Der VfB Hilden wird in diesem Jahr 120 Jahre alt.
Der VfB Hilden wird in diesem Jahr 120 Jahre alt. – Foto: Ralph Görtz

Als die Kicker des VfB Hilden einst Borussia Mönchengladbach besiegten

Sieben spannende Fakten zur Geschichte des VfB 03 Hilden.

Der VfB 03 Hilden feiert in diesem Jahr seinen 120. Geburtstag. Dass es früher einmal eine Hockey-Abteilung gab, dass in den Anfängen hinter dem Vereinslokal um 6 Uhr morgens Spiele ausgetragen wurden und dass Borussia Mönchengladbach vor 30.000 Zuschauern mal 3:1 vom Platz geschickt worden ist, dürfte nur wenigen bekannt sein. Wir haben sieben spannende Fakten zu dem Hildener Fußballverein aufgeschrieben.

1. 120 Jahre Im Mai 1903 wurde Hildens vermutlich erster Fußballverein gegründet – der Hildener Fußballclub 03 oder abgekürzt „H.F.C. 03“. Fast genau zwei Jahre später fand die Gründung des „FC Germania 05“ statt. Beide „Ur-Vereine“ fusionierten 1918 zum „Verein für Bewegungsspiele (VfB) 03 Hilden e.V.“ 2013 ist die 1. Senioren-Mannschaft des VfB 03 Hilden in die fünfthöchste Spielklasse Deutschlands, der Oberliga Niederrhein, aufgestiegen und spielt dort nun schon im zehnten Jahr in Folge. Am Saisonende 2021/22 kratzte das Team am Aufstieg zur Regionalliga. Besonders stolz sind die Vereinsmitglieder auf die Jugendarbeit. Das zeigt sich u.a. auch ganz besonders in der Tatsache, dass viele ehemalige VfB-Jugendspieler in den Seniorenmannschaften auflaufen. Der VfB 03 Hilden hatte 2022 über 600 Mitglieder. Davon spielen rund 350 in über zwanzig aktiven Jugendmannschaften. Die A1-Junioren (U19) spielen aktuell in der Bundesliga-West.

2. Fusion Bevor am 15. Dezember 1918 im Gesellenhaus an der Kirchhofstraße die Fusion der beiden Fußballvereine Hildener Fußballclub 03 (HFC 03) und Germania 05 zum VfB stattfand, starteten Mitglieder der beiden Hildener Fußballvereine um das Jahr 1910 Versuche, die Kräfte zu bündeln, um dann mit einer gemischten Mannschaft mit höherer Spielstärke besser im laufenden Spielbetrieb auftreten zu können, statt mit beiden Clubs im Mittelmaß zu spielen. Die Notsituation, die mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs entstand, wo auch Spielstätten drohten, zu Ackerland umfunktioniert zu werden, oder so mancher Spieler eingezogen wurde, verschärfte die Vereinssituationen. Es gab an Ostern 1914 ein Team aus sechs HFC- und fünf Germania-Spielern, die die damals gefürchteten Fußballer der Regimentsmannschaft der „Metzer 144er“ mit 4:2 besiegte und so den Beweis lieferte, dass es an der Zeit sei zu fusionieren. Kriegsbedingt wurde die Idee auf Eis gelegt. Nach Kriegsende kam es 1918 schließlich zur Neugründung eines gemeinsamen Vereins: „VfB 03 Hilden“ .

3. Platz Von 13 Fußballbegeisterten wurde im Mai 1903 in der „Grotte“ hinter der Gaststätte Lindenhof (heute Düsseldorfer Straße 93) der „Hildener Fußballclub“ aus der Taufe gehoben. Den Anfeindungen „Proletenspiel“ oder „Fußlümmelei“ zum Trotz – so bezeichneten manche Zeitgenossen das Fußballspielen – spielten die fast gleichaltrigen Sportsfreunde unter sehr dürftigen Bedingungen ihre ersten Übungsspiele. Das Spielfeld wurde mit Stangen abgegrenzt, die Torpfosten mit groben Schlägen in die Erde „gepflockt“ und eine Leine dazwischen gespannt. Auf beiden Seiten des Spielfeldes standen zwei Meter hohe Schiedsrichterstühle. Schon um 6 Uhr in der Frühe am Sonntag trafen sich die Spieler in weißen Pumphosen und weißen Hemden. Nach Spielschluss und nach dem Reinigen der Sonntagsschuhe ging es dann in die Kirche. Den Vorsitz des Vereins übernahm Walter Wiederhold, der in Hilden 1885 geboren wurde und 1905 mit seinem Bruder als 20-Jähriger, nach dem frühen Tod seines Vaters, die Leitung der „Hermann Wiederhold Lack- und Lackfarbenfabriken“ übernahm. 1972 wurde seine Tochter Ellen Ehrenmitglied des VfB 03 Hilden.

4. Hockey Die Zahl fußballspielender Mitglieder war schon früh vergleichsweise hoch, aber insgesamt im Vergleich zu anderen Hildener Vereinen war die Gesamtmitgliederzahl bescheiden. Deshalb wurden andere Sportarten beim VfB 03 Hilden angeboten, um die „Monostruktur“ des Vereins aufzubrechen. In den Anfängen der 1930er wurde das Hockeyspielen eingeführt und war als Ergänzungssport für Tennis und Leichtathletik gedacht. 1931/32 waren zwei Herrenmannschaften, eine Damenmannschaft und eine Jugendmannschaft gemeldet, die insgesamt 41 Mitglieder hatten. An der Hoffeldstraße wurden sogenannte „Propagandakämpfe“ zwischen prominenten Mannschaften gespielt, um Werbung für den Hildener Hockeysport zu machen. Wegen organisatorischer Probleme ruhte der Hockeysport von der Saison 1932/33 bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Dann wurden wieder zu Hockey-Werbezwecken Spiele vor den Fußball-Meisterschaftsspielen der ersten Mannschaft ausgetragen. In den 1950ern war aber endgültig Schluss mit dem Hockeysport. Vor dem Ersten Weltkrieg unternahm der Verein (damals noch H.F.C. 03) in den Sommermonaten den Versuch, eine Leichtathletik-Abteilung aufzubauen. Zunächst waren es die Fußballspieler, die sich mehr oder weniger freiwillig als Leichtathleten betätigten. Ende der 1920er meinte die damalige Vereinsführung, dass die „zu wenig beachtete Leichtathletiksache eine größere Förderung erhalten müsse, da diese für eine harmonische Durchbildung des Körpers unerlässlich sei“. Es wurde eine moderne Laufbahn auf dem Sportplatz an der Hoffeldstraße gebaut und mit einem großen Leichtathletik-Sportfest eingeweiht. In den folgenden Jahren gab es mehrere erfolgreiche Leichtathleten des VfB 03 Hilden. Der Zweite Weltkrieg stoppte die sich erfolgreich entwickelnde Sportart. In den 1960ern war auch mangels guter Sportanlage Schluss.

5. Umzüge Am Bauernhof der Familie Nussbaum hinter dem Vereinslokal „Lindenhof“ (1903) spielten die fast gleichaltrigen Jungen einige erste Übungsspiele. Dann wurden Sportplätze am Holterhöfchen, bzw. an der Walder Straße ab Herbst 1904 genutzt. Auch der spätere zweite VfB-Urverein FC Germania 05 hatte hier einen Sportplatz und spielte 1906 dort sein erstes Spiel. Schließlich zog der Verein an die Hoffeldstraße (1920). Das Gelände rund um den Lindenhof, gegenüber der Lackfabrik Wiederhold, spielte in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal eine bedeutende Rolle für den VfB 03 Hilden. Der Sportplatz an der Hoffeldstraße platzte bald aus allen Nähten, als mehr und mehr Jugendliche dem runden Leder nachjagen wollten. Hanna Nußbaum vom Lindenhof stellte der VfB-03-Jugendabteilung 1953 ein Grundstück an der Grabenstraße direkt hinter ihrem Anwesen zur Verfügung. Zum Auftakt des 50-jährigen Vereinsjubiläums erfolgte der Spatenstich für zwei neue Plätze. Eines der beiden Spielfelder wurde von der damals noch existierenden Hockeyabteilung genutzt. Zunächst gab es noch keine Umkleiden. Hanna Nußbaum stellte anfangs eine Waschküche in ihren Gebäuden zur Verfügung mit einem einzigen Kaltwasserhahn für Umkleiden und „Körperpflege“. Später dann konnten sich die Spieler in der Grundschule Düsseldorfer Straße umziehen, wo es bereits zwei Wasserhähne gab. Um bei Einbruch der Dunkelheit noch ein Trainingsspielchen machen zu können, stellten Trainer und Betreuer ihre Autos auf der Straße so zur Spielfläche, dass die eingeschalteten Scheinwerfer einen Teil des Platzes ausleuchteten. Später wurden in Eigenleistung die alten Flutlichtmasten von der Hoffeldstraße an der Grabenstraße montiert. Nach zwischenzeitlicher Benutzung von Umkleidemöglichkeiten bei 3M und Wiederhold wurde in Eigenregie eine Umkleide mit drei Räumen und Dusche errichtet, die 1967 feierlich eingeweiht wurde. Am Bandsbusch spielte und spielt der VfB heute noch häufig Turniere oder Spiele gegen höherklassige Gast-Mannschaften.

6. Fortuna Düsseldorf Seit mehreren Jahren sind der VfB 03 Hilden und Fortuna Düsseldorf „Partnervereine“. Man unterstützt sich gegenseitig bei der Förderung junger Fußballtalente, spielt Freundschaftsspiele gegeneinander, es finden Fortuna-Fußballcamps beim VfB 03 Hilden statt. Insgesamt gab es 24 dokumentierte Senioren-Spiele zwischen beiden Fußballvereinen, wobei 19-mal die Fortuna als Sieger vom Platz ging und es fünf Unentschieden gab. Das erste Spiel fand 1922 in Düsseldorf statt. Beide spielten in der Kreisliga Düsseldorf, und Fortuna gewann mit 3:0 Toren. Als der VfB 1939 in der Gauliga Niederrhein spielte, gelang ein 1:1-Unentschieden an der Hoffeldstraße mit 2500 Zuschauern. Eine heute nicht mehr übliche Geste vor Spielbeginn ist mit einem Foto im Juni 1957 dokumentiert: Blumen für den Gegner zur Begrüßung.

7. Borussia Mönchengladbach Ein Highlight der Vereinsgeschichte ist der 3:1-Sieg auf dem Bökelberg vor 30.000 Zuschauern gegen Borussia Mönchengladbach. Dieser legendäre Sieg am 18. Juni 1939 bedeutete den Aufstieg in die „Gauliga“, die damals höchste deutsche Spielklasse. „Der bessere Kampf- und Mannschaftsgeist erzwang sich den Erfolg 3:1 für VfB – Hilden empfängt und feiert seinen Gauligaverein – Eine ganze Stadt im Freudentaumel – Die Siegesfeier im Kronensaal“, so lauten die Schlagzeilen in der Zeitung. 2000 Hildener sollen auch am Bökelberg gewesen sein, die anderen Hildener warteten gespannt auf Nachricht aus Mönchengladbach. Kaum war der große Sieg der Hildener Fußballer bekannt geworden, da strömten die Hildener auf die Straßen und bejubelten den 3:1-Sieg. Neben einer Urkunde aus den Händen der Stadtspitze hatten sich die Ratsherren als „äußeres Zeichen der Freude und Anerkennung“ noch folgende zwei Überraschungen für den Verein ausgedacht: „1.) Das Ihnen im Februar 1938 zum Zwecke der Umgestaltung des Sportplatzes an der Hagdorn-/Hoffeldstraße eingeräumte Darlehen von 2000,- RM als getilgt zu betrachten. 2.) In Erfüllung Ihres Wunsches die einmalige Instandsetzung des Vorplatzes des Sportplatzes an der Hoffeldstraße stadtseitig durchzuführen.“

Aufrufe: 024.1.2023, 17:00 Uhr
RPAutor