
Der 1. FC Viersen befand sich in der Rückrunde der Bezirksliga, Gruppe 3 lange auf einem guten Weg heraus aus der Abstiegszone, an den beiden vergangenen Wochenenden gab es dabei jedoch zwei Rückschläge, die allerdings völlig unterschiedlich geartet waren. Beim 1:4 bei Union Nettetal II, einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, enttäuschte das Team auf ganzer Linie und war mit dem Resultat noch gut bedient. Anders sah es dann am Sonntag beim Heimspiel gegen den Vierten SpVg Odenkirchen aus.
Denn in diesem Vergleich waren die Viersener insgesamt betrachtet sicherlich nicht die schlechtere Mannschaft, hatten sogar die besseren Tormöglichkeiten, brachten den Ball bei der 1:2-Niederlage aber nur einmal im Tor unter, während den Gästen zwei sehenswerte Treffer aus der Distanz gelangen, denen Fehler der Platzherren vorausgingen. "Wenn man so auftritt, wie wir das gegen Odenkirchen getan haben, man alles gibt und sich nichts vorzuwerfen hat, geht das für mich in Ordnung. Ein zweites Spiel wie das in Nettetal hätte ich nicht akzeptiert", erklärte Trainer Stephan Houben am Sonntag nach dem Spiel. "Bei uns haben ja auch viele Spieler gefehlt. Ich weiß gar nicht, ob wir es besser hätten spielen können, wenn alle an Bord gewesen wären." Das ist allerdings seit einer ganzen Weile auch bei den Odenkirchenern nicht anders.
Legt man den Punkteschnitt seit Houbens Amtsübernahme für die gesamte Saison zugrunde, so wären die Viersener kein Abstiegskandidat. 39 Punkte würden dann am Ende herauskommen, damit sollte nun wirklich nichts passieren können. Doch die Null-Punkte-Bilanz beim Amtsantritt war natürlich eine Hypothek, die derzeit noch alles offenlässt. Fünf Zähler beträgt aktuell der Vorsprung auf Türkiyemspor auf einem direkten Abstiegsplatz, drei Zähler der Rückstand auf das direkt rettende Ufer, also die Konkurrenten Nettetal II und TSV Bockum. Derzeit müssten die Viersener also in die Relegation. Wohin die Reise wirklich führt, könnte sich aber schon bald zeigen. "Es ist wirklich alles noch möglich: die Rettung, die Relegation oder auch der sofortige Abstieg. Da bin ich Realist", stellt Houben klar.
Am kommenden Sonntag geht es zu Türkiyemspor. Mit einem Erfolg hier wäre es sehr wahrscheinlich, dass die Viersener nicht mehr auf einen direkten Abstiegsplatz rutschen. Dann kommt der VfR Fischeln - und vor allem am vorletzten Spieltag noch der TSV Bockum. "Ich denke, dass wir schon noch drei Spiele gewinnen müssen, um direkt drinzubleiben. Viel wichtiger sind dann natürlich die Sechs-Punkte-Spiele gegen direkte Konkurrenten", erklärt der Coach. Zumal es gegen Tabellenführer OSV Meerbusch am 17. Mai und den Zweiten Sportfreunde Neuwerk zum Abschluss am 7. Juni schwierig werden dürfte. Es sein denn, die Entscheidungen um Platz eins und zwei sind gefallen, und die Viersener können hier über den größeren Willen etwas ausrichten.
Die Motivation, am Hohen Busch etwas zu bewegen, ist Houben jedenfalls mit jeder Faser anzumerken. "Wenn man hier mal einen Blick in das Stadion wirft, das ist doch einfach geil." Um eine Bezirksliga-Saison nach seinen Vorstellungen planen und aufbauen zu können, muss die laufende Spielzeit erst einmal ein gutes Ende finden. In einer möglichen Relegation wäre der Viertletzte aus Gruppe 2 der Gegner der Viersener, mit den Mannschaften aus dem Bergischen Land. Mögliche Kandidaten könnten der SSV Germania Wuppertal, Viktoria Rott, der SSV Berghausen oder auch die SG Hackenberg sein. Die Mannschaften sind dort aber ab Platz acht im Prinzip noch nicht gerettet. "Das ist alles noch sehr eng und würde ohne Frage für uns auch nicht leicht werden. Vom reinen Kader her glaube ich aber schon, dass wir in der Relegation sicher die besten Möglichkeiten von allen hätten. Aber das alleine heißt noch gar nichts. Man muss das dann auch auf den Platz bekommen", stellt Houben klar. Und sicher wäre es allen Beteiligten in Viersen lieber, wenn es zu diesen beiden Krimis im Juni nicht kommen würde. Eine Rolle dürfte auch spielen, wie lange Kevin Weggen nach seiner Verletzung vom Sonntag nun wirklich ausfallen wird.
Auch für den Kreis Mönchengladbach-Viersen wäre das übrigens bitter. Denn dann läuft dieser Gefahr, die maximal möglichen vier Absteiger zu stellen. Das wäre sicherlich kein schönes Szenario.