
Erneut gelingt dem TSV 1860 ein Last-Minute-Treffer. Durch den Sieg springen die Löwen auf Platz zwei der 3. Liga. Die Stimmen der Spieler zum Spiel.
München – Auf der Tribüne wurde geflucht, gehadert und gezittert. 2:0 komfortabel zur Pause in Führung und jetzt plötzlich 2:2. Gegen den Tabellenletzten, gegen den Aufsteiger aus Havelse. Starke erste Halbzeit gespielt, doch anstatt daran anzuknöpfen, machen die Löwen den gefühlt bereits geschlagenen Gegner stark. Ein solches Spiel muss der TSV 1860 doch gewinnen, um ein Wörtchen um den Aufstieg mitzureden.
Im Kopf sahen die Löwen-Fans bereits die Schlagzeilen: „1860 vergeigt sicher geglaubten Heimsieg“, „Die Löwen patzen im Kampf um die Aufstiegsplätze“. Doch dann kam die 96. Minute. Doch dann kam ein allerletzter Angriff der Löwen. Dann kam Patrick Hobsch und löste alle Sorgen in Luft auf. In Unterzahl. Und in Giesing brechen alle Dämme, das Stadion eskaliert.
Der TSV 1860 kommt im Spiel gegen den TSV Havelse mit einem blauen Auge davon. Der dritte Sieg im fünften Spiel katapultiert die Weiß-Blauen auf Tabellenplatz zwei der 3. Liga. Einzig der MSV Duisburg – mit fabelhaften 15 Punkten aus fünf Spielen – thront vor den Münchnern. Entsprechend gelöst waren die Spieler nach dem Abpfiff. Die Spielerstimmen zum Last-Minute-Sieg:
Patrick Hobsch, Siegtorschütze zum 3:2: „Unglaublich, was heute los war – das Stadion ist explodiert. Das erlösende 3:2 zu machen und hier drei Punkte mitzunehmen war ein mega Gefühl, wir sind alle überglücklich, dass es am Ende noch geklappt hat. Wenn wir das Spiel heute aus der Hand gegeben hätten, hätte das extrem wehgetan. So nehmen wir in Unterzahl noch drei Punkte mit, was einfach von der krassen Mentalität und dem Glauben der Mannschaft zeugt, dass wir jederzeit noch ein Tor schießen können, auch mit einem Mann weniger. Der Angriff zum 3:2 war kein Zufallsprodukt, sondern ein top ausgespielter Angriff, den ich am Ende nur noch reinschieben musste – und davor haben wir sogar noch einen Lattentreffer von Marvin (Rittmüller, Anm.d.Red.). Den Flow nehmen wir gerne mit in die englische Woche und hoffen, dass wir am Mittwoch weitermachen können.“
Thomas Dähne, Torwart des TSV 1860 München: „Wir haben die erste Halbzeit richtig gut gespielt und hätten eigentlich höher führen müssen. Nach der Halbzeit haben wir das Spiel komplett aus der Hand gegeben, keine Entlastung mehr – es fühlte sich an, als hätten wir die Fußballschuhe verkehrt herum angezogen. Das war zwischenzeitlich einfach nicht gut. In Unterzahl so spät noch das 3:2 zu machen, zeigt die Qualität, die wir haben und auch die Tiefe im Kader. Danach sind alle Dämme gebrochen. Das Spiel steht unter der Überschrift ‚nicht schön, aber effektiv‘. Am Ende zählt heute einfach nur, dass wir die drei Punkte geholt und weiter ungeschlagen sind.
Aber ja, insgesamt haben wir ein Problem, den Sack zuzumachen. Das war gegen Illertissen genauso: Man hat das Spiel im Griff, bekommt dann aber noch ein Gegentor. Heute wieder das gleiche – wir müssen einfach rigoroser sein und das Spiel entscheiden. Wenn wir das dritte oder vierte Tor machen, passiert gar nichts mehr. Aber Sechzig kann zurzeit wohl nur Spektakel. Es ist für mich im Tor schon manchmal zum Haareraufen.
Wir fahren jetzt nach Rostock und wollen dort unbedingt etwas mitnehmen – das ist unser Ziel und unsere Ambition. Klar, wir müssen das Spiel analysieren und es in Rostock besser machen, denn wenn wir dort so auftreten wie in der zweiten Halbzeit heute, kann es ganz bitter werden. Ich selbst fühle mich pudelwohl hier. Es macht mega Spaß, die Stimmung ist überragend, und das sieht man auch auf dem Platz.“
Siemen Voet, Abwehrspieler des TSV 1860: „Manchmal glaube ich, dass so ein spätes Tor das Beste im Fußball ist – für die Fans sind diese Emotionen in der letzten Minute einfach unglaublich. Das ist Leidenschaft, verrückt und einfach cool. In den ersten 20 bis 25 Minuten hatten wir riesige Chancen, danach war das Spiel okay, aber in der zweiten Halbzeit haben wir nicht unsere typische DNA gezeigt. Trotzdem kämpfen wir immer weiter. Die Rote Karte, die Gegentore – und dann das entscheidende Tor in der letzten Minute, das zeigt, wie wir uns entwickeln. Drei Punkte in letzter Sekunde geben uns nochmal mehr Selbstvertrauen für die kommenden Spiele.“