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Abstieg zum Abschied: Köhlers trauriger Karlburg-Kehraus

Langjähriger TSV-Trainer hört nach dem letzten Spieltag auf - als Absteiger und nach einer 1:6-Pleite in der vorletzten Begegnung.

von Helmut Weigerstorfer · 13.05.2025, 11:30 Uhr · 0 Leser
Markus Köhler stemmte sich lange gegen den Abstieg - vergeblich.
Markus Köhler stemmte sich lange gegen den Abstieg - vergeblich. – Foto: Mario Wiedel

Es ist nun wahrlich nicht so, dass dieser Abstieg überraschend kam - aber dennoch tut er richtig weh. Seit vergangenem Wochenende steht fest, dass der TSV Karlburg nach nur einen Bayernliga-Saison wieder in die Landesliga zurück muss. Doppelt bitter: Nach dieser Spielzeit verabschiedet sich Trainer Markus Köhler, seit 2019 im Amt und zuvor bereits Spieler. Der 38-Jährige - und seine traurigen Abschiedsworte...

Markus, beschreibe Deine Gefühlswelt nach dem vergangenen Wochenende...
Enttäuscht. Natürlich hätte ich gerne mich mit dem Klassenerhalt verabschiedet.

Das 1:6 gegen Kornburg hat den direkten Abstieg des TSV Karlburg besiegelt. Vier Tore fielen dabei in der 2. Halbzeit nach einem 0:2-Rückstand zur Pause. Das klingt nach Komplett-Aufgabe, nach Offenbarungseid. Täuscht der Eindruck?
Der Sieg geht in Ordnung. Jedoch müssen wir, so komisch es klingt, bis zur Halbzeit führen. Der Gegner hatte in der ersten Halbzeit auch weitere Chancen, aber wir hatten, glaube ich, vier Hundertprozentige und noch die ein oder andere Möglichkeit. Die zweite Halbzeit geht klar an Kornburg. Vielleicht hat bei dem einen oder anderen dann auch der Kopf mitgespielt. Der ein oder andere wird realisiert haben, dass das der Abstieg ist. Anders kann ich mir das Auftreten der zweiten Halbzeit nicht erklären.

Wie sehr tut es weh, dass das zweite Karlburger Bayernliga-Abenteuer als - so hart es klingt: eindeutiger - Tabellenletzter zu beenden?
Schwer zu sagen. Abstieg ist Abstieg. Wenn es ganz eng gewesen wäre, hätte der Abstieg genauso weh getan - vielleicht sogar noch mehr. Aber ich hätte es mir natürlich anders gewünscht als so.

Warum hat es letzten Endes bei Weitem nicht für den Klassenerhalt gereicht?
Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Erstens hatten wir eine schlechte Vorbereitung ohne Torhüter. Dann kamen viele Verletzten über die ganze Saison dazu. Des Weiteren haben wir aber auch viele Fehltermine von vielen Spielern gehabt, sodass sich oft die Mannschaft von alleine aufgestellt hat. So gab es keinen großen Konkurrenzkampf. Einige Spieler konnten nicht an gezeigten Leistungen anknüpfen bzw. sind an Ihre Grenzen gestoßen. Und wenn wir als Mannschaft nicht ans Maximum kommen, wird es für uns als ein "kleiner" Verein - bezogen auf die vorhandenen Mittel - sehr schwer für die Bayernliga.

Ein Muster scheint Eure lange Ausfallliste zu sein: Gibt's Gründe hierfür?
Wenn wir viele Muskelverletzungen oder Knieverletzungen gehabt hätten, könnte man vielleicht Zusammenhänge erkennen, dies ist jedoch nicht der Fall. Wir haben sehr viele unterschiedlichste Verletzungen gehabt - leider zu viele langwierige...

Wie sehr tut es weh, dass Deine sechsjährige Zeit als Trainer auf diese Art und Weise endet?
Es tut schon weh, weil ich sehr ehrgeizig bin und zu jederzeit noch gehofft habe, dass wir es noch hingekommen können. Für die meisten Spieler, die sehr gerne weiterhin in der Bayernliga gespielt hätten. tut es mir leid.

Und was tut nur mehr weh - der Abstieg oder der Abschied?
Schwer zu sagen... eher der Abstieg. Den Abschied habe ich selbst entschieden, weil es Zeit ist, dass sowohl der Verein als auch die Mannschaft einen neuen Input bekommen.

Die löchrigste Defensive der Liga: Dieses Bild gilt leider symbolisch.
Die löchrigste Defensive der Liga: Dieses Bild gilt leider symbolisch. – Foto: Johannes Traub

Wie geht es mit Dir nun weiter? Von außen betrachtet ist es ja unvorstellbar, dass der TSV Karlburg ohne Markus Köhler funktioniert - und umgekehrt?
Ich kann es aktuell noch nicht sagen, was ich zeitnah im sportlichen Bereich bzw. Trainerdasein mache. Ich kann mir vieles vorstellen, endgültig entschieden habe ich mich jedoch noch nicht. Eine Pause ist auch vorstellbar. Dem Fußball sowie dem Verein werde ich weiterhin verbunden sein: Aktuell spielen meine beiden Söhne dort in der TSV-Jugend, sodass ich mich noch oft genug im Sportpark Karlburg aufhalten werde. Auch sonst werde ich mit Sicherheit mit dem Verein in Verbindung bleiben und helfen, wo meine Hilfe benötigt wird. Ich hänge sehr am TSV!

Und wie geht es mit dem TSV Karlburg weiter? Droht das Team auseinanderzufallen? Kann man in der Landesliga wieder eine gute Rolle spielen?
Man wird sehen, wie schnell man sich wieder in der Landesliga akklimatisiert. Ich glaube, dass man aufgrund der Erfahrungen in den vergangenen Jahren, die wir als Verein und Mannschaft gesammelt haben, es hinbekommen wird, eine gute Saison zu spielen.

Ist, wenn man ehrlich ist, mit einer Bayernliga-Saison, in der es mit viel Glück zum Klassenerhalt reicht, das Ende der Fahnenstange erreicht für den TSV Karlburg - finanziell, infrastrukturell und sportlich?
Die Klasse zu halten ist schon möglich. Der Aufwand in dieser Spielklasse ist gerade in unserer geographischen Lage enorm hoch. Zehn Fahrten über 200 Kilometer zu Auswärtsspielen sind schon hart. Jede Saison weitere Spielzeit in der Bayernliga würde es einfacher machen, weil man sich daran gewöhnt und sich darauf einstellen kann. Es braucht unglaublich viele Spieler und Freiwillige, die den Verein anschieben. Bayernliga ist schon was besonderes für den TSV Karlburg - es ist immerhin die 5. Liga.

Abschließend: Beschreibe Deine Gefühlswelt, wenn Du mittel- und langfristige in Deine sportliche Zukunft und die Zukunft des TSV Karlburg blickst?
Ich kann nur eins sagen: Ich werde, egal welche Aufgaben, Trainerstationen oder diverse andere Tätigkeiten auch immer, mit großem Einsatz und Leidenschaft dabei sein. Für mich gilt das Motto: Ganz oder gar nicht! Die Zukunft beim TSV Karlburg sehe ich positiv, da es der Verein immer geschafft hat, Leute zu finden bzw. zu haben, die sich für den Verein einsetzen - mit den typischen Arbeitertugenden.

Vielen Dank für das Gespräch, Markus. Man hört oder liest sich!