2026-05-15T09:36:57.455Z

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1:4 beim MSV Duisburg – SC St. Tönis schlägt sich achtbar

Der große Favorit ist seiner Rolle gerecht geworden. Der unterlegene Oberligist freut sich trotz der Niederlage über den DFB-Pokal – und einen Tag, der seinen festen Platz in der Vereinshistorie bekommen wird.

von Marvin Wibbeke · Heute, 12:30 Uhr · 0 Leser
Gute Laune in St. Tönis - trotz Pleite!
Gute Laune in St. Tönis - trotz Pleite! – Foto: Markus Verwimp

Als die Spieler des SC St. Tönis knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff des Niederrheinpokals beim MSV Duisburg den Rasen der noch leeren Arena betraten, schauten sie sich andächtig um. Für die meisten von ihnen war es das bislang größte Spiel ihrer Karriere. Am Ende wurde es ein 4:1 (2:0)-Sieg für den MSV Duisburg. Trotz der Niederlage durften aber auch die St. Töniser jubeln. Denn sie haben nicht nur einen Ehrentreffer erzielt, durch den vierten Platz des MSV in der 3. Liga steht auch der unterlegene Finalist in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals.

Die Rollen waren klar verteilt. Auf der einen Seite der Traditionsverein, der viele Jahre Bundesliga auf dem Buckel hat und den Durchmarsch durch die 3. Liga nur hauchzart verpasst hat. Auf der anderen Seite der Oberligist aus der Apfelstadt, der solche Stadien wie in Duisburg nur aus dem Fernsehen kennt. Und der Favorit machte von Beginn an klar, dass der Pokalgewinn nur über die Duisburger geht. Egal an welchem Fleck auf dem Platz: Die Spieler des SC St. Tönis hatten in keiner Situation Zeit, zu überlegen, was sie mit dem Ball machen wollten. Eine Sekunde gezögert, schon stand ein Spieler des MSV Duisburg parat, der den Ball abluchste.

Duisburg trifft früh

Und so schien die Partie bereits nach gut drei gespielten Minuten entschieden. Die Meidericher spielten sich über die rechte Angriffsseite nach vorne. Simon Symalla legte den Ball im Fünfmeterraum quer, wo der eingelaufene Patrick Sussek wenig Probleme hatte, den Ball über die Linie zu drücken (4.). Nach diesem frühen Nackenschlag mussten die St. Töniser Sorge haben, dass es sehr schnell sehr deutlich werden könnte. Doch der Oberligist hielt ordentlich dagegen, spielte im Rahmen seiner Möglichkeiten gut mit und ließ vor allem in den gefährlichen Räumen kaum noch etwas zu.

Nach gut 20 Minuten trauten sich die St. Töniser dann auch mal nach vorne. Morten Heffungs ließ einen Gegenspieler im Mittelfeld aussteigen und schoss aus der Distanz. Sein Versuch ging knapp über den Kasten von Maximilian Braune (26.). Wenige Minuten später jubelte der Favorit erneut. Zunächst gab es ungläubigen und teils hämischen Applaus, als der Unparteiische Jan Peter Weßels auf Strafstoß für den MSV entschieden hatte. Das gab es nämlich in der ganzen Saison in der 3. Liga nicht. Den Elfmeter, zuvor war Sussek gelegt worden, verwandelte Aljaz Casar sicher in die untere Ecke. SC-Keeper Tim Schrick hatte die Ecke zwar geahnt, war aber machtlos (34.).

Auch auf den Rängen ging das ungleiche Duell selbstredend an die Duisburger. Der Anhang des Sportclubs machte allerdings auch hin und wieder auf sich aufmerksam. Wenn die MSV-Fans mal eine kurze Schaffenspause einlegten, waren die St. Töniser zumindest im ersten Durchgang hin und wieder zu vernehmen.

Doppelschlag nach der Pause

Direkt nach dem Seitenwechsel sah es dann aber doch so aus, als sollte es ein standesgemäßes Ergebnis werden zwischen Drittligist und Oberligist. Per Kopf sorgte erneut Sussek für die 3:0-Führung (47.). Keine drei Minuten später jubelten die Duisburger erneut, Symalla stellte auf 4:0. Bei diesem Spielstand gönnte Zebra-Trainer Dietmar Hirsch auch dem einen oder anderen Ergänzungsspieler Einsatzzeit.

Nach dem schnellen Doppelschlag nahmen die Duisburger mehr als einen Gang raus, sodass der Oberligist auch wieder etwas mehr den Ball bekam. Eine große Chance auf den Ehrentreffer hatte Tyler Nkamanyi, der nach seinem Schuss auch den Abpraller bekam, diesen aber über das Tor setzte (76.).

Die Duisburger ließen das Spiel im Wissen des sicheren Sieges in der Schlussphase herunterlaufen und hielten viel den Ball in den eigenen Reihen. Die St. Töniser ihrerseits gaben sich auch trotz des 0:4-Rückstandes keineswegs auf und spielten mutig nach vorne, um zumindest einen Treffer erzielen zu können. Und er fiel noch. Luis Angel Montenegro setzte im Strafraum des MSV nach und drückte den Ball über die Linie (88.). Und der Anhang des Oberligisten jubelte, als hätte man das Spiel gewonnen.