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Spielbericht

Alte Menschen und Alkohol…

von Jörn Kutschmann · 03.12.2024, 17:35 Uhr · 0 Leser
– Foto: Jörn Kutschmann

SC Siemensstadt – Hertha BSC Ama Zwee 3:2

13.Spieltag Kreisliga A Berlin Staffel 3 Saison 2024/2025

Sonntag, 01.12.2024 14:00 Uhr

Sportcentrum Siemensstadt Kr 2

32 Zuschauer

Eine unfassbar beliebte Aussage von Amateurfußballern ist: „Wenn ich mir die Verletzung nicht zugezogen hätte, wäre ich safe Profi geworden.“ Ich hingegen sage gerne: „Wenn ich nicht so stinkend faul, total verfressen und absolut untalentiert gewesen wäre, wäre ich immer noch nicht Profi geworden.“

Ich habe auch nur ein Jahr Vereinsfußball gespielt – im Tor der 2. C-Jugend des SC Siemensstadt. Und wenn es einen Tomislav-Piplica-Preis gegeben hätte, ich hätte ihn in dieser Saison mehr als verdient.

Der Spielplan der Kreisliga A wollte es, dass ich mit den Ama Zwee heute an den Ort zurückkehre, mit dem ich so gut wie keine positiven sportlichen Erinnerungen verbinde. Abgesehen von ein paar guten, wenn auch meist zufälligen Aktionen in der Freizeittruppe, mit der ich hier einmal die Woche bolze. Aber das tun wir auf Platz 3 – und das Spiel heute sollte auf Platz 2 stattfinden.

Ich kam eine halbe Stunde vor dem Anstoß, noch etwas zerknittert, am Platz an.

Das lag daran, dass Frau und Kind übers Wochenende weg waren und ich am Freitag, nach dem Einkaufen, wie Mel Gibson in Braveheart in die Wohnung kam und ein lautes „FREEEEEEEDOOOOOM“ von mir gab.
Der Abend endete dann mit fettigem Essen vor der Glotze, und am nächsten Morgen wurde ausgiebig ausgeschlafen – um das Frühstück ebenfalls vor dem Flimmerkasten einzunehmen. Großartig!

Gegen Mittag ging es in die City, denn Besuch aus dem fernen Rheinland hatte sich angekündigt: Der amtierende deutsche Meister von unter dem Bayer-Kreuz sollte bei den Schlosser-Jungs im Wäldchen vor den Toren Berlins gastieren. Das hoppende Beuteltier folgte ihrem Verein natürlich an den Ort, der durch Wilhelm Voigt berühmt wurde.

Freudig feierten wir unser Wiedersehen bei einem guten Burger und ein paar Bieren am Hauptbahnhof, ehe es mit der S-Bahn gen Südosten ging. Das Beuteltier war nicht allein unterwegs, sondern hatte noch zwei Freunde der Werkself sowie einen weiteren Herthaner dabei. Insgesamt waren wir eine recht witzige Truppe, die zehn Minuten vor Anstoß den Gästeblock betrat.

Wir sahen ein etwas zähes Bundesligaspiel, in dem sich die Alonso-Elf am Ende mit 2:1 durchsetzte. Ein klassischer Arbeitssieg, würde ich sagen. Zur Stimmung auf der Waldseite kann ich wenig sagen – im Gästeblock kommt akustisch einfach nichts durch, auch wenn dort gesungen wird. Von der Bewegung her wirkte die Mitmachquote aber ordentlich. Die Fans rund um die Ultras Leverkusen scheinen immer noch vom Dopaminrausch der letzten Saison zu zehren. Es hatte etwas von einer Party, bei der viele kleine Gruppen singen und tanzen und so eine laute Gesamtmasse bilden. Obwohl so gut wie jeder jeden kannte und klar war, dass wir zwei Jungs hier eigentlich nicht hingehören, störte sich niemand an uns.

Unterm Strich war ich positiv überrascht von Haberlands Erben – auch wenn ich nach wie vor ein Problem damit habe, dass immer wieder der Name einer Pharmafirma in den Fangesängen auftaucht. Historisch gewachsen hin oder her. Allerdings sollten auch wir Herthaner beim Thema Geldgeber lieber ganz ruhig sein.

Da der Abend noch jung war, kehrten wir in einen Irish Pub ein.

Bei einigen Bieren und guten Gesprächen verstrichen die Stunden nur so, bis ich irgendwann die Reißleine ziehen musste. Denn Klischees über Familienväter am Ende ihrer Dreißiger, die nichts mehr vertragen, sind wie Musiker vor einem Konzert:

Sie stimmen.
Obwohl ich ausstieg, bevor ich betrunken war, und noch zehn Stunden Schlaf bekam, hatten die 7–10 Biere am Samstag mich hart getroffen.

Nun stehe ich also wieder auf Platz 2 des Sportzentrums Siemensstadt und baue alles für die Aufzeichnung auf.

Ein leichtes Stechen in der Stirn nervt mich, und ich schiebe es auf den Alkohol. Erst zu Hause, als ich meinen Rucksack auspacke, stelle ich fest, dass dieses Stechen eine Erinnerung daran war, dass ich einen Wimpel eingepackt hatte. Der Teilzeitassi hatte mich extra am Abend zuvor daran erinnert, dass er es zu dem Spiel nicht schaffen würde, die Mannschaft keinen Wimpel zum Übergeben hätte und ich doch bitte einen mitnehmen sollte. Tja, mitgenommen hatte ich ihn – nur vergessen, ihn unserem Kapitän zu geben.

Alte Menschen und Alkohol…

Mit dem Anpfiff hellte sich meine Konstitution etwas auf, und Hoffnung auf die Wende bei den Ama Zwee überkam mich. Allerdings nur 60 Sekunden lang – dann netzte der SCS zum 1:0 ein. Zwar traf unser Torgarant mit der Kapitänsbinde nur zwei Sekundenzeigerumdrehungen später zum Ausgleich, doch die Siemensstädter waren wieder vorne, da waren noch keine zehn Minuten gespielt.

Was folgte, war ein merkwürdiges Spiel: Hertha war optisch überlegen, aber Torchancen hatte fast nur der SC. Und einige davon waren absolute Hochkaräter. Micha im Kasten hatte einen Sahnetag erwischt, war aber bei einem Konter in der 81. Minute chancenlos. Kim konnte zwar sehenswert zum 3:2 verkürzen (85.), aber irgendwie hatte man nie das Gefühl, dass hier noch der Ausgleich fallen könnte. Siemensstadt hatte dagegen in der Nachspielzeit die Riesenchance, den Drops zu lutschen, aber Micha hielt den von ihm verschuldeten Elfmeter. Kurz danach war Schluss – und auch beim Aufsteiger vom Rohrdamm gab es nichts zu holen.

Nächste Woche geht’s zum Tabellenführer. Mal gucken, was uns dieses Spiel kurz nach Nikolaus in die Schuhe zaubern wird.

Ha Ho He Amateure Zwee

der Kutten König