
Es war ein Abend, der alles bot, was den Fußball in der Oberliga Baden-Württemberg so unvergleichlich macht: Intensität, strittige Szenen und ein Spannungsbogen, der erst tief in der Nachspielzeit sein bitteres Ende fand. Am 21. Spieltag empfing der 1. Göppinger SV heute den 1. FC Normannia Gmünd zum prestigeträchtigen Derby. Es entwickelte sich vor 1050 Zuschauern eine Partie, die von der ersten Sekunde an hielt, was sie versprach. Trotz einer über weite Strecken beeindruckenden Mentalität und einer Führung in Unterzahl musste sich die Mannschaft von Trainer Gianni Coveli am Ende mit einem 1:1-Unentschieden begnügen. Ein Punkt, der sich für die Hausherren aufgrund des Zeitpunkts des Ausgleichs wie eine Niederlage anfühlt.
Ein Derby voller Leidenschaft und Intensität
Das Duell begann exakt so, wie man es von einem Derby unter Flutlicht erwartet hatte. Beide Mannschaften schenkten sich keinen Zentimeter Boden, jeder Zweikampf wurde mit höchster Entschlossenheit geführt. Co-Trainer Pavlos Osipidis beschrieb die Anfangsphase treffend: „Ein wie zu erwarten sehr kampfbetontes Spiel mit vielen Zweikämpfen. Sehr robust, sehr laufstark.“
Göppinger Chancenplus im ersten Durchgang
Obwohl die Partie von der Physis geprägt war, erarbeiteten sich die Hausherren spielerische Vorteile. Die Göppinger Offensive kombinierte sich immer wieder gefährlich vor das Gehäuse von Yannick Ellermann. „Wir haben in der ersten Halbzeit zwei, drei gute Möglichkeiten gehabt, wo wir in Führung hätten gehen können“, konstatierte Pavlos Osipidis nach dem Spiel. Es fehlte jedoch das letzte Quäntchen Glück oder die letzte Präzision im Abschluss, um die Überlegenheit in Tore umzumünzen. So ging es mit einem torlosen Remis in die Kabinen. „Wir gehen mit dem 0:0 in die Halbzeit“, so das Fazit des Co-Trainers zur Pause.
Der Schock nach dem Seitenwechsel
Kaum waren die Spieler zurück auf dem Rasen, folgte eine Szene, die den gesamten Spielverlauf auf den Kopf stellen sollte. In der 46. Minute, unmittelbar nach dem Wiederanpfiff, sah Denis Lübke die Gelb-Rote Karte. Eine Entscheidung, die im Göppinger Lager auf großes Unverständnis stieß. Osipidis fand deutliche Worte für diesen Moment: „Wir kriegen direkt nach der Halbzeit eine etwas fragwürdige gelb-rote Karte, die uns natürlich nicht so in die Karten gespielt hat.“ Plötzlich sah sich der 1. Göppinger SV gezwungen, fast die gesamte zweite Hälfte in numerischer Unterlegenheit zu bestreiten. Die taktische Marschroute musste sofort angepasst werden, um gegen die nun drückenden Gmünder zu bestehen.
Führung trotz personeller Schwächung
Was dann folgte, war ein Beweis für die außergewöhnliche Moral, die in der Mannschaft von Gianni Coveli steckt. Anstatt sich einzuigeln, suchte Göppingen weiter den Weg nach vorne. In der 52. Minute wurde dieser Mut belohnt: Nach einem Foul im Strafraum der Normannia entschied der Schiedsrichter auf Elfmeter. Filip Milisic trat an und verwandelte den Ball eiskalt zum 1:0. Es war sein 6. Saisontor. „Wir müssen danach sehr kompakt verteidigen, sehr leidenschaftlich. Wir kommen dann durch den Elfmeter 1:0 in Führung und sind dann natürlich schwierig mit einem Mann weniger“, beschrieb Osipidis die Phase nach dem Führungstreffer, in der jeder Spieler über sich hinauswachsen musste.
Eine Abwehrschlacht der besonderen Art
In der Folge entwickelte sich eine reine Abwehrschlacht. Der 1. FC Normannia Gmünd warf alles nach vorne. Göppingen hielt mit Leidenschaft dagegen. Pavlos Osipidis zeigte sich tief beeindruckt von der Einstellung seiner Elf: „Wir verteidigen sehr gut, sehr laufstark. Die Mannschaft zeigt wahnsinnigen Willen und Wahnsinnsmentalität. Wir haben gute Umschaltmomente, die wir leider nicht so nutzen.“ So blieb die Partie bis in die letzten Sekunden hochemotional.
Die bittere Pointe in der Nachspielzeit
Die Uhr zeigte bereits die vierte Minute der Nachspielzeit, als das Unheil seinen Lauf nahm. Gmünd mobilisierte die letzten Reserven für einen finalen Angriff. Niklas Hofmeister schlug eine Flanke in den Göppinger Strafraum, seine 2. Saisonvorlage. Dort versenkte Alexander Aschauer den Ball per Kopf zum 1:1-Ausgleich – sein 9. Saisontor. Es war ein Moment tiefster Enttäuschung für die Hausherren. „Wir müssen hinten in der Box sehr viel verteidigen, sehr viel dagegenhalten und kriegen natürlich dann fast mit der letzten Chance ein Kopfballtor, das natürlich auch individuelle Klasse ist von Aschauer. Das ist dann bitter, sehr bitter, weil wir uns natürlich einen Sieg verdient gehabt hätten nach dem Spielverlauf und nach dem Einsatz und nach der Mentalität, die die Mannschaft gezeigt hat“, klagte ein sichtlich mitgenommener Osipidis.
Ausblick auf das kommende Topspiel
Trotz des schmerzhaften Punktverlustes in letzter Sekunde lautet die Devise in Göppingen nun: Kopf hoch. „Weiter geht's“, gab Pavlos Osipidis die Richtung vor. Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt nicht, denn die nächste große Herausforderung wartet bereits. Am Samstag, 07.03.2026 um 14 Uhr, empfängt der 1. Göppinger SV den aktuell Drittplatzierten TSV Essingen. Es wird erneut ein Spiel sein, in dem Mentalität und Willensstärke gefragt sind, um gegen einen direkten Konkurrenten aus dem oberen Tabellendrittel zu bestehen und die heutige Enttäuschung vergessen zu machen.