
Als Vorletzter der Landesliga, Gruppe 1, steht dem Remscheider Traditionsklub das Wasser förmlich bis zum Hals. Jetzt griffen auch dort die im Fußball oft üblichen Mechanismen. Dem erst im vergangenen Oktober verpflichteten Ex-Profi Björn Joppe (u.a. VfL Bochum) wurde nicht mehr zugetraut, das Steuer im letzten Saisondrittel noch herumzureißen. Dessen bisheriger „Co“, Nermin Jonuzi (36), übernahm in dieser Woche, steht am Sonntag ab 15.30 Uhr auf dem Kunstrasenplatz an der Klausener Straße gegen den 1. FC Wülfrath erstmals in der Verantwortung.
Die Ausgangslage: Am 9. November vergangenen Jahres feierten die Einheimischen mit dem 1:0 gegen Nettetal ihren letzten Dreier, haben aktuell elf Zähler Rückstand auf den ersten Nichtabstiegsplatz (13.). Hingegen fahren die Kalkstädter nach dem 3:2-Heimsieg gegen die nicht minder traditionsreiche TuRU 80 Düsseldorf mit neuem Selbstvertrauen ins Bergische. Um die vage Chance auf den Ligaerhalt zu wahren, muss der ehemalige Zweit-Bundesligist aus den 1980er Jahren diese Begegnung unbedingt gewinnen. Gerade nach dem 2:3 vor Wochenfrist im Kellerduell in Bergisch Born.
„Die Situation beim Gegner nehmen wir schon wahr. Aber natürlich sind wir in erster Linie auf uns fokussiert. Letzten Sonntag, das war schon ein erster Schritt in Richtung Tabellenmittelfeld. Jetzt wollen wir nachlegen“, redet Joscha Weber Klartext, der zudem in den Besprechungen dieser Woche mit seinem Team absolut auf einer Wellenlänge lag: „Wir wollen den TuRU-Sieg in Remscheid vergolden.“ Gleichwohl rechnet der Chefcoach mit einem „schweren Spiel“, weil der FC nach dem Trainerwechsel bestimmt „alles raushauen wird“. Trotz der Winterabgänge, wie Stanislao Apicella zum Ligarivalen DV Solingen oder den an den Erbacher Berg gewechselten Toni Zupo, verfügt Remscheid eigentlich über mehr Qualität, als es das Tableau widerspiegelt. Davon konnten sich die Wülfrather beim hart erkämpften 2:2 am 14. September auf eigenem Platz selbst überzeugen. Seinerzeit stand Remscheid aber auf Rang zehn, verbuchte seit dem nur noch fünf (!) mickrige Zähler.
„Das Hinspiel dürfen wir trotzdem nicht außer acht lassen. Auch nicht die Tatsache, dass ein Trainerwechsel bei einem angeschlagenen Klub für neue Impulse sorgen kann. Deshalb wird da am Sonntag viel Feuer im Spiel sein.“ Und der Übungsleiter ergänzt: „Wir haben aus dem TuRU-Spiel gelernt. Hatten ja in der ersten Halbzeit Phasen, als wir es uns durch viele Abspielfehler selbst schwer machten. Das haben wir im weiteren Spielverlauf weggesteckt. In der zweiten Hälfte wurde stark gegen den Ball gearbeitet und dazu sehr ordentlich Fußball gespielt. Am Ende haben wir das Glück erzwungen. Das war im Vorfeld unser Plan und das wollen wir am Sonntag bestätigen.“ Das ist auch das persönliche Ziel von Toni Zupo, der in Wülfrath schnell Fuß fasste. Gegen seinen Ex-Verein will der 27-jährige Offensivmann genau das nachhaltig beweisen.
Trainer Weber muss auf den sich zuletzt in guter Form präsentierenden „Saki“ Xiros (Adduktorenzerrung) verzichten. Dagegen ist Torhüter Marvin Oberhoff wieder eine Option für die Startelf. Genauso Florian Schikowski, der wegen einer Hüftverletzung pausierte. Ganz so weit ist Daniel Ivezic noch nicht. Der 22-jährige Außenbahnspieler erlebte nach seinem am 26. Oktober erlittenen Muskelbündelriss während der Reha ein, zwei Rückschläge, absolviert jetzt aber wieder das komplette Mannschaftstraining.