
"The same procedure as every year", wer kennt ihn nicht, den legendären Sketch-Klassiker "Dinner for One", der jedes Jahr an Silvester im TV rauf und runter läuft. Im Bezug auf den Amateurfußball in Bayern kommt es auch zu einem wiederkehrenden Muster, nämlich den Spielausfällen. Ende November oder wie aktuell Ende Februar, Anfang März sind fast nirgendwo Spiele auf Naturrasen möglich. Unterhalb der Regionalliga können dennoch einige Partien ausgetragen werden, denn mittlerweile gibt es doch eine stattliche Anzahl von Vereinen, die mit einem Kunstrasenplatz ausgestattet sind. In der Landesliga Südost fand das komplette Programm des vergangenen Wochenendes beispielsweise auf künstlichem Grün statt! Doch macht es wirklich Sinn, mehrmals in einer Saison auf diesem von den Akteuren oft nicht sonderlich geliebten Belag ausweichen zu müssen, der auch für die Zuschauer meist wenig bis überhaupt keinen Komfort (oft fehlende Tribüne bzw. Sitzgelegenheiten) bietet!?
Vereine, die über kein Kunstgrün verfügen, sind mehr oder weniger die Gelackmeierten. Trotz Klimawandel wird es auch in den kommenden Jahren"strenge" Winter in vielen Gebieten Bayerns geben. Der Mitte-Landesligist SpVgg Lam - der Ort im Bayerwald liegt auf 622 Höhenmeter - hat inzwischen vier(!) Spielausfälle zu beklagen. Im April haben die "Osserbuam" vier Englische Wochen in Folge zu bestreiten und das in der sechsten Liga! Ohnehin ist es diskutabel, ob Fußballer in der dritthöchsten Amateurklasse, die oft auch noch im Totopokal im Einsatz sind, genau so viele Pflichtspiele wie ein Zweitliga-Profi bestreiten müssen. "Die Gesellschaft verändert sich immer schneller, deshalb müssen auch wir schneller werden. Das ist ein klarer Auftrag für die kommenden Jahre", sagte BFV-Präsident Dr. Christoph Kern vor Kurzem auf einer Spielleitertagung im niederbayerischen Bad Gögging.
Ja, die Gesellschaft hat sich verändert. Der Amateurfußball nimmt nach wie vor eine wichtige Rolle im Leben vieler Menschen ein, doch das ganze Ligensystem gehört auf dem Prüfstand gestellt. Eine zentrale Rolle spielt sicherlich, wie es mit der Regionalliga Bayern weitergeht. Der legendäre "Wendelsteiner Anstoß" bedeutete im Jahr 2010 eine einschneidende Reformierung des damaligen Ligensystems, die dann knapp zwei Jahre später umgesetzt wurde. Es gehört aber schleunigst eine Diskussion her, ob das Ganze wirklich noch Sinn macht. Bleiben wir bei den Landesligen: Muss es in Bayern wirklich acht Verbandsligen geben? Sollte nicht jeder Bezirk wieder eine eigene "Königsklasse" - die unter anderem den Vorteil von deutlich mehr regionalen Duelle hätte - und darüber auch die Hoheit haben, wie diese aussehen sollen. Liga-Modelle mit 16 anstatt 18 Vereinen hätten den großen Vorteil, dass über die Saison hinweg vier Spieltage weniger zu bestreiten wären. Die Klubs könnten also Mitte November in die Winterpause gehen und müssten erst Mitte März wieder loslegen. Viele Spieler hätten sicherlich nichts dagegen eine deutlich längere Pause - Schlagwort: Veränderungen in der Gesellschaft - zu haben, vielleicht könnte dadurch sogar das Interesse am Hallenfußball wieder etwas zunehmen. Zudem würde mit großer Wahrscheinlichkeit die Anzahl an Spielausfällen wesentlich weniger werden.
Auch das Relegationssystem auf Verbandsebene gehört endlich reformiert. Vier Spiele auf eineinhalb Wochen - nach einer ohnehin langen und kräftezehrenden Saison - ist definitiv nicht im Sinne der Aktiven, um die es primär gehen MUSS. Manchmal ist weniger mehr - in diesem Fall definitiv. Man sollte ernsthaft darüber nachdenken, ob der Modus mit Hin- und Rückspiel wirklich noch gewollt ist. Es gibt viel zu tun für die Entscheidungsträger, die aber auch solche treffen und nicht immer nur Meinungsbilder einholen sollten. Denn allen Klubs kann man es bekanntlich ohnehin nie recht machen.