
Darmstadt. Im Tabellenkeller der Kreisliga B geht es extrem eng zu: Zwischen Platz elf und Platz 16 liegen nur drei Punkte. Sechs Mannschaften kämpfen um den Klassenerhalt – wir haben bei den Vereinen nachgefragt, wie sie die Lage einschätzen und worauf es jetzt ankommt. Alle Teams haben geantwortet, lediglich Gräfenhausen wollte sich nicht zur aktuellen Situation äußern.
Auf Platz elf und damit als erste Mannschaft im Abstiegskampf steht der SV Kamerun Darmstadt mit 19 Punkten. Trotz der angespannten Tabellensituation sei die Stimmung positiv, meint Jan-Pierre Tenofou, sportlicher Leiter des SV Kamerun Darmstadt.
Grund dafür sei vor allem der überzeugende Auftritt beim 2:0-Heimsieg am vergangenen Spieltag gegen den SV Erzhausen. Vor allem die Hinrunde sei geprägt gewesen von personellen Engpässen aufgrund von Verletzungen und beruflichen Verhinderungen. In der Rückrunde könne der SV Kamerun wieder aus dem Vollen schöpfen: „Wenn wir komplett sind, haben wir das Potenzial, jeden Gegner zu schlagen“, sagt Tenofou.
Gleichzeitig benennt er die Baustellen im Spiel des SV Kamerun: Immer wieder mangele es dem Team an Konzentration und der richtigen Einstellung. Doch die Mannschaft habe die Situation verstanden: „Wenn es drauf ankommt, nehmen wir die Lage ernst und sind da.“
Für den restlichen Saisonverlauf setzt Tenofou vor allem auf seinen Spielertrainer Marcus Manga Mbou, der innerhalb der Mannschaft vorangehe. Auf dem Feld liegt die Hoffnung auf Angreifer Daril Vergesse Sobze Soffack, dem Mittelfeldstrategen Romain Arnold Batchewoua Tetchiwou sowie auf Neuzugang Christ Bowl Bouchuen.
Spiele gegen die direkte Konkurrenz
Einen Platz hinter dem SV Kamerun steht die dritte Mannschaft des SV Darmstadt mit ebenfalls 19 Punkten. Wie auch die anderen Teams im Tabellenkeller hat der SVD mit vielen Verletzungen zu kämpfen, sagt Trainer Andreas Degenhardt. Dennoch sieht er eine positive Entwicklung: Man habe sich nach der Winterpause "neu sortiert und gut angepasst“. Im Spiel gegen die TGB Darmstadt am vergangenen Spieltag seien zudem „Moral und Kampfgeist“ erkennbar gewesen, als man nach einem 0:2-Rückstand zurückgekommen ist und noch ein 2:2 geholt hat.
Zugleich sagt Degenhardt: „Die aktuelle Situation schlägt uns aufs Gemüt.“ In den letzten Jahren hat der Aufsteiger meist um die oberen Plätze gespielt, eine solche Lage im Abstiegskampf sei deshalb neu. Er sieht seine Mannschaft für den Endspurt dennoch gut aufgestellt: „Unsere Stärke ist unsere wiederentdeckte Geschlossenheit und unser Zusammenhalt.“ Diese komme nicht von ungefähr – der Trainerstab habe die Situation innerhalb der Mannschaft klar benannt und darauf reagiert, unter anderem mit Team-Events, um das Miteinander unabhängig von der sportlichen Lage zu stärken.
Personell bleibt die Lage weiterhin angespannt. Spieler, die in der jüngeren Vergangenheit wichtig waren, wie Tim Kabisch, Eldar Akazanov, Julian Schreiber oder Nils Thierolf, sind für die kommenden Spiele fraglich oder fallen für den Rest der Saison aus. Hoffnung zieht der Coach aus den direkten Duellen: „Wir haben es selbst in der Hand.“ Der SVD trifft in den verbleibenden Spielen noch auf vier der direkten Konkurrenten.
Spiele gegen die direkte Konkurrenz
Auf Platz 13 – punktgleich mit Darmstadt 98 III und dem SV Kamerun – steht aktuell der SV Weiterstadt. Nach einer schwierigen Hinrunde zeigt die Formkurve zuletzt leicht nach oben, der Sieg am vergangenen Spieltag gegen Hähnlein sorgt zusätzlich für Auftrieb, sagt Erkan Beyazal, Trainer des SV Weiterstadt. Er lobt zugleich auch die verbesserte Trainingsbeteiligung zu Beginn des Jahres und ist überzeugt: „Wenn alle da sind, bin ich mir sicher, steigen wir nicht ab.“ Auch das 2:2 gegen die Darmstädter TSG habe gezeigt, dass die Mannschaft „konkurrenzfähig“ sei, sagt der SVW-Coach.
