
Nach dem bitteren Rückschlag gegen den FC 08 Villingen zeigt sich der 1. Göppinger SV im Regionalliga-Spiel beim FC Gießen mental gefestigt, gleicht spät durch Mohamed Baroudi aus und sichert sich einen enorm wichtigen Punkt im Abstiegskampf. Damit hat die Mannschaft eine Reaktion gezeigt.
Die Ausgangslage war klar: Nach drei Niederlagen in Serie musste der 1. Göppinger SV dringend punkten, um im engen Tabellenkeller der Regionalliga Südwest nicht weiter an Boden zu verlieren. Beim direkten Konkurrenten FC Gießen holte sich das Team von Trainer Gianni Coveli in einer packenden und hitzigen Partie ein 1:1-Unentschieden – ein Ergebnis, das sich moralisch wie ein Sieg anfühlt.
Bereits vor dem Spiel zeigte sich, wie ernst der Verein die Aufgabe nahm. Dank der Unterstützung engagierter Gönner reiste das Team am Freitag an und übernachtete in Gießen, um bestmöglich vorbereitet in die Partie zu gehen.
Trainer Gianni Coveli stellte im 4-3-3-System auf. Mit Matthias Layer im Tor sowie Seedy Jarju, Adrian Freiwald, David Trivunic und Oguzhan Kececi rückten mehrere Spieler neu in die Startformation. Bei sommerlichen Temperaturen tasteten sich beide Teams zunächst ab. Der GSV versuchte, auf dem holprigen Geläuf guten Fußball zu spielen, während Gießen zunehmend mit langen Bällen und Flanken agierte.
Nach 15 Minuten kam der Gastgeber besser ins Spiel und hatte durch Wessam Abdel-Ghani per Kopf die erste Großchance – die Latte rettete für Göppingen. Auch ein Schuss von David Siebert wurde von Matthias Layer stark zur Ecke pariert. Kurz vor der Pause war es dann David Siebert, der im Strafraum zum Abschluss kam und ins lange Eck zum 1:0 traf. Layer war noch mit den Fingerspitzen dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern.
„Der Treffer vor der Pause war ärgerlich, die erste Halbzeit geht klar an Gießen“, analysierte Gianni Coveli später. Doch der GSV gab sich nicht auf, blieb im Spiel und kam nach dem Seitenwechsel gestärkt zurück. Gießen hatte in der Anfangsphase der zweiten Halbzeit mehrere Hochkaräter, traf erneut das Aluminium und ließ beste Chancen liegen – auch weil Matthias Layer stark parierte.
Ein Dreifachwechsel in der 67. Minute brachte frischen Wind: Mohamed Baroudi, Maximilian Ziesche und Denis Lübke kamen ins Spiel. Später folgten Berk Yalman und Tyron Profis. Der GSV drückte, zeigte Moral und dominierte die Schlussphase. Die größte Gelegenheit vergab Adrian Freiwald, der freistehend übers Tor schoss. „Wir wussten, dass wir etwas mitnehmen. Es war verdammt schwer reinzukommen. Aber dieser Punkt ist unglaublich wichtig für die Moral“, betonte GSV-Spieler Mohamed Baroudi.
In der 88. Minute dann die Erlösung: Nach einem überragenden Tiefenpass von Kevin Dicklhuber tauchte Mohamed Baroudi frei vor dem Gießener Tor auf und verwandelte eiskalt zum 1:1-Ausgleich. Gießen hatte in der Nachspielzeit noch zwei Gelegenheiten, erneut in Führung zu gehen, scheiterte jedoch.
Trainer Gianni Coveli war trotz des Rückstands und der schwächeren ersten Hälfte zufrieden mit der Reaktion seines Teams: „Vielleicht fühlt sich dieser Punkt im Moment nicht genug an. Aber es war unfassbar wichtig, diesen Punkt mitzunehmen.“ Er lobte die Einstellung: „Dass wir bis zum Schluss daran geglaubt haben, war sensationell. Heute hatten wir auch das Quäntchen Glück, das uns zuletzt gefehlt hat.“
„Wir haben nach dem Erlebnis vergangene Woche heute einen Punkt erzwungen. Hut ab vor der Mannschaft, dass sie nach dem Nackenschlag gegen Villingen und dem Rückstand heute nie aufgehört hat, an sich zu glauben“, so Coveli weiter. „Wir werden bis zum letzten Tag weiter daran glauben und unseren Traum erfüllen.“
Auch Gießens Trainer Michael Fink musste eingestehen: „Wir haben es nicht geschafft, unsere klaren Möglichkeiten zu verwerten. Das ist enttäuschend.“ Dennoch stellte er klar: „Aufgeben ist keine Option, wir kämpfen weiter.“
Der 1. Göppinger SV beendet damit seine Negativserie, steht nun bei 31 Punkten und auf Rang 15. „Dieser Punktgewinn war ein mentaler Kraftakt der Mannschaft. Wir leben noch und haben uns das Glück heute hart erarbeitet“, fasste Torwarttrainer Florian Mack zusammen.
Der GSV hat nun fünf weitere Endspiele vor sich. Mack abschließend: „Wir müssen unser Ziel einzig und allein selbst erreichen. Wir freuen uns auf die kommenden Wochen und werden alles investieren, um in der Liga zu bleiben.“