
Der Sparkassen-Cup feiert sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass blickt Gründer Stefan Hany zurück – auf Biertisch-Ideen, große Spiele und kleine Skandale.
Landkreis – Wie es manchmal in Bayern der Fall ist, beginnen die besten Geschichten nicht selten an einem Biertisch. Wie auch die des Sparkassen-Cups – jenes Pokalturniers, das den Fußball im Landkreis Freising über die Grenzen hinaus bekannt gemacht und viele Nachahmer gefunden hat. Und vor allem: das nicht mehr wegzudenken ist aus der sportlichen Laufbahn hunderter, vielleicht sogar tausender Kinder, und auch nicht aus der Vita von Stefan Hany. Doch der Reihe nach.
Es ist ein Samstag im Frühjahr 1975, als die Geschichte ihren Lauf nimmt. In Neufahrn treffen damals zwei Prominenten-Fußballteams aufeinander, doch später, im Bierzelt bei einem Krügerl Hopfenkaltschale, kommt BFV-Spielgruppenleiter Stefan Hany, vorher noch Schiedsrichter der Partie, eine Idee: Warum nicht einen eigenen Wettbewerb für Juniorenkicker einführen?

Mit am Tisch sitzt der damalige Freisinger Sparkassen-Chef Herbert Gebhardt. Und Hany zögert nicht lange, spricht Gebhardt an, erklärt seine Idee und fragt, ob sich das Geldinstitut nicht vorstellen könne, das Turnier zu unterstützen. Der Banker findet sofort Gefallen an dem Gedanken – es ist der Anfang einer Erfolgsgeschichte. 50 Jahre gibt es den Sparkassen-Cup nun, er hat Turniere kommen und gehen sehen, den Europapokal der Landesmeister, den UEFA-Cup. Doch der Sparkassen-Cup ist geblieben. Mit – Stand 2024 – 546 Endspielen, mit Siegern von großen Vereinen wie dem SE Freising bis hin zu kleinen Clubs wie dem TSV Rudelzhausen. Der Pokal, er hat eben auch im Landkreis seine eigenen Gesetze.
Stefan Hany, heute 93, sitzt am Küchentisch und schwelgt in Erinnerungen. „Bis aus Bamberg haben sie angerufen und wollten wissen, wie wir den Sparkassen-Cup organisieren“, freut sich der Moosburger noch heute. Schnell entstand seinerzeit aus einer Idee ein fixes Turnier. 1975 gab es die ersten Spiele, 1976 die ersten Finals. Bei der A-Jugend holte sich der TSV Au den Titel, bei den B-Jugendlichen der SC Freising und bei den C- und D-Junioren die ruhmreiche SpVgg Moosburg. In den Hochzeiten des Cups meldeten 173 Teams, heute sind es im Schnitt noch 125.
„Das erfüllt einen mit Stolz. Ich hätte nie damit gerechnet, dass das eine solche Erfolgsgeschichte wird“, sagt Hany. Und er fügt an: „Wir mussten uns schon reinhängen, damit wir so etwas erreichen konnten.“ Etwa, dass Hany und seine Mitstreiter, insbesondere der bereits verstorbene Jugendspielleiter Josef Schmid, mit der Sparkasse einen soliden Partner bekamen. „Das ist nicht selbstverständlich“, dankt Hany den Verantwortlichen in Freising und Moosburg von damals und heute, etwa Herbert Gebhardt, Peter Reisch, Kastulus Hagl, Fritz Hecht, Johann Kirsch und dem aktuellen Chef der Sparkasse Freising Moosburg, Michael Langauer. Waren es am Anfang noch gut 500 D-Mark, die ins Sponsoring flossen, so hat sich der Betrag mittlerweile um ein Vielfaches erhöht. Andere Banken fragten irgendwann sogar an und wollten auch so ein Turnier, doch Hany und seine Mitstreiter blieben der Sparkasse treu.

„Für die Jugendlichen ist der Cup das jährliche Highlight“, zeigt Hany auf. „Der kommt noch vor der Meisterschaft im Spielbetrieb.“ Für viele ist es immer noch das Nonplusultra, das Double zu holen – und bei den E-Junioren sogar das mögliche Triple aus Meisterschaft, Sparkassen-Cup und dem Merkur CUP-Kreisfinalsieg. Außerdem, erzählt Stefan Hany, habe man viele schöne Abschlussfeiern gehabt. In den 1990er Jahren sogar mit Freisings Fußball-Weltmeister Hansi Pflügler als Stargast. Auch Ex-Schiedsrichter Wolfgang Stark war mal da, ebenso zwei BFV-Präsidenten.

In Erinnerung geblieben sind Hany aber auch die Endspiele – vor allem dann, wenn sich der Underdog gegen den glasklaren Favoriten durchsetzen konnte. Wie etwa 1990, als alle damit rechneten, dass die C-Junioren von Eintracht Freising gewinnen würden, dann jedoch die Jungs von der FVgg Gammelsdorf, Hanys Heimatclub, mit 4:1 die Oberhand behielten. Da leuchten die Augen des 93-Jährigen noch heute, wenn er daran denkt.
Aber auch kleinere Skandale konnten dem Sparkassen-Cup nichts anhaben. So 1978, als die C-Junioren der SpVgg Moosburg zum dritten Mal in Folge triumphiert hatten – und das mit Schaumwein im Siegerpokal feierten. Ein Vater schlich sich zur Siegerehrung, schenkte großzügig ein, wurde bei den Minderjährigen allerdings blöderweise von einem Fotografen erwischt. „Was willst da machen“, schmunzelt Hany noch heute. Die Geschichte ging damals durch die Presse. Geblieben sind aber die schönen Erinnerungen, an eine Jubiläumsfeier zum 25-jährigen Bestehen im Lerchenfelder Pfarrheim etwa. „Da hat die Sparkasse ein Buffet hingestellt, das kannst du dir nicht vorstellen.“

Wie sehr der 93-Jährige, Freisings „Mister Sparkassen-Cup“, sein Turnier immer geliebt hat, sieht man an seiner Sammlung. Jeden Zeitungsartikel hat Hany aufgehoben, bis heute, hat über alles akribisch Buch geführt, jedes Endspiel und dessen Ergebnis notiert. 546 an der Zahl waren es bis 2024. 91 Mal hat der SE Freising gewonnen und führt damit die ewige Bestenliste an, gefolgt vom TSV Eching mit nun bereits 48 Siegen und dem FC Neufahrn mit 19 Erfolgen. Die Fotos, viele in Schwarz-Weiß und teilweise schon vergilbt, zeigen glückliche Kinder und Jugendliche, die stolz Pokale und Medaillen in die Kamera halten, mal mit Funktionären, mal mit der amtierenden Hopfenkönigin.
Ganz zum Schluss blättert Stefan Hany noch einmal in seinen Aufzeichnungen, die er längst wegwerfen wollte und doch behalten hat. Ein dicker Leitz-Ordner ist zusammengekommen, er kann und will sich nicht davon trennen. Und dann wird er beinahe sentimental. „Mir ist der Cup einfach am Herzen gelegen.“ Matthias Spanrad