2025-12-03T05:51:34.672Z

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Das ist Akane Miyoshi.
Das ist Akane Miyoshi. – Foto: Barthel-Fotografie

Akane Miyoshi: Eine Japanerin lässt den VfR ausflippen

Von Shizuoka über Florida und London bis an den Niederrhein: Akane Miyoshi hat schon viel erlebt – und nun am für einen historischen Moment in der Zweiten Bundesliga gesorgt. Doch manchmal meldet sich das Heimweh.

Der 31. August 2025 wird in der Vereinschronik des VfR Warbeyen definitiv einen Platz finden. An jenem Tag erkämpften sich die Fußballerinnen des VfR beim 1:1 gegen Eintracht Frankfurt II den allerersten Punkt in der Zweiten Bundesliga – ein jetzt schon historischer Tag für den Klub. Auf denselben Tag fällt logischerweise auch das Premieren-Tor des Vereins in Liga zwei. Neuzugang Akane Miyoshi stand im Mittelpunkt und war die umjubelte Torschützin.

Dabei war vorher gar nicht klar gewesen, ob sie überhaupt auflaufen darf. Denn im Vorfeld gab es ein beunruhigendes Problem.

Die Verantwortlichen des VfR hatten den Transfer erst rund um das Frankfurt-Spiel verkündet, weil zuvor noch offene Fragen in Sachen Visum und Spielberechtigung geklärt werden mussten. Die Vereinsverantwortlichen und Miyoshi mussten sich in Geduld üben, bis es schließlich Grünes Licht gab.

Das erste Tor

In der 75. Minute der Partie gegen Eintracht Frankfurt II stand die 21-Jährige dann goldrichtig, als sie nach Vorarbeit von Moisa Verkuijl aus dem Rückraum zum Ausgleich traf. Auf dem Platz war die Japanerin schnell unter eine Jubeltraube begraben, auf den Rängen tobte der Anhang.

Den Moment, in dem Warbeyener Vereinsgeschichte geschrieben wurde, hat Akane Miyoshi noch gut in Erinnerung. „Es war wirklich toll, dass mein erstes Tor gleichzeitig auch das erste Warbeyener Zweitliga-Tor war“, sagt Miyoshi, die meist als rechter Part der Warbeyener Doppelspitze zum Einsatz kommt.

Seit ihrem Tor gegen Frankfurt stand Miyoshi dreimal in der Startelf von Sandro Scuderi. Zweimal, unter anderem im Auswärtsspiel gegen ihren Ex-Verein SV Meppen (0:8), brachte sie der VfR-Coach von der Bank.

Aus dem Kader des Zweitliga-Aufsteigers, für den es aktuell nicht so rund läuft – der VfR wartet seit dem 7. September auf einen Punktgewinn –, ist Akane Miyoshi längst nicht mehr wegzudenken.

Mit ihren neuen Mitspielerinnen findet sie sich immer besser zurecht. „Am Anfang war alles neu. Ich brauchte Zeit, um alle kennenzulernen. In der Vorbereitung hatte ich die Gelegenheit, zu lernen, wie wir spielen wollen. Die vielen Testspiele und das Trainingslager im August waren da sehr hilfreich“, sagt Miyoshi, die aus Meppen die Erfahrung aus 32 Zweitliga-Spielen mitbringt.

Die 21-Jährige ist trotz ihres jungen Alters schon viel in der Welt herumgekommen. Aufgewachsen ist Miyoshi in der Großstadt Shizuoka, rund zweieinhalb Stunden südlich von Tokio. Dort begann sie im Alter von sieben Jahren mit dem Fußballspielen.

Über London nach Meppen

„In der Grund- und Mittelschule habe ich im Team meines Vaters gespielt. Er hat uns trainiert“, sagt die 21-Jährige. Während ihrer Mittelschulzeit zog es sie für mehrere Jahre in die Vereinigten Staaten zur IMG Academy, einem Sportinternat in Florida. „Dort habe ich gelernt, Englisch zu sprechen. Weil ich jedoch aufgrund der Corona-Pandemie meinen Schulabschluss nicht machen konnte, bin ich nach Japan zurückgekehrt“, sagt Miyoshi.

Nach zwei Jahren in der Heimat ging es für ein Jahr nach England, wo sie in der dritten Liga für die London Bees aktiv war. „Weil es in Deutschland einfach war, an ein entsprechendes Visum zu kommen, bin ich anschließend für zwei Jahre beim SV Meppen gelandet“, sagt Miyoshi.

Zum VfR Warbeyen hat sie selbstständig Kontakt aufgenommen. Ein Probetraining reichte, um die Warbeyener Verantwortlichen von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. „Auch mir ist die Entscheidung nicht schwergefallen, alle waren super freundlich“, sagt Miyoshi, die vor kurzem eine Wohnung in Kleve bezogen hat.

Mit der großen Entfernung zur Heimat hadert sie nur manchmal. „Das Leben ist nicht immer einfach. Die Kultur ist eine andere. Meine Mutter kommt mich einmal im Jahr besuchen – das nächste Mal im Dezember. Darauf freue ich mich schon“, sagt Akane Miyoshi.

Aufrufe: 010.10.2025, 18:00 Uhr
RP / Nils HendricksAutor