Fußballer gut umgehen zu können.

Das wohl gewichtigste Contra-Argument gegen eine Karriere an der Pfeife sind Anfeindungen. Wie oft wirst Du verbal angriffen? Wie gehst Du damit um? Wurdest Du sogar schon einmal körperlich angegangen?
Emotionen gehören auf dem Platz dazu, keine Frage. Körperlich bin ich noch nie angegriffen worden. Böse Namen gibt es immer wieder. Dann gilt für mich: Wie man in den Wald hineinruft, schallte es zurück. Das wissen inzwischen alle im Landkreis Rottal-Inn (schmunzelt).

– Foto: Thomas Martner

Wie würdest Du Dein Auftreten als Schiedsrichter beschreiben? Bist Du eher der autoritäre Typ, der keinen Widerspruch duldet – oder eher der Freund auf dem Feld, der vieles über Zwischenmenschlichkeit regelt?
Das ist situationsabhängig. Ich versuche immer, auf dem Platze eine gute Atmosphäre zu verbreiten. Ich will viel sprechen mit den Spielern und meine Entscheidungen erklären. Ob das angenommen wird, ist dann Sache der Spieler.

Was hat sich im Umgang auf dem Sportplatz im Vergleich zu früheren Tagen verändert?
Jede Zeit hat ihre positiven und negativen Sachen. Auch heute gibt es noch Leute, die mit Bier und Zigarette am Spielfeldrand stehen - und saudumme Kommentare abgeben. Solche Typen wird es wohl immer geben...

Wenn Du einen Wunsch frei hättest: Welche Regel würdest Du sofort abschaffen?
Keine. Der Fußball soll vor allem einfach bleiben - für Spieler und Zuschauer. Klar ist aber auch: In den untersten Klassen ist eine andere Spielleitung nötig als in der Bundesliga. Da geht mehr im zwischenmenschlichen Bereich.

Wann ist ein Handspiel ein Handspiel: Kannst Du das möglichst einfach erklären?
Wenn die Hand mit Absicht zum Ball geht oder wenn eine Vergrößerung der Körperfläche erwirkt wird... Ansonsten muss man situationsbedingt entscheiden...

– Foto: Heinz Zinner

Gibt es das eine Spiel in Deiner Karriere, das hängengeblieben ist?
Eigentlich nicht, nein. Jedes Spiel ist anders zu leiten. Schlechte Erlebnisse gab es, wie bereits gesagt, keine. Eine witzige Situation fällt mir ein: Als eine Spielerin mal gefoult worden ist, rannte ihre Mama auf Spielfeld und hat ihrer Tochter Globuli gegeben. Da kann man schon lachen drüber...

Die Schiedsrichter werden immer weniger, manche Spiele können nicht mehr besetzt werden. Wie lässt sich diesem Trend entgegenwirken?
Momentan befinden wir uns ja wieder auf dem aufsteigendem Ast. Das liegt an der verstärkten Werbung, aber auch an der Spesenerhöhung. Ich finde, hier sind verstärkt die Vereine gefordert. Jeder Verein sollte alles dafür tun, einen Schiedsrichter zu stellen.

Abschließend der Blick in die Zukunft: Wie lange bleibst Du noch am Ball?
Gesundheitlich geht es mir hervorragend, meine Frau macht es auch noch mit... Ein, zwei, drei Jahre gehen schon noch...

Danke für das Gespräch - und weiter gut Pfiff!

Aufrufe: 023.2.2025, 09:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor