
Das Gastspiel in Thüringen entwickelte sich für den SV Babelsberg 03 zu einer emotionalen Zerreißprobe. Vor 5386 Zuschauern in der Regionalliga Nordost trafen die Filmstädter auf einen hocheffektiven FC Rot-Weiß Erfurt, der die Partie am Ende mit 4:2 für sich entschied. Dabei spiegelt das Ergebnis nur bedingt den Spielverlauf wider, denn über weite Strecken agierten die Gäste mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar spielbestimmend. Ein folgenschwerer Platzverweis kurz nach der Halbzeitpause sowie die individuelle Klasse der Erfurter Angreifer sorgten schließlich dafür, dass die Mannschaft von Trainer Johannes Lau trotz einer engagierten Leistung ohne Punkte die Heimreise antreten musste.
Babelsberger Überlegenheit im Erfurter Hexenkessel
Vom Anpfiff weg zeigten die Babelsberger, dass sie sich in Erfurt keineswegs verstecken wollten. Die Anfangsphase gehörte klar den Gästen, die das Geschehen auf dem Rasen kontrollierten und durch Nino Lessel bereits in der 4. Minute den ersten Warnschuss aus der Distanz abgaben. Während der FC Rot-Weiß Erfurt noch versuchte, sich zu sortieren, wirkten die Nulldreier aktiver und ballsicherer. Die taktische Marschroute von Johannes Lau schien aufzugehen, da die Räume geschickt besetzt wurden und das Team immer wieder Nadelstiche in der Offensive setzte. Dennoch sollte der erste Rückschlag nicht lange auf sich warten lassen.
Effizienz gegen Spielkontrolle: Der frühe Rückstand
In der 8. Minute brachte Nino Lessel den Erfurter Marco Wolf an der Strafraumgrenze zu Fall, was eine gefährliche Freistoßposition zur Folge hatte. Benjika Caciel tippte den Ball kurz an, und Marco Wolf bewies sein „feines Füßchen“. Da Torhüter Maximus Babke spekulierte und einen Schritt in die Mitte machte, schlug der Ball halbhoch im Torwarteck zum 1:0 ein. Trotz dieses frühen Dämpfers blieben die Babelsberger die spielbestimmende Mannschaft. Kurze Zeit später musste Erfurt verletzungsbedingt wechseln, als Stanislav Fehler für den unter Schmerzen ausscheidenden Pablo Santana Soares in die Partie kam. Babelsberg drängte weiter und kam durch einen Kopfball von Gordon Büch in der 14. Minute zu einer weiteren Gelegenheit, die jedoch über den Kasten ging.
Der verdiente Lohn durch Tobias Hasse
Die Drangphase der Gäste hielt an. In der 31. Minute reklamierte der Anhang der Babelsberger bereits auf Tor, als Tobias Hasse eine Flanke von links direkt auf das kurze Eck zog, doch der Erfurter Schlussmann Rodtnick konnte die Kugel gerade noch zwischen Körper und Pfosten einklemmen. Nach einer strittigen Szene im Strafraum in der 40. Minute, bei der die Pfeife des Unparteiischen stumm blieb, folgte vier Minuten vor der Pause endlich der verdiente Ausgleich. Nach einer Kopfballvorlage von Gordon Büch auf den zweiten Pfosten stand Tobias Hasse goldrichtig und schob aus kurzer Distanz zum 1:1 ein. Es war die Belohnung für eine erste Halbzeit, in der die Filmstädter laut Spielbeobachtung tonangebend waren und durch George Didoss in der Nachspielzeit sogar fast noch die Führung erzielten.
Die schicksalhafte 54. Minute: Rot für Kenny Weyh
Zur zweiten Halbzeit brachte Johannes Lau mit Kenny Weyh eine frische Kraft für Jannis Lang. Doch der Arbeitstag des Einwechselspielers sollte nur von kurzer Dauer sein. In der 54. Minute stieg Kenny Weyh dem Erfurter Marco Wolf von hinten in den Knöchel. Nach einer kurzen Verzögerung zückte der Schiedsrichter die Rote Karte – eine Entscheidung, welche die Statik des Spiels grundlegend veränderte. Nur eine Minute später nutzte der FC Rot-Weiß Erfurt die Verwirrung in der Babelsberger Hintermannschaft gnadenlos aus. Nach einer Flanke von Stanislav Fehler traf der Erfurter Til Linus Schwarz per Kopf zum 2:1. Das Momentum war nun endgültig auf die Seite der Hausherren gekippt, die ihre numerische Überlegenheit geschickt ausspielten.
Erfurter Doppelschlag und das Aufbäumen in Unterzahl
In Unterzahl versuchten die Babelsberger, den Anschluss zu halten, doch die Räume für die Thüringer wurden größer. In der 66. Minute scheiterte zunächst Benjika Caciel an einer starken Parade von Maximus Babke, doch in der zweiten Welle der Angriffe war dieser machtlos. Nach einer Flanke von links köpfte Raphael Assibey-Mensah zentral zum 3:1 ein. Johannes Lau reagierte mit einem Doppelwechsel und brachte Linus Queißer sowie Tino Schmidt für Maurice Covic und Theo Ogbidi. Trotz des Zwei-Tore-Rückstands gab sich der Verein nicht geschlagen. George Didoss hatte in der 70. Minute den Anschlusstreffer auf dem Fuß, scheiterte jedoch im Eins-gegen-Eins am glänzend reagierenden Rodtnick, der den Ball um den Pfosten lenkte.
Späte Hoffnung durch Gian Luca Schulz
Die Schlussphase blieb hochdramatisch. Während Marco Wolf in der 77. Minute mit einem Schuss an einer Glanzparade von Maximus Babke scheiterte, zog auf der anderen Seite George Didoss ab, fand aber erneut seinen Meister im fliegenden Rodtnick. In der 76. Minute kamen bei den Gästen Gian Luca Schulz und Marko Perovic für Paul-Roman Wegener und Luis Müller ins Spiel. Dieser Wechsel zahlte sich sofort aus: In der 81. Minute markierte Gian Luca Schulz mit einem Schuss aus elf Metern in das rechte Eck das 3:2. Es war ein Funke Hoffnung für die mitgereisten Anhänger, dass in Unterzahl doch noch ein Punktgewinn möglich wäre.
Der Konter als endgültiger Wirkungstreffer
Die Hoffnung auf ein spätes Comeback wurde jedoch nur drei Minuten später jäh zerstört. Während die Babelsberger alles nach vorne warfen, konterte der FC Rot-Weiß Erfurt im eigenen Stadion. Von der Mittellinie aus startete Obed Chidindu Ugondu ein beeindruckendes Solo, schüttelte seinen Bewacher ab, umkurvte den herauseilenden Torhüter Maximus Babke und schob den Ball in das leere Tor ein. Für den Stürmer war es bereits der 13. Saisontreffer. In den letzten Minuten der Nachspielzeit versuchte Erfurt sogar noch das fünfte Tor nachzulegen, doch Maximus Babke verhinderte gegen Lucas Falcao Schlimmeres. So blieb es am Ende bei einer 2:4-Niederlage, bei der sich die Filmstädter zwar nach Kräften wehrten, aber an der eigenen Unterzahl und der Erfurter Abgeklärtheit scheiterten.
Blick auf die Tabelle und die kommenden Aufgaben
Nach diesem 29. Spieltag belegt der SV Babelsberg 03 mit 32 Punkten den zwölften Tabellenplatz und liegt damit punktgleich mit dem BFC Dynamo und dem ZFC Meuselwitz. Für die Mannschaft von Johannes Lau gilt es nun, die positiven spielerischen Aspekte aus der ersten Hälfte mitzunehmen und am kommenden Freitag, 17.04.2026, im Heimspiel gegen den FSV 63 Luckenwalde dreifach zu punkten.