
Worms. In einer „Englischen Woche” steckt für eine Mannschaft jede Menge Potenzial. Innerhalb weniger Tage können sich Vereine in eine weitaus bessere Tabellenposition bringen und die Stimmung in und um den Klub anheben. Das Gegenteil eines positiven Stimmungsumschwungs kann hingegen dazu führen, dass Vereine abrutschen und innerhalb kürzester Zeit mehrere Enttäuschungen am Stück erleben.
Beim Team von Oberligist VfR Wormatia Worms, angesichts der sportlichen Schieflage aktuell ohnehin mit wenig Selbstvertrauen ausgestattet, könnte nun zweiteres Szenario eintreten. Denn aus den ersten beiden Partien gegen zwei Mannschaften aus dem Tabellenkeller sammelten die Wormaten gerade mal einen Punkt. Im Heimspiel gegen Arminia Ludwigshafen gilt es nun, eine noch im Herbst nicht für möglich gehaltene Ausgangslage im Saisonendspurt zu vermeiden: Oberliga-Abstiegskampf mit der Wormatia.
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So verdient das 1:1 am vergangenen Wochenende gegen den FV Dudenhofen war – gute erste Halbzeit, offensiv unsichtbar in Durchgang zwei – so leistungsgerecht war auch die 2:3-Niederlage am Mittwoch beim SV Gonsenheim. Zwei Elfmetertore von Laurenz Graf (52. und 84.) schürten zwar die Hoffnungen der Wormaten in Mainz etwas Zählbares mitzunehmen, schlussendlich brachten aber die Hausherren trotz Unterzahl in den Schlussminuten (88., Gelb-Rot Nokouri Hangatta) den knappen Sieg (Torschützen Maurice Neukirch 13. und 50., Cem Demir 54.) souverän über die Zeit. Vor allem im Offensivspiel enttäuschten die Wormser wie schon in Durchgang zwei gegen Dudenhofen auf ganzer Linie.
Die Offensivreihe um Niklas Meyer, David Schehl, Nico Jäger und Bobby Edet war bemüht - viel gelang ihr jedoch nicht. Die abwartende Spielweise des SVG, die immer wieder auf Umschaltmomente abzielte, wirkte zielstrebiger als der dominante Ballbesitzfußball, mit dem die Wormser zwar auf viel Spielanteile kamen, aber eben kaum zu gefährlichen Abschlüssen. Die Führung der Gonsenheimer, erzielt mit der ersten wirklichen Torannäherung überhaupt, spielte dem SVG in die Karten. Auch eine laute Kabinenansprache von Wormatia-Trainer Anouar Ddaou änderte daran nichts. Die Wormaten kämpften, warfen sich in die Zweikämpfe und enttäuschten ihren Trainer in den „Basics“ Einsatz und Wille nicht – spielerisch entwickelte das Ddaou-Team trotz der Graf-Elfmetertore aber auch in Durchgang zwei zu wenig Durchschlagskraft.
Die Saison der Wormser lässt sich zweifellos in zwei Hälften teilen. In die Phase vor dem dramatischen Aus im Verbandspokal am 22. Oktober gegen den FK Pirmasens (8:9 im Elfmeterschießen) und in die Phase danach. Noch Monate später sprach Wormatia-Offensivspieler Nico Jäger, einer der wenigen „Positiv-Erscheinungen” der bisherigen VfR-Spielzeit, zuletzt von einer der härtesten Niederlagen seiner Fußballkarriere. In den Wochen vor dem Pokalspiel sah die Wormatia-Welt noch rosiger aus. Dem 2:0-Sieg im Hinspiel gegen Gonsenheim folgte eine 1:2-Pleite des VfR in Ludwigshafen. Es war die zweite Pleite im zehnten Saisonspiel.
Seitdem kamen in 17 Spielen nur drei weitere Ligasiege hinzu. Die Bilanz der vergangenen sechs Wormatia-Auftritte: kein Sieg, drei Punkte (5:8 Tore). Angesichts des Etats und der individuellen Stärke der Spieler hat der VfR im Abstiegskampf rein von der Ausgangslage betrachtet nichts zu suchen. Aber angesichts der seit Monaten anhaltenden Negativspirale, in der sich die Mannschaft befindet und vor allem mit Blick auf die Leistungen der vergangenen Spiele, steht die Mannschaft von Anouar Ddaou wohl aktuell genau da, wie es dem momentanen Leistungsvermögen (hinzu kommen Verletzte, Sperren, individuelle Aussetzer) entspricht. Den Beweis, dass diese Wormatia-Mannschaft aktuell besser ist, als die Teams im Tabellenkeller der Oberliga, sind die Wormser in den vergangenen Wochen schuldig geblieben.
Der Partie am Samstag in der EWR-Arena (14 Uhr) kommt eine bedeutendere Rolle zu, als den Wormsern lieb ist. Bei einer Niederlage wären die Wormaten endgültig im Abstiegskampf der Liga angekommen. In diesem steckt auch die Arminia, die nach einem jüngst erfolgten Trainerwechsel (Ralf Gimmy für Marco Laping) in den vergangenen beiden Spielen (1:1 gegen TuS Koblenz und 7:0 gegen Eppelborn) zuletzt vier wertvolle Zähler sammelte. Die Wormser würden mit einem Sieg etwas beruhigter in das Saisonfinale gehen, bei einer Pleite droht sich die Stimmung im ohnehin schon rumorenden Vereinsumfeld, siehe der Fanprotest gegen den Sportlichen Leiter Aydin Ay zuletzt (wir berichteten), hingegen (noch) weiter zu verschlechtern.