Ein entscheidender Grund für die Zuversicht sei die verbesserte Kaderzusammensetzung. In der Vorrunde sei der Kader oft sehr dünn besetzt gewesen, es habe viele Ausfälle aufgrund von Verletzungen gegeben, sagt Beyazal. In der Rückrunde helfen einige Winterzugänge sowie vor allem die Integration mehrerer A‑Jugendspieler, die Qualität und Tiefe im Kader zu stärken. Dazu zählen Finn Baumann, der bislang in fünf Spielen vier Tore beisteuern konnte, Luis Durstewitz und Vincent May, dem Beyazal zutraut, „zwei Ligen höher zu spielen“. Gemeinsam mit etablierten Kräften sowie einzelnen Spielern aus der Ü35-Herrenmannschaft sollen sie das Ruder herumreißen. „Der Verein tut alles dafür, dass wir nicht absteigen“, sagt Beyazal.
Spiele gegen die direkte Konkurrenz
Auf dem vorletzten Platz und punktgleich mit Türk Gücü steht aktuell der SKV Hähnlein. Trotz angespannter sportlicher Situation sei die Stimmung im Team gut, meint Angelo Napolitano, Sportlicher Leiter des SKV. Ein Grund dafür sei der Trainerwechsel, der „neuen Schwung gebracht hat“: Seit dem Trainerwechsel sei eine positive Entwicklung erkennbar. Spielerisch habe sich einiges verändert, unter dem neuen Trainer David Veith wolle der SKV offensiver auftreten, sagt Napolitano.
Auch wenn die Ergebnisse zuletzt nicht immer zufriedenstellend ausgefallen seien, spiegelten sie laut Napolitano die Form nicht vollständig wider: „Wir sind auf einem guten Weg, wir werden immer fitter.“ Vor allem im Spiel am vergangenen Spieltag gegen den direkten Konkurrenten Weiterstadt habe man überzeugt – „das hätten wir nicht verlieren müssen“, sagt der Sportliche Leiter des SKV. Die Mannschaft habe gut gespielt, manchmal habe auch das nötige Quäntchen Glück gefehlt.
Personell bleibt auch hier die Lage angespannt. Drei bis vier Langzeitverletzte sowie weitere angeschlagene Spieler schränken die Möglichkeiten ein. Dennoch blickt Napolitano zuversichtlich auf die kommenden Spiele. „Wir sind überzeugt, dass wir es schaffen – es sind noch 27 Punkte zu holen.“ Entscheidend wird laut Napolitano vor allem die Geschlossenheit des Teams sein. Einen einzelnen Spieler hebt er bewusst nicht hervor – vielmehr komme es darauf an, dass jeder in der Mannschaft seinen Teil beiträgt.
Spiele gegen die direkte Konkurrenz
Auf dem letzten Platz der Kreisliga B steht aktuell der SC Türk Gücü Darmstadt II. In diese aktuelle Lage sei das Team vor allem durch Verletzungen und berufliche Verpflichtungen durch Schichtarbeit geraten, die den Kader in der Vergangenheit stark dezimiert hätten, berichtet der sportliche Leiter Fatih Aydogan. Dennoch zeigt er sich optimistisch: „Wenn alle fit sind, schaffen wir es, die Abstiegsplätze zu verlassen, da bin ich mir sicher.“ Die Situation dürfte sich in den kommenden Wochen entspannen, da mehrere Spieler zurückkehren, sagt Aydogan.
Sportlich zeigt die Form ein gemischtes Bild mit einem Sieg und zwei Niederlagen aus den letzten drei Spielen, wobei die Leistungen laut Aydogan nicht immer die Ergebnisse widerspiegelten. Gegen Tabellenführer Schneppenhausen habe die Mannschaft „gut gespielt und super gekämpft“.
Hoffnung macht vor allem der starke Zusammenhalt innerhalb des Teams: „Die Stärke ist unsere Geschlossenheit in der Mannschaft, die Harmonie ist sehr gut.“ Daneben verfügt Türk Gücü über einige "Ausnahmespieler" in ihren Reihen, sagt Aydogan. Dazu zählen unter anderem Görkem Parmak, dem er zutraut, bei voller Gesundheit 50 Tore in der Kreisliga B zu schießen, oder Mirkan Yazici, der in zehn Ligaspielen bereits auf zehn Tore und zwei Vorlagen kommt, sowie den neu reinrotierten Bawan Kadir, den Aydogan für seinen Einsatz lobt. Auch deshalb rechnet der sportliche Leiter mit 10 Punkten aus den nächsten fünf Partien.
Spiele gegen die direkte Konkurrenz
Auch die SKG Gräfenhausen wurde von uns kontaktiert, wollte sich zur aktuellen Situation jedoch nicht äußern.