
Nach einem Semester ist Schluss: Luis Siebenhaar, Ex-Kauferinger Talent, beendet sein Abenteuer USA. Siebenhaar blickt mit gemischten Gefühlen auf seine Zeit im Ausland zurück.
Kaufering – Fußball hat ihm so viel Spaß gemacht – wenn ihm nur dieses dauernden Verletzungen erspart geblieben wären. Und so sagt Luis Siebenhaar, der ehemalige Mittelfeldspieler des VfL Kaufering (37 Einsätze in der Landesliga): „Ich muss die nächsten Monate erst mal schauen, ob ich nochmal Lust habe, zu spielen.“
Das kommt etwas überraschend für einen hochtalentierten 20-Jährigen, der im Sommer große Pläne hatte und an der amerikanischen „Southern Oregon University“ in Ashland, einer Kleinstadt (ca. 22.000 Einwohner) nahe der Grenze zu Kalifornien, ein vierjähriges „Business Administration“-Studium (entspricht in etwa einem BWL- Studium in Deutschland) beginnen und als „Student athlete“ in der College-Mannschaft, den „Raiders“, Fußball spielen wollte.
Doch der „amerikanische Traum“ von Luis und seinem langjährigen Freund Leon Junker (20) vom TSV 1865 Dachau, der sich mit ihm für das Studium in Oregon entschieden hatte, dauerte nur ein Semester: Der Kauferinger ist seit Ende November wieder daheim – und wurde am Mittwoch in der Augsburger ArthroKlinik an der rechten Schulter (Bänderriss aus seiner Zeit beim VfL) operiert.
"Es wird rund sechs Monate dauern, bis ich wieder Kontaktsport machen kann“, erzählt er. Und gibt zu: „Ich hatte so viele Verletzungen, beide Schultern sind kaputt - dadurch habe ich ein bisschen die Lust am Fußball verloren. Mal schauen, ob es mich nochmal reizt…“
Das „Abenteuer Oregon“ ist schon vorbei – dabei hatte es so gut begonnen: „Wir sind mit zehn Siegen gestartet, waren kurzzeitig die zweitbeste NAIA-Mannschaft des Landes. Wir sind zu Spielen nach Los Angeles geflogen, nach Arizona oder nach Denver. Ich hatte viel Spielzeit, habe meine Tore und meine Vorlagen gemacht – es war Fußball auf hohem, professionellem Niveau und eine coole Erfahrung. Es lief gut für mich – trotz kaputter Schulter und einem weiteren Bänderriss.“
Da nahm Siebenhaar auch in Kauf, dass das Training von Montag bis Freitag jeweils um 5.30 Uhr begann. „Wir mussten um vier Uhr aufstehen, um rechtzeitig auf dem Platz zu stehen und sind brutal viel gelaufen. Bei vielen begann die Uni dann schon um 7.30 Uhr“, erzählt er. Das war „echt heftig“, ließ sich aber verschmerzen, so lange der Erfolg da war.
Doch dann „hat der Trainer einfach zu viel gemacht“ – die Folgen: Viele Verletzte und eine Negativserie von neun Spielen. „Es lief nichts mehr und der Coach (Davie Carmichael, ein ehemaliger U18-Nationalspieler/d.Red.) hat überreagiert. Sieben Tage Fußball waren einfach zu viel.“ Gerade für Siebenhaars lädierte Schulter: „Sie ist raus- und reingesprungen. Zwei Wochen vor dem Saisonende habe ich dem Trainer dann gesagt, dass ich nicht mehr spielen kann.“ Das hatte Straftraining mit 40-Kilo-Hantelscheiben zur Folge. Und Leon flog ganz aus dem Team. Das war das Ende des US-Abenteuers.
„Amerika war eine Super-Erfahrung, auch wenn ich mir einiges anders vorgestellt hatte. Ich habe viele Freunde aus aller Welt gefunden, das erste Semester mit 1,6 abgeschlossen – aber wir sind leider an der falschen Uni gelandet.“ Und in einer Stadt, „in der man dem Fußball nicht viel machen konnte.“ Aber das ließe sich korrigieren: „Ich kann, wenn die Schulter operiert ist und wieder hält, ja an ein anderes College wechseln.“
Jetzt steht erst mal die Reha an – und eine neue Erfahrung: „Ich werde mal schauen, wie sich ein Leben ohne Fußball anfühlt. Danach sehe ich schon, ob ich wieder Lust habe. “ Siebenhaars Resümee: „Ich bin sehr froh, dass ich wieder zurück bin. Das Leben in Deutschland ist gar nicht so schlecht.“ Luis bestätigt alle Vorurteile: „Da drüben gibt’s wirklich nur Burger, Pizza, Eis und Cola. Ungewohnt für einen, der sich immer gesund ernährt hat…“