
Klar, ohne Florian Bauer wäre der SC Großschwarzenlohe gar nicht da, wo er ist. Über fast zehn Jahre hinweg hat der ehemalige Regionalliga-Spieler aus einem Bezirks- einen Bayernligisten gemacht. Nun, im Sommer, endet die Zeit des 38-Jährigen beim mittelfränkischen Verein jedoch - und das mit einem Abstieg. Florian Bauer dazu im FuPa-Interview...
Florian, Deine ersten Gedanken, nachdem der direkte (Wieder-)Abstieg des SC Großschwarzenlohe nun endgültig feststeht?
Ein sehr großes Maß an Enttäuschung und Leere (atmet tief durch). Ein Abstieg ist – zum Glück – nie alltäglich. Wir haben viel Aufwand betrieben und uns am Ende auch nicht allzu viel vorzuwerfen. Und dann muss man am Ende eine solche Saison bzw. Entscheidung auch akzeptieren. Irgendwer muss absteigen. Ich bin ein Fan davon, immer etwas Positives herauszufiltern und hier war die Lernkurve für jeden einzeln und vor allem für uns als Gruppe sehr groß. Größer als in so mancher Saison wenn du von Sieg zu Sieg eilst.
Die zentrale Frage: Warum? War der SCG schlicht und einfach zu schwach für die Bayernliga?
Natürlich ist man, die Tabelle lügt nicht, am Ende zurecht da unten. Auch das Torverhältnis spricht eine eindeutige Sprache, was unsere Offensive betrifft. Defensiv waren wir phasenweise richtig gut unterwegs. Dennoch sind wir auf keinen Fall zu schwach für die Liga. Wir sind nicht das klassische Schlusslicht, das alle 14 Tage chancenlos das Spielfeld verlassen hat.
Es gibt nur wenige Spiele, wie beispielsweise beide Spiele gegen Cham, in denen wir chancenlos waren. Ab und an muss man anerkennen, dass der Gegner in einem anderen Regal spielt – das war hier der Fall. In allen anderen Begegnungen waren wir mindestens auf Augenhöhe und komplett konkurrenzfähig. Natürlich hatten wir mit etwas mehr Prozentpunkten, was Verletzungen betrifft, zu kämpfen als normal. So hat uns - sinnbildlich - Kapitän Justin Opcin lange, lange Zeit gefehlt. Solche zentrale Figuren kannst du nur super schwer adäquat ersetzen...
Oftmals hast Du mit fehlendem Spielglück gehadert. Es war also Schicksal, dass Großschwarzenlohe Letzter und direkter Absteiger ist?
Es ist nicht vordergründig das Spielglück, auch nicht die Qualität. Es ist oft die Erfahrung, in den entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung zu treffen, die uns gefehlt hat. Dinge, wie ein Spiel nach Hause zu bringen oder auch in der 80. Minute bei Standards noch online zu sein. Was die Mischung aus allen betrifft, sind uns andere Mannschaften voraus gewesen.

Mitte Januar hast Du verkündet, dass Du den SCG nach einer halben Ewigkeit verlassen, und ab Sommer bei Lokalrivalen Kornburg an der Linie stehen wirst. Rückblickend: War es die richtige Entscheidung, so zeitnah Deinen Abschied öffentlich zu machen?
Es gibt wohl nie den richtigen Moment. (überlegt) Natürlich hat meine Entscheidung Emotionen ausgelöst, das gehört dazu. Vielleicht mehr, als ich gedacht habe. Umso stolzer bin ich, wie das Team damit umgegangen ist. In der Gruppe muss es ab und an scheppern, aber grundsätzlich sind wir immer in dieselbe Richtung gelaufen.
Wie weh tut es, „Deinen“ Verein nach fast zehn Jahren (mit einem Negativerlebnis) zu verlassen?
Als ich in Großschwarzenlohe als Spielertrainer begonnen habe, war diese Funktion noch nicht so üblich wie jetzt. Damals war mein erstes Etappenziel, bis zum Winter bleiben zu dürfen (schmunzelt). Dass sich dann so eine Dynamik entwickelt, dass ich neun Jahre bei einem Verein arbeiten darf, ist auch heute noch kaum in Worte zu fassen. Ich durfte unglaubliche Dinge erleben. Das macht den Fußball so einzigartig. Groß'lohe ist am Ende auf Nummer 1 in meiner Karriere. Vor allem, weil ich selber am Steuer gesessen bin. Eine einzigartige Reise mit vielen einzigartigen Momenten. Dinge zu entwickeln treibt mich an und so haben wir in Großlohe gemeinsam die letzten neun Jahre unglaublich gearbeitet.
Trübt die Rote Bayernliga-Laterne insgesamt Dein SCG-Fazit?
Der Abschied fällt unendlich schwer. Es wäre traurig, wenn es nicht so wäre. Und: Nein, der Abstieg trübt das Fazit nicht. Denn es wurden nachhaltige Strukturen geschaffen, die bleiben. Der Kader in der kommenden Saison ist hochattraktiv. Da hätte ich schon auch direkt wieder Bock drauf gehabt (schmunzelt).
Ab Sommer aber: Kornburg. Wie schwierig war es in den vergangenen Wochen den Spagat zu schaffen? Auf der einen Seite Großschwarzenlohe, auf der anderen Seite der TSV?
Ich habe Richtung Kornburg klar kommuniziert, dass Großschwarzenlohe bis zum Sommer absolut Priorität hat. Und das war auch so! Ich habe deshalb ein reines und sauberes Gewissen. Alles andere wäre nicht ich. Natürlich hat es aber auch mit dem neuen Verein einige Dinge zu organisieren gegeben – solche Themen wie Vorbereitung und Kaderplanung. Ganz normal – und mit viel Augenmaß von meiner Seite.
Was ist mit dem TSV Kornburg, der irgendwie als schlafender Riese gesehen wird, möglich?
Ob Kornburg ein schlafender Riese ist, weiß ich nicht. Ich weiß, dass ich dort einen erfolgreichen Fußball spielen will. Beim TSV werden wir gemeinsam einige Dinge hinterfragen und ändern. Und dann gilt es, eine neue Dynamik zu erzeugen. Auf diese neue Spielwiese freue ich mich sehr!
Und welche Perspektive siehst Du für den SC Großschwarzenlohe? War die Bayernliga eine Eintagsfliege?
Man wird sich sicher nicht den Druck selber auferlegen, direkt wieder aufsteigen zu müssen. Aber die Mannschaft wird vorne mitspielen. Das hat sie locker im Tank - davon bin ich überzeugt.
Vielen Dank für das Gespräch - und alles Gute für die Zukunft!