Hubert Naß war der geborene Torjäger.
Hubert Naß war der geborene Torjäger. – Foto: André Nückel

Hubert Naß – Torjäger und Schützenkönig

Der Stürmer begann seine Laufbahn bei der DJK Mehr-Niel und spielte dann für den SC Kleve und VfB Kleve.

Seine Fußballer-Laufbahn begann Hubert Naß mit sieben Jahren, als er mit dem Fahrrad von Niel aus nach Mehr zum DJK-Sportplatz fahren konnte. „Gerd Verkühlen hat mir damals ein Paar Fußballschuhe besorgt“, erinnert sich der heute 55-Jährige.

Seine zwei älteren Brüder Willi und Paul, beide auch im Verein erfolgreich aktiv, trainierten ihn zu A-Jugend-Zeiten. „Willi meinte, mich fördern zu müssen“, sagt Hubert Naß. Was wohl Früchte trug, denn unter Spielertrainer Paul Kaiser schaffte die DJK 1985 mit den drei Naß-Brüdern den Aufstieg in die Kreisliga A. „Das war ein Traum und eine geile Zeit für die DJK. Ich hatte in der A-Liga zumeist zwei Gegenspieler“, so Hubert Naß. In der B-Liga erzielte er 33 Tore, in der A-Liga waren es 16 Treffer. Dann machte sich Hubert Naß auf zu neuen Ufern.

Paul Kaiser, ehemaliger SC-Spieler, stellte den Kontakt zum SC Kleve her. Und Naß wechselte im