
Kurz vor dem letzten Heimspiel veröffentlichte Florian Kamp auf Instagram ein Bild mit dem Titel „2012 vs. 2025“, das ihn einmal als jungen Spieler und einmal in der Gegenwart zeigt. Dieses Posting weckte Neugier darauf, was in den 13 Jahren dazwischen passiert ist. Am 30.11.2025 wurde Florian Kamp dann im letzten Heimspiel der Saison offiziell von der ersten Mannschaft des SV Eintracht Nordhorn verabschiedet. In der 82. Minute eingewechselt, bekam er noch einmal die Möglichkeit, sich im Eintracht-Trikot vor den eigenen Fans zu zeigen. Wir haben mit Florian über seinen Weg, seine Erinnerungen und über die Entwicklungen gesprochen, die zwischen diesen beiden Bildern liegen.
FuPa: Was hat dich dazu bewegt, die Bilder von 2012 und 2025 gegenüberzustellen und zu teilen?
Florian: Es gab keinen wirklichen Grund. Es passte einfach. Ich wusste, dass mein Weg zu Ende geht und als mir das Bild von 2012 auf Facebook angezeigt wurde, habe ich ein aktuelles rausgesucht. Eine Veränderung war eindeutig zu erkennen.
FuPa: Was würdest du dem Florian aus dem Jahr 2012 heute raten, sportlich und persönlich?
Florian: Ich kann sagen, dass ich vieles mitgemacht habe. Den Großteil meiner Laufbahn habe ich in der Landesliga verbracht und so auch viele Plätze und Vereine aus anderen Regionen kennenlernen dürfen. Damit auch eine Menge an Persönlichkeiten, die mich auf verschiedene Weise weitergebracht haben, menschlich sowie sportlich. Trotz allem würde ich dem Florian aus 2012 raten, einfach mehr auf sein Herz zu hören und nicht bei jeder Unzufriedenheit alles in Frage zu stellen. Rein sportlich kann ich sagen, habe ich in vielen Vereinen spielen dürfen und mich auch überall als Stammspieler durchsetzen können. Man kann nicht immer nur alles negativ reden.
FuPa: Wenn du dich heute mit der Version von damals vergleichst: Was hat sich an deiner Spielweise am meisten verändert?
Florian: Schwere Frage. Ich würde sagen, im Laufe der Jahre wurde ich am Ball immer ruhiger, mein Spielaufbau wurde stetig besser und meine Kopfballstärke, defensiv und offensiv, ist schon eine große Stärke von mir geworden. Dies habe ich definitiv meinen Trainern zu verdanken. Vor allem, was ich nie für möglich gehalten habe, hat mich mein letzter Trainer, Chris Hemlein, nochmal eine, wenn nicht sogar zwei Stufen höher bringen können. Und das mit 33 Jahren.
FuPa: Du hast im Laufe deiner Karriere mehrere Vereinswechsel erlebt. Was waren die Hauptgründe dafür?
Florian: Wie zuvor schon gesagt, waren es meistens kleine Unzufriedenheiten, die mich dazu gebracht haben. Natürlich spielte Geld da auch immer eine Rolle. Das würde ich heute definitiv anders machen.
FuPa: Welcher Wechsel war rückblickend die wichtigste Entscheidung, die du getroffen hast?
Florian: Die wichtigste Entscheidung war es, zu meinem Verein SV Eintracht zurückzukehren. Bereuen würde ich aber definitiv keinen Verein oder keine Entscheidung. Seien es Holthausen Biene, FC Schüttorf 09, SV Burgsteinfurt oder auch SV Union Lohne - allesamt zu meiner Zeit in der Landesliga beheimatet. Alles top Vereine.
FuPa: Was war für dich die schönste Phase deiner bisherigen Fußballzeit und warum?
Florian: Geprägt hat mich die Zeit, wo ich aus der A-Jugend in die Herrenmannschaft beim SV Eintracht in die Oberliga hochgezogen wurde. Diese Zeit ist mit heute nicht mehr vergleichbar. Dort durfte ich eine Menge lernen. Am Ende waren es nicht viele Oberligaspiele, aber die Intensität im Training war schon ein anderes Level.
FuPa: Gab es einen Trainer, der deinen Weg besonders geprägt oder verändert hat?
Florian: Ich würde auf Anhieb erstmal sagen, nein. Ich hatte einige gute Trainer. Vom Fußballlehrer bis hin zum B-Lizenz-Inhaber. Jeder konnte meinen Spielstil verändern oder verbessern.
FuPa: Gibt es einen Gegenspieler, gegen den du besonders ungern gespielt hast und warum gerade der?
Florian: Nein, da fällt mir so keiner ein.

FuPa: Was war das emotionalste Spiel oder Erlebnis deiner bisherigen Laufbahn?
Florian: Ich hatte viele Spiele, die natürlich emotional waren. Ich muss sagen, das Bezirkspokalfinale 2025 gegen den SV Bevern war schon sehr bitter für uns und daher auch emotional, da man diese Möglichkeit nicht so oft hat. Positiv kann ich definitiv den Bezirksliga Aufstieg 2025 mit dem SV Eintracht hervorheben. Gerade, da wir zum Winter hin mit 13 Punkten Rückstand auf den Tabellenführer eigentlich abgeschrieben waren und uns am letzten Spieltag mit einer perfekten Rückrunde krönen konnten. Dazu hatte ich die Ehre, zweimal in einer Grafschafter Auswahl spielen zu dürfen, gegen Hannover 96 oder auch den FC Schalke 04 vor über 6000 Zuschauern. Und nicht zu vergessen das Spielen gegen den FC St. Pauli etc.
FuPa: Welche Bedeutung hatte es für dich, beim Best-of-Grafschaft-Spiel gegen den FC Schalke 04 im ausverkauften Stadion aufzulaufen und Teil dieses besonderen Ereignisses zu sein?
Florian: Es war einfach alles perfekt. Von der Organisation von Nico Weusmann bis hin zur Einstellung von Emil ten Donkelaar. Dazu waren, meine ich, 13 Vereine in einem Team vereint und es fühlte sich trotzdem wie ein TEAM an. Der Rest wird immer in Erinnerung bleiben.

FuPa: Welche Szene, Begegnung oder Stimmung aus diesem Spiel ist dir bis heute besonders im Gedächtnis geblieben und warum gerade diese?
Florian: Das Tor von uns natürlich, aber auch mein Kopfball gegen die Latte. Es wäre für mich persönlich einfach ein krönender Abschluss gewesen.
FuPa: Wie schwer ist es, Fußball, Privatleben und Job unter einen Hut zu bekommen?
Florian: Das ist auf diesem Niveau nicht einfach. Gerade da ich meine Kinder jedes zweite Wochenende habe. Für ein Landesliga Auswärtsspiel ist der Sonntag komplett gelaufen. Ohne meine Freundin hätte dieses alles nicht funktioniert. Durch meinen neuen Job ab dem 02.01.2026 in der Justiz ist dies aber nicht mehr möglich.
FuPa: Inwiefern hat deine Familie dich bei deinen Entscheidungen unterstützt oder begleitet?
Florian: Diese Themen wurden immer zusammen besprochen. Am Ende habe ich aber die Entscheidung getroffen und für richtig gehalten.
FuPa: Heute spielst du erfahrener, abgeklärter - was würdest du sagen, ist deine größte Stärke im Jahr 2025?
Florian: Meine Kommunikation auf und neben dem Platz aber auch meine Kopfballstärke, die von meinen Trainern immer als Waffe gelten.
FuPa: Gibt es etwas im Fußball, das du heute nicht mehr so machen würdest wie früher?
Florian: Ich treffe die Entscheidungen heute ruhiger und höre mehr auf mein Herz.
FuPa: Wenn du an die nächsten Jahre denkst: Welche Rolle soll der Fußball weiterhin in deinem Leben spielen?
Florian: Ab der Rückrunde werde ich der 2. Mannschaft helfen. Da wollen wir in die Kreisliga zurückkehren. Was danach passiert hängt viel von meiner beruflichen Situation ab. Ob ich am Ende ein Trainertyp bin oder nur in der Alte Herren spielen werde, kann ich bis dato nicht sagen.
FuPa: Was möchtest du am Ende deiner Fußballlaufbahn über deinen Weg sagen können?
Florian: Dass ich immer ich selbst geblieben bin und für jeden Verein, jeden Trainer immer einhundert Prozent gegeben habe.
FuPa: Danke, Florian, für deine offenen Worte und das Gespräch. Wir wünschen dir sportlich, beruflich und privat alles Gute und vielleicht sehen wir uns mal wieder.


Drei Tage, drei Trainer, ein Gefühl - die FuPa-Vorschau für KW 4
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