
Einhörner sind keine Fabelwesen, wie viele glauben - aber sie sind schon lange ausgestorben, so ein allgemeiner Trugschluss. Denn in einer kleinen Enklave im Essener Hexbachtal hatten die Einhörner tatsächlich überlebt, bis zu einem schicksalhaften Tag im Jahr 1926.
Einhörner halten viele Menschen bis heute für Fabeltiere. Dabei ist wissenschaftlich längst erwiesen, dass es diese Tierart gab. Mit den edlen Fantasy-Wesen aus Filmen und der Spielwarenindustrie hatten sie allerdings eher wenig zu tun. Doch wann, wo und warum sind die Einhörner ausgestorben? Nach jüngeren Erkenntnissen der WDR-Zeitzeichen ist man sich sicher: Im 5. Jahrhundert nach Christus kamenn die ersten Einhörner als Lastentiere mit dem zentralasiatischen Reiterheer des Hunnenkönigs Attila nach Mitteleuropa. Die gutmütigen Tiere mit klobigem Körperbau, struppigem, graubraunem Fell und kurzem Hornknubbel verbreiteten sich vor allem in den dichten westfälischen Wäldern von den Quellen der Lippe, der Emscher und der Ruhr bis an den Rhein. Weil sie eher langsam, daher leicht zu jagen, aber besonders delikat sind, droht ihnen im späten Mittelalter die Ausrottung. Aber wie kamen die zotteligen Leckerbissen eigentlich nach Essen?
Die Fürstäbtissinnen des Essener Damenstiftes erbarmten sich der Tiere und sorgten dafür, dass sie jahrhundertelang gut versteckt in den Wäldern an den Ufern der Borbecke im Schlosspark überleben konnten. Gleichzeitig warteten die Äbtissinnen in ihrer Sommerresidenz Schloss Borbeck ihren Gästen bei den berühmten Grillfesten gerne mit einer seltenen, aber überregional bekannten Delikatesse auf, dem marinierten Span-Einhorn. Als die Rotte immer kleiner wurde und die letzte Fürstäbtissin Maria Kunigunde von Sachsen mit dem Beginn der reichsrechtlichen Säkularisation im Rahmen der preußischen Besetzung am 3. August 1802 Essen endgültig verlassen musste, siedelte sie die putzigen Einhörner in das Hexbachtal über, wo sie in den Auen und dichten Wäldern in Freiheit überleben konnten.
Am 1. April 1926 dann kam es nach einem Heimsieg der Fußballer der Jungliga-Mannschaft der DJK Adler Frintrop zu einem bedauerlichen Übergriff. Siegestrunken fingen die jungen Adler das vermutlich letzte Einhorn im Hexbachtal, filetierten es und legten es auf den Vereinsgrill. Damit und mit dem jungen Forschungsgebiet der "Unicornistik" setzte sich der Frintroper Bürger- und Verkehrsverein kritisch auseinander. Vorstandssprecher Rainer W. Seck: „Die historische Bedeutung wird uns tatsächlich erst einhundert Jahre nach der Tat bewusst. Wir haben mit dem Institut für Zellbiologie auf dem Campus der Universitätsklinik Duisburg-Essen einen Feldversuch gestartet. Das letzte Einhorn-Horn konnten wir im Nachlass einer der damaligen Kicker sicherstellen und damit könnte ja möglicherweise eine wissenschaftliche Sensation gelingen. Artverwandte Zwergesel und Nachkommen des Wollnashorns könnten nach Auskunft des Duisburger Zoos für eine Nachzucht der Einhörner genutzt werden. Ein langer wissenschaftlicher Weg, den wir aber gemeinsam gehen wollen und werden!“ Kurzfristig wird es aber bereits ein klares Zeichen geben.
Der geschichtsbewusste Mannschaftsrat des Oberligateams der DJK Adler Union Frintrop hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt. Co-Kapitän Elias Brechmann hat sich in seiner Masterarbeit mit dem soziologischen Thema: „Zukunft braucht Herkunft“ befasst und nach team-interner Abstimmung hat Kapitän Dr. Jonas Rübertus für den Fusionsverein einen neuen Namen vorgeschlagen: „DJK Unicorn Frintrop 1910/1926 e. V.“. Trainer Marcel Cornelissen: „Unser Verein ist ein ganz besonderer. Und dass die hungrigen Jungligakicker etwas essen mussten, Schwamm drüber. Aber wir dürfen die Einhörner tatsächlich nicht vergessen, auch wenn wir stets nach drei Punkten jagen!“ Und einig sind sich alle: In Unicorn steckt viel Union, aber auch viel Tier drin. Für die Fans ist ein dreisilbiger Verein auch besser an zu feuern: „U-ni-Corn“ heißt es also ab sofort unter dem Frintroper Wasserturm.
Historischer Rückenwind im Kampf um den Klassenverbleib! Und wenn es mit der Nachzucht klappen sollte, hat Vereinswirtin Steffi von der „Gastro am Wasserturm“ bereits angekündigt: „Es kommt sicher auf die Speisekarte: Mariniertes Span-Einhorn!“ Schließlich hat die Leiterin der Essener Domschatzkammer, Andrea Wegener, schon zugesagt: „Das Rezept werden wir in den alten Handschriften des Essener Frauenstiftes ganz sicher finden!“