
In der Kreisklasse A treffen am Sonntag um 12.15 Uhr die Aramäer Leimen und die DJK Ziegelhausen II aufeinander. Beide Teams haben zuletzt eine sehr positive Entwicklung genommen. Zudem sind sie freundschaftlich verbunden. Auf dem Sportplatz am Köpfel herrscht nun aber zumindest für 90 Minuten Rivalität zwischen den Klubs. Denn es geht für beide um viel.
Wer beurteilen möchte, wie positiv die Entwicklung der Aramäer Leimen und der DJK/FC Ziegelhausen/Peterstal II in den letzten Jahren verlaufen ist, braucht nur einige wenige Spielzeiten zurückschauen. Ein Beispiel: Vor etwas weniger als vier Jahren, am 8. Mai 2022, benötigten die Aramäer kurz vor Rundenende noch dringend drei Punkte gegen die DJK-Reserve. Allerdings nicht im Kampf um den Aufstieg in die Kreisliga, wie es aktuell der Fall ist, sondern um den Klassenerhalt in der Kreisklasse B unter Dach und Fach zu bringen.
Leimen gewann die Partie mit 3:1 und beendete die Saison auf Platz 13. Vier Punkte vor dem ersten Absteiger, VfB Schönau. Ziegelhausen spielte eine etwas sorgenfreiere Runde. Mehr als Platz 7, jenseits von Gut und Böse, war aber auch für die Köpfelkicker nicht drin.
Spricht man heute mit den beiden Coaches, Leimens Jonas Can und Ziegelhausens Marcel Meuter, hört man deutlich deren Stolz heraus. Auf das, was seitdem passiert ist.
"Die Entwicklung bei uns ist einfach überragend. Unsere Spieler verbessern sich, mein neuer Trainerkollege Waldemar Osnowin ist ein Siegertyp und wir treten wie eine Familie auf", berichtet Can stolz. Meuter stößt ins selbe Horn: "Wir können natürlich sehr zufrieden sein. Wir haben die Chance frühzeitig den Klassenerhalt zu sichern und befinden uns sogar noch in Jägerposition zu den Aufstiegsplätzen."
"Ziegele" beendete die B-Klassenrunde 2022/23 nach einer sensationellen Serie von 13 Siegen am Stück auf Platz 2. Dies berechtigte zum Aufstieg in die A-Klasse. Nach zwei Jahren der Stabilisierung gelang in dieser Saison auch in der neuen Liga der Sprung in die Spitzengruppe.
Die Aramäer Leimen zogen 2024 mit dem Aufstieg nach. Im Kreisklassen-Oberhaus angekommen, marschierten die Spieler von der Tinqeux-Allee sogar mehr oder weniger durch. Nach einem Mittelfeldplatz 2025, spielten Sie in dieser Runde von Anfang an oben mit. Mittlerweile stehen sie mit großem Vorsprung auf Platz zwei. Die Kreisliga und damit das Derby gegen den großen Stadtnachbarn VfB ist greifbar. "Das ist schon fast historisch. So gut standen wir noch nie da", ordnet Can ein.
Nun kommt es am Sonntag, zur besten Frühschoppenzeit, auf dem Köpfel zum erneuten Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten. Das Spiel verspricht einiges. Die Aramäer können mit einem Sieg den letzten verbliebenen Kontrahenten im Aufstiegskampf deutlich distanzieren. Für Ziegelhausen dagegen bietet sich die wohl letzte Möglichkeit, das Aufstiegsrennen nochmal spannend zu machen, ganz im Interesse des neutralen Zuschauers.
Jonas Can heizt die Spannung vor dem Duell weiter an. "Wir wollen nicht nur aufsteigen. Unser Ziel ist der erste Platz. Es wird sehr schwer werden für Ziegelhausen", gibt sich der 41-Jährige selbstbewusst. Marcel Meuter hält sich ebenfalls nicht bedeckt: "Bei uns herrscht eine Riesen-Vorfreude. Wenn wir in den nächsten zwei Spiele, gegen Leimen und Tabellenführer Wiesloch punkten, rücken wir vielleicht nochmal an den dritten Platz, der zum Aufstieg berechtigt, heran."
Neutrale Besucher können sich ebenfalls freuen. Beide Teams stehen für attraktiven Fußball. Meuter ordnet Leimen als "unfassbar spielstark, für mich die spielerisch beste Mannschaft in der Liga" ein. Die Ziegelhäuser dagegen sind auf dem Köpfel eine Macht. Seit sechs Partien haben sie zu Hause nicht mehr verloren. "Das Köpfel ist eine Burg. Da wollen wir immer gewinnen", blickt Meuter voraus. "Wir spielen im Winter viele Hallenturniere. Da sind wir auf den Platz am Köpfel vorbereitet", hält Can lachend dagegen.
Wer den Sieg davontragen wird, erscheint völlig offen. In jedem Fall wird es aber ein Fest des Amateurfußballs werden. Denn eine Besonderheit verbindet die Teams noch über die sportlichen Begegnungen hinaus. "Zwischen unseren Mannschaften besteht fast schon eine Vereinsfreundschaft. Nach den Spielen wird es oft spät, wir wurden sogar mal ins Leimener Klubhaus eingeladen", verrät Meuter.
Wenn Can erzählt, wie die Freundschaft entstand, treibt es Fußball-Romantikern die Tränen in die Augen: "Vor ein paar Jahren haben wir nach dem Spiel zusammen einen Kasten Bier geholt. Im Endeffekt sind wir, trotz Niederlage von uns, den ganzen Tag oben am Köpfel geblieben. Wir haben über Fußball geredet und die Aussicht genossen." Mittlerweile sind die Treffen fast schon Routine, finden mitunter auch in der Heidelberger Altstadt statt. Der Ziegelhäuser Josh Gelashvili spielt regelmäßig mit den Leimenern bei aramäischen Hallenturnieren mit.
Es wird also in jedem Fall einen stimmungsreichen Fußball-Sonntag für beide Teams geben. Mit Rivalität in den neunzig Minuten und mit freundschaftlichem Bier danach. So wünscht man sich den Amateurfußball.