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„100-Prozent-Maxi“ bringt Garmisch-Partenkirchen die Hoffnung zurück

Wichtiges Remis vor Kellerduell

von Andreas Mayr · 18.11.2025, 08:46 Uhr · 0 Leser
Bringt viel mit, vor allem aber Emotionen: Maximilian Heringer ist ein Leitwolf – laut und klar in jeder Aktion.
Bringt viel mit, vor allem aber Emotionen: Maximilian Heringer ist ein Leitwolf – laut und klar in jeder Aktion. – Foto: Andreas Mayr

Eine Bauchentscheidung sorgt dafür, dass der 1. FC mit Schwung in Abstiegsgipfel geht. Maxi Heringer schießt GAP gegen Haching II zu wichtigem Remis.

Es wäre vermessen, Maximilian Heringer als Lichtgestalt zu bezeichnen. Aber immerhin hat es der Oberhauser aus dem Ortsteil Maxlried geschafft, das Licht im Keller wieder anzuknipsen. Mit zwei späten Toren rettete der kickende Co-Trainer einen Punkt gegen Tabellenführer Unterhaching. Pünktlich zum Abstiegsgipfel bei Wacker München am Samstag hat der 1. FC Garmisch-Partenkirchen seine Überzeugung zurückerlangt. Dank eines Mannes, der vor vier Wochen noch nicht einmal im FC-Kosmos zugange war.

Im Sommer hatte der Verteidiger seine Laufbahn beendet. Firma, Sohn und Familie hatten den Fußball in der Prioritätenrangliste mit 31 Jahren überholt. Aber wer so verwurzelt in diesem Club ist, wer so viel Freud und Leid beim 1. FC erfahren hat, der bleibt emotional verbunden. Wie die Abwärtsspirale einsetzte, die Niederlagen höher, die Hoffnungen auf Rettung kleiner wurden, da klopfte Heringer ganz leise wieder an. Bald hatte er Arne Albl und Stefan Schwinghammer am Telefon. Gemeinsam beschlossen sie die Rückholaktion. Als Assistent, versteht sich. Aber Heringer wusste auch, dass sich seine Rolle vergrößern könnte. Deshalb hielt er sich fit. Seit drei Wochen – und seiner Ankunft als Trainer – trainiert er mit der Mannschaft.

Notlage bringt Heringer zum Comeback

Im Stillen entwarfen die beiden Coaches Szenarien. Was, wenn es doch mal einen Joker braucht? Gegen Grünwald, vorigen Mittwoch, hielt sich Heringer bereit. Die Partie kippte in Richtung TSV und die beiden Trainer vertagten ihren Plan. Samstagabend dann landete er wieder auf der Agenda. 0:1 lag der 1. FC hinten, als sich Heringer zum Aufwärmen aufmachte. Mit Nicolai Bierling und Lukas Ende hatten bereits zwei wichtige Leute angeschlagen den Platz verlassen. Gerade als Heringer seine Triebwerke hochfuhr, fiel das 0:2. Richtig aktiviert war er noch nicht, aber das war eine Notlage. „Scheiß drauf, jetzt probieren wir’s“, sagte er zu Kollege Schwinghammer. So erzählt er’s hinterher.

Zu diesem Zeitpunkt konnte niemand ahnen, dass der FC einen Mann einwechselt, der mit einem Schlag die zwei größten Mängel behebt. Gut, um seine Führungsstärke weiß jeder. Heringer ist ein Leitwolf – laut und klar in jeder Aktion. „Er bringt brutal viel mit, vor allem Emotionen. Das brauchen wir gerade. Auf dem Feld kriegst du 100 Prozent Maxi“, sagt Schwinghammer. So einen Anführer hat der 1. FC derzeit nicht im Aufgebot. Völlig neu hingegen sind seine Qualitäten als Torjäger. Unter Schwinghammers Vater Stefan senior, einem der ersten Gratulanten nach Spielende, hatte er mal im Angriff ausgeholfen. Weil sich die Anforderungen an Innenverteidiger und Stoßstürmer zum Teil decken: Bälle halten und verwalten, seinen Kopf bei Standards einsetzen – das kann der Mann. „Den kannst du wirklich überall hinstellen.“

„Wenn du mit der Moral und dem Ehrgeiz in München auftrittst, hast du gute Chancen.“

Maxi Heringer glaubt an seinen 1. FC im Kellerduell gegen Wacker München

Und Heringer wohnt der Instinkt inne, bei Flanken jeder Art Richtung Tor zu spurten. Eigentlich ja, um Bälle zu sichern. Aber wie sich gegen Haching zeigte, wirkt der Trieb auch in der Offensive. „Ich hab‘ vorher schon gesehen, dass der Torwart gerne mal eine Unsicherheit gehabt hat“, erklärt er. So fand er sich beim 1:2 plötzlich alleine vor dem leeren Tor wieder. Kurz danach setzte er zum Volleykracher an. „Ich hatte ein gutes Gefühl.“ Der Schuss ging drüber. Nicht so seine dritte Chance nach einem Standard. Im Rückraum kam er an den Ball, verzögerte, zog mit links ab, sein schwacher Fuß. „Ich hatte Angst, dass er zu mittig kommt.“ Doch das Getümmel vor ihm wirkte wie ein Schutzschild. „Wahnsinn“, hielt er hinterher fest. „Tut der Moral richtig gut“, lobt Schwinghammer. Innerhalb von zehn Minuten hat Heringer eine Mannschaft wieder aufgerichtet. „Wenn du mit der Moral und dem Ehrgeiz in München auftrittst, hast du gute Chancen“, weiß er. Wann er diesmal das Feld betritt, ist noch offen. Wahrscheinlich entscheiden sie wieder kurzfristig aus dem Bauch heraus.