Marc Laurenzen will im hiesigen Amateurfußball wieder mitmischen.
Marc Laurenzen will im hiesigen Amateurfußball wieder mitmischen. – Foto: Timo Babic

Marc Laurenzen: Ein Nationalspieler ohne Allüren

Marc Laurenzen, der beim 1. FC Kleve und Viktoria Goch spielte, lief für Deutschland bei der Militär-WM in Ägypten auf. Nach einigen Jahren in den USA ist er wieder in der Heimat und blickt auf seine Laufbahn zurück.

Dem Plan, sein Gesicht künftig wieder häufiger auf den Tribünen seiner Ex-Klubs zu zeigen, habe die Corona-Pandemie vorerst einen Strich durch die Rechnung gemacht. Dennoch beschäftigt sich Marc Laurenzen weiter mit den Entwicklungen rund um den Oberligisten 1. FC Kleve und den ambitionierten Bezirksligisten Viktoria Goch.

Es sind jene Klubs, bei denen der heute 46-Jährige einst seine erfolgreichsten Zeiten als Sportler erlebte. „Der Kreis Klever Fußball interessiert mich auch nach vielen Jahren immer noch. Immerhin verbinde ich schöne Erinnerungen mit all meinen Stationen“, sagt Marc Laurenzen, der mittlerweile in Meerbusch wohnt.

Vier Jahre lang lebte der Familienvater, der als Offizier bei der Luftwaffe in der Von-Seydlitz-Kaserne in Kalkar dient, in den Vereinigten Staaten. 2019 zog es ihn zurück nach Deutschland. Seitdem denkt Marc Laurenzen wieder häufiger an seine eigene Laufbahn als Fußballspieler zurück. „Ich bereue überhaupt nichts. Natürlich gibt es Dinge, die besser, die noch etwas glücklicher in meiner Karriere hätten laufen können. Aber ich hege keinen Groll. Es ist gut für mich gelaufen“, sagt er.

Anfänge von Marc Laurenzen in Krefeld

Seine ersten Schritte als Nachwuchskicker ging Marc Laurenzen beim SV Thomasstadt Kempen sowie beim TuS St. Hubert. Mit zehn Jahren dann wechselte er in die D-Jugend von Bayer Uerdingen. „Das war damals für mich das Nonplusultra. Uerdingen war ein sehr großer Klub“, sagt Marc Laurenzen.

Bei den Krefeldern durchlief er alle Juniorenteams – und räumte Trophäen ab. So wurde Angreifer Laurenzen bei den Rot-Blauen fünf Mal Niederrheinmeister, ein Mal Westdeutscher Meister sowie Deutscher Meister mit der U21-Niederrheinauswahl – und kickte zusammen mit späteren Bundesliga-Akteuren wie Markus Feldhoff, Mustafa Dogan oder Simon Jentzsch. „Der Durchlauf von den Junioren zu den Profis war damals sehr hoch“, erinnert sich der 46-Jährige.

Mit 17 Jahren dann bekam er die Chance, sich nicht nur bei den A-Junioren, sondern auch in der Verbandsliga-Reserve von Bayer Uerdingen unter Trainer Matthias Herget zu beweisen. Und das während einer Zeit, als mit Friedhelm Funkel und Armin Reutershahn zwei absolute Trainer-Größen den Ton in Krefeld angaben. „Damals hatte ich auch die Chance, regelmäßig bei den Profis mitzutrainieren und gleichzeitig Spielpraxis in der Verbandsliga zu sammeln. Ich war nah dran. Vielleicht wäre rückblickend sogar noch mehr drin gewesen“, sagt Laurenzen. Doch der Sprung zu den Profis blieb ihm verwehrt.

Stattdessen verfolgte er seine Laufbahn für ein Jahr beim 1. FC Viersen in der Verbandsliga, ehe er wieder für zwei Jahre unter Armin Reutershahn in der Oberliga Nordrhein aktiv war.

1997 aber folgte der Schritt in den Kreis Kleve – und zwar aus beruflichen Gründen. Damals lagen Marc Laurenzen Angebote vom VfB Kleve und von Viktoria Goch vor, beide Teams spielten damals in der Landesliga. Der Berufssoldat entschied sich für ein Engagement im Hubert-Houben-Stadion. Gleich im ersten Jahr mit Marc Laurenzen stieg die Viktoria in die Verbandsliga auf. Sein Trainer hieß damals Werner Buttgereit. „Ich hatte das Privileg, in meiner Karriere mit vielen großen Trainern arbeiten zu dürfen. Dass darunter gleich drei Akteure der Uerdinger Pokalsieger-Mannschaft von 1985 waren, ist ein besonderer Umstand“, sagt Marc Laurenzen, der leidenschaftlicher Anhänger des 1. FC Köln ist und vor der Pandemie regelmäßig mit seinem Sohn Mika im Rheinenergiestadion anzutreffen war.

Nachdem Viktoria Goch im Jahr darauf gleich wieder abgestiegen war, wechselte der torgefährliche Linksfuß, der sich insbesondere im zentralen Mittelfeld wohlfühlte, für ein Jahr zum SC Kleve und im Jahr darauf zum aus einer Fusion von VfB und SC Kleve entstandenen 1. FC Kleve. „Wir hatten damals eine ambitionierte Mannschaft mit richtig hoher Qualität. Und wir hatten klar das Saisonziel Aufstieg in die Verbandsliga mit auf den Weg bekommen. Doch daraus wurde nichts. Stattdessen stieg Viktoria Goch gleich wieder auf, obwohl wir sie im Derby in dem Jahr zwei Mal geschlagen hatten“, sagt Laurenzen. Damals spielte er zusammen mit Kickern, die noch heute den Fusionsklub maßgeblich prägen. Christoph Thyssen ist mittlerweile Vorsitzender am Bresserberg, Umut Akpinar Trainer der ersten Mannschaft in der Oberliga.

Zur Saison 2001/2002 kehrte Marc Laurenzen dann noch einmal zum Traditionsklub Viktoria Goch zurück. Als Kapitän führte er die Schwarz-Roten durch die Verbandsliga. Doch schon früh beendete der Kreativspieler mit 30 Jahren seine Karriere. Immerhin sei er beruflich im Dienst des Militärs zunehmend stark eingespannt gewesen. Dennoch folgte er 2004 noch einmal den Lockrufen seines Freundes Marco Schacht und trat kurze Zeit später als Spieler in der Bezirksliga bei der abstiegsbedrohten Spielvereinigung Kessel in Erscheinung. In der Saison 2005/2006 übernahm er dann als Spielertrainer BV/DJK Kellen.

Karriereende mit 30 Jahren

Danach aber war endgültig Schluss für Marc Laurenzen. „Rückblickend glaube ich, dass es drei Dinge braucht, um im Fußball durchzubrechen und ein großer Name zu werden: Talent, Ehrgeiz und an den richtigen Stellen auch ein wenig Glück. Wenn ich an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Glück gehabt hätte, gerade mit Blick auf Verletzungen, hätte es vielleicht zum Profi-Dasein gereicht. Rückblickend betrachtet war der Ehrgeiz auch nicht unbedingt meine Stärke“, sagt der 46-Jährige, der hofft, im Spätsommer bei Oberliga-Begegnungen des 1. FC Kleve als Zuschauer dabei sein zu können.

Immerhin hat er bald wieder einen kurzen Draht zum Bresserberg. Ab der kommenden Saison wird sein Freund und Arbeitskollege Tobias Schulte-Mattler dort als Torwarttrainer aktiv sein. Besonders stolz aber sei er auf den Umstand, dass er sich Nationalspieler nennen darf. Immerhin war der Kalkarer Soldat lange Zeit im deutschen Trikot der Militär-Auswahl unterwegs. Eine Mannschaft, die seit Aussetzen der Wehrpflicht aus dem Blickfeld der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt ist. „Damals aber war das noch anders, da wurden unsere wichtigsten Spiele häufig im Fernsehen übertragen“, sagt Laurenzen.

Im Sommer 2001 war er sogar bei der Militär-Weltmeisterschaft in Ägypten dabei. Das Team, das sich zuvorderst aus Spielern der Amateur-Abteilungen von Bundesliga-Klubs rekrutierte, scheiterte nach einer souveränen Vorrunde im Viertelfinale an Nordkorea. Die Erlebnisse aber blieben Laurenzen im Kopf. Immerhin strömten zu den Partien der Soldatenteams zehntausende Zuschauer in die Stadien, bei hohen Temperaturen herrschte eine euphorische Stimmung.

Das Finale verfolgte Marc Laurenzen mit rund 55.000 Zuschauern, darunter war der Ex-Präsident Husni Mubarak, im Stadion in der Hauptstadt Kairo. „Das war auf jeden Fall das Highlight meiner Karriere, von dem ich noch meinen Enkeln erzählen werde“, sagt Marc Laurenzen.

Aufrufe: 014.7.2021, 18:00 Uhr
RP / Maarten OversteegenAutor

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