
Christian Werner lässt im Trainingslager aufhorchen: Laut des 1860-Boss sind die eigenen Talente jetzt besser als Ott, Reich und Co.
München – Es ist eine Zahl, die aufhorchen lässt: 28,22. So hoch ist das Durchschnittsalter der Neuzugänge beim TSV 1860 München in diesem Sommer. „Jugend forscht“ sieht anders aus, die Talente Raphael Ott, Lukas Reich oder Tim Kloss haben alle den Club verlassen. Man muss kein Prophet sein, um zu wissen, dass viele klangvolle Namen wie Florian Niederlechner, Thomas Dähne oder Volland viel Spielzeit erhalten werden.
„Meiner Meinung nach besitzen unsere jungen Spieler dieses Jahr deutlich mehr Qualität als letzte Saison.“
Christian Werner, Geschäftsführer beim TSV 1860 München, über die Löwen-Talente.
Sind die Zeiten also vorbei, in denen junge Spieler aus dem Löwen-Nachwuchs ihre Chance bei den Profis erhalten haben und im Idealfall gewinnbringend verkauft wurden? Sport-Geschäftsführer Christian Werner schleudert dieser Frage im Trainingslager in Ulrichsberg ein klares „Nein“ entgegen.
Bis auf Innenverteidiger Sean Dulic tummeln sich im Kader der Sechzger nur Talente, die kaum oder noch gar keine Profi-Luft geschnuppert haben bislang. Dennoch sagt Werner entschlossen: „Jetzt haue ich einen raus: Meiner Meinung nach besitzen unsere jungen Spieler dieses Jahr deutlich mehr Qualität als letzte Saison.“ Eine klare Ansage, die auch in Köln (Ott, Kloss) und Fürth (Reich) vernommen werden wird.
Werner möchte keinen der jungen Spieler auf ein Podest heben, nennt aber auch explizit Namen: „Clemens Lippmann (18-jähriger Rechtsverteidiger) ist keinen Millimeter schlechter als Lukas Reich, den wir gerade für – viel Geld (500 000 Euro; Red.) nach Fürth verkauft haben.“ Auch den großgewachsenen zentralen Mittelfeldspieler Samuel Althaus lobte Werner: „Ich habe wenige Spieler in diesem Alter gesehen, die schon so weit sind. Wenn seine Entwicklung so weiter geht, wird das ein Bundesligaspieler.“
Kein Wunder also, dass Althaus & Co. jüngst ihre Verträge verlängerten: „Ich habe gesagt: Leute, bevor ihr hier ins Training einsteigt, müsst ihr einen mittelfristigen Vertrag unterschreiben, ohne Ausstiegsklausel“, führt Werner aus. Entweder geht es mit den Löwen nach oben – oder 1860 macht seine Talente zu Geld. Eine unverzichtbare Einnahmequelle für den Geschäftsführer: „Wir müssen junge Spieler auch mal für Geld abgeben. Zuletzt haben wir Lukas Reich verkauft und jetzt für Haugen eine kleine Ablöse gezahlt.“
Angst um zu seltene Belohnungen in Form von Kaderplätzen müssen Althaus, Lippmann auf jeden Fall nicht haben – dafür sorgt der DFB. Die Regel des Verbands besagt, dass im Aufgebot mindestens vier Akteure im U23-Alter stehen müssen. Das jüngste Beispiel Reich dient auch als Mutmacher für die Youngster. Bei 1860 kann es ganz schnell in die Zweite Liga gehen – mit oder ohne die Löwen.