2026-05-15T09:36:57.455Z

Allgemeines

A-Lizenz im Ausland: Der steinige Weg von Mikheil Khutsishvili

In Deutschland blockiert das System, in der Heimat klappt es: Der Co-Trainer von Fortuna Bonn vor Abschluss der A-Lizenz

von Andreas Santner · 21.04.2026, 17:38 Uhr · 0 Leser
Mikheil Khutsishvili geht den Weg über sein Heimatland Georgien zur A-Lizenz.
Mikheil Khutsishvili geht den Weg über sein Heimatland Georgien zur A-Lizenz. – Foto: Privat

Wer im deutschen Fußball als Trainer hoch hinaus will, braucht einen langen Atem – und oft auch eine gehörige Portion Glück bei der Zuteilung von Lehrgangsplätzen. Während ambitionierte Übungsleiter wie Okan Özbay in Frechen am starren Punktesystem des DFB verzweifeln, hat Mikheil Khutsishvili eine alternative Route gewählt. Der 38-jährige Co-Trainer von Fortuna Bonn absolviert seine UEFA-A-Lizenz derzeit in seiner Heimat Georgien. Ein Weg, der zeigt: Wenn die deutschen Türen verschlossen bleiben, lohnt sich der Blick über die Landesgrenzen.

Die Geschichte von Mikheil Khutsishvili ist keine gewöhnliche Fußballer-Biografie. Der ehemalige georgische Erstligaprofi und Junioirennationalspieler kam ursprünglich für ein Studium der Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an die Uni Bonn. Dass er heute noch im Rheinland weilt, hat einen traurigen Hintergrund: Eine schwere Erkrankung seiner damals zweijährigen Tochter zwang die Familie zum Bleiben. Inzwischen geht es dem Kind gut, doch die Zelte in Deutschland sind längst aufgeschlagen. Sportlich fand Khutsishvili nach Stationen beim Bonner SC den Weg auf die Trainerbank, zunächst als Unterstützung bei Fortuna Bonn.

Bürokratie als Bremse für Talente

Schon beim Erwerb der B-Lizenz in Saarbrücken wurde dem Wahlbonner deutlich gemacht, dass der nächste Schritt in Deutschland an ein bürokratisches Nadelöhr grenzt. Die Hürden für die A-Lizenz sind hierzulande massiv, die Plätze limitiert und das Auswahlverfahren für viele Amateurtrainer kaum zu durchlaufen. Khutsishvili entschied sich deshalb für den Weg über den georgischen Verband, wo das Verfahren zwar ebenso streng, aber für ihn zugänglicher organisiert ist.

"Während meiner B-Lizenz in Saarbrücken wurde mir bereits gesagt, dass es in Deutschland nahezu unmöglich sei, einen Platz für die A-Lizenz zu bekommen. Deshalb habe ich mich entschieden, diese Ausbildung in Georgien zu absolvieren. Viele Georgier, die im Ausland leben, nutzen denselben Weg – das Verfahren ist dort ebenfalls sehr streng und gut organisiert. Von unserer B-Lizenz-Gruppe in Saarbrücken machen nur zwei Trainer die A-Lizenz weiter: einer in Wels und ich in Georgien", erklärt Khutsishvili seinen Entschluss.

Ausbildung nach UEFA-Standard

Wer glaubt, der Weg über das Ausland sei eine Abkürzung, der irrt. Die Ausbildung folgt strikten internationalen Richtlinien und verlangt dem 38-Jährigen logistisch einiges ab. Die Präsenzphasen in Georgien wechseln sich mit intensiven Aufgaben in Deutschland ab, wobei sogar Ausbilder aus der Georgien anreisen, um seine Arbeit im hiesigen Ligabetrieb unter die Lupe zu nehmen.

"Der Ablauf entspricht vollständig den UEFA-Vorgaben: sechs Module, alle eineinhalb Monate eine Präsenzwoche, dazwischen zahlreiche Aufgaben. Ich kann jedem Trainer empfehlen, diesen Weg über das Ausland in Betracht zu ziehen", so der angehende A-Lizenz-Inhaber, der aller Voraussicht nach im September sein Zertifikat erhalten wird.

Bereit für den nächsten Schritt

Aktuell fungiert Khutsishvili noch als Co-Trainer bei Fortuna Bonn in der Landesliga. Eine Rolle, die er nach der Krankheitsgeschichte seiner Tochter bewusst wählte, um wieder im Fußball anzukommen und sich parallel voll auf die anspruchsvolle Ausbildung konzentrieren zu können. Doch mit der Lizenz in der Tasche steigen die Ambitionen. Ab Sommer fühlt sich der Georgier bereit, als Cheftrainer Verantwortung zu übernehmen.

"Da ich für die A-Lizenz oft nach Georgien fliegen musste, habe ich mich entschieden, noch ein Jahr Co-Trainer zu bleiben, um mich voll auf die Ausbildung zu konzentrieren. Nun bin ich fast fertig und bereit, ab Sommer eine Mannschaft als Cheftrainer zu übernehmen. Mir ist wichtig, in einem ambitionierten und professionellen Verein zu starten, in dem ich mich wertgeschätzt fühle. Dieses Vertrauen möchte ich mit harter, professioneller und zuverlässiger Arbeit zurückzahlen. Ich bin sicher, dass viele Vereine in der Region mich schnell als guten Trainer kennenlernen werden", gibt Khutsishvili die Marschrichtung vor.