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Aktive MSV-Fanszene boykottiert Düren-Spiel

Am Samstag tritt der MSV Duisburg in der Regionalliga West beim 1. FC Düren an. Auf die Unterstützung der aktiven Fanszene muss die Mannschaft da aus durchaus nachvollziehbaren Gründen verzichten, doch es gibt auch Gegenstimmen.

von Marcel Eichholz · 10.04.2025, 10:15 Uhr · 0 Leser
Auf die Unterstützung der aktiven Fanszene muss der MSV Duisburg beim Gastspiel in Düren verzichten.
Auf die Unterstützung der aktiven Fanszene muss der MSV Duisburg beim Gastspiel in Düren verzichten. – Foto: Robin Bogaletzki

Über den 1. FC Düren und seine Praktiken, um den Spielbetrieb - zumindest vorerst - irgendwie aufrecht erhalten zu können, wurde mehr als genug geschrieben. Es ist klar geworden, dass es den Verantwortlichen an der Westkampfbahn wohl eher nicht um einen fairen sportlichen Wettbewerb geht. Auch der Westdeutsche Fußballverband gibt in der laufenden Spielzeit kein gutes Bild ab und sollte dringend die Regularien zur Lizenzvergabe in der Regionalliga West auf den Prüfstand stellen. Als erstes Team nach der Casting-Posse muss am Samstag der MSV Duisburg in Düren spielen. Die aktive Fanszene hat nun einen Boykott der Partie angekündigt.

In einem ausführlichen Statement nehmen die Gruppen zu ihrer Position Stellung und werben um Unterstützung für ihren Boykott. "Für das Spiel gegen unseren MSV hat man sich etwas ganz Besonderes überlegt. In einem mutigen Schritt gegen die langweilige Planungssicherheit hat der 1. FC Düren beschlossen, die Grenzen zwischen Profifußball und Trash-TV endgültig aufzulösen", heißt es dort. Auch der WDFV wird für sein Nicht-Handeln hart kritisiert: "Man fragt sich unweigerlich, welche Rolle ein Verband eigentlich noch erfüllt, wenn er sich derart aus der Verantwortung stiehlt und Wettbewerbsverzerrung in diesem Maße gleichgültig hinnimmt." Eine mehr als berechtigte Kritik, den die Causa Düren ist in der laufenden Saison leider nicht die einzige, die die Liga in ein katastrophales Licht rückt. Mit dem Rückzug von Türkspor Dortmund - auch wegen fehlender Körpersprache der Spieler - und der erneuten Insolvenz des KFC Uerdingen hat Fußball-Deutschland eine Liga gefunden, über die mit Fug und Recht in vielerlei Hinsicht nur gelacht werden kann.

>>> Die Stellungnahme der Fanszene im Wortlaut

Nun ist der MSV Duisburg aktuell in der komfortablen Position, die Liga mit acht Punkten Vorsprung anzuführen und womöglich schon an Ostern den Aufstieg in die 3. Liga feiern zu können. Doch die Lage könnte auch anders sein. "Man stelle sich mal ein etwas anderes, aber dennoch realistisches Szenario vor: an der Tabellenspitze herrscht ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Aufstieg, der MSV hat bereits beide Spiele gegen bestbesetzte Dürener absolviert und nun spielt ein Konkurrent wie Gladbach II oder Oberhausen gegen irgendeine Alibi-Truppe", schildert die Fanszene ein Gedankenspiel.

Und es gibt noch einen weiteren Aspekt, der der Fanszene sauer aufstößt. Will Düren das Spiel womöglich nur durchdrücken, um noch einmal kräftig abzukassieren? "Kein offizieller Vereinsfunktionär würde das so öffentlich sagen, aber man wird durchaus darauf spekulieren, dass die noch anstehenden Heimspiele gegen den MSV und Oberhausen dafür genutzt werden können, Gelder für die Gläubiger einzutreiben. Über 1000 Duisburger lassen schließlich nochmal die Kasse an der Westkampfbahn klingeln und zur Not kann man nach dem Spiel ja immer noch den Spielbetrieb einstellen, die Einnahmen wird einem niemand mehr wegnehmen können."

Zweischneidiges Schwert

Eine andere Meinung vertritt der Fanclub "Sektion KöPi-Hunters Block L". Wenngleich sie in ihrer Stellungnahme betonen, jeden verstehen zu können, der nicht zum Spiel fährt, rufen sie dennoch zur Unterstützung der Mannschaft vor Ort auf - aus ebenso nachvollziehbaren Grünen, wie die Gegenseite zum Fernbleiben vorgebracht hat. "Die Mannschaft unseres geliebten MSV Duisburg kann nichts für diese Situation, die nur möglich geworden ist, weil die Regularien des Westdeutschen Fußballverbandes dies hergeben", erklärt die Sektion und sieht wie auch die aktive Fanszene den Verband in der Pflicht.

Gleichzeitig wird aber auch das Handeln des 1. FC Düren scharf kritisiert: "Wir sind der Ansicht, auch wenn Düren diese Trash-TV-Casting-Aktion mit dem Hintergedanken der Einnahmen durchführt, dass die Mannschaft auf der Zielgeraden die notwendige Unterstützung von den Rängen braucht." Es wird noch ein weiterer Aspekt aufgeführt, der durchaus relevant sein könnte. Die gecasteten Spieler sind keine Wettbewerbsbedingungen mehr gewohnt. "Wir hoffen, dass sich niemand aufgrund eines übermotivierten Gegenspielers verletzen wird. Denn dies ist die größte Gefahr, die wir sehen", sagen die KöPi-Hunters. Klar ist: Die Augen der Republik sind am Samstag noch einmal auf Düren gerichtet. Wie es danach weitergeht? Ungewiss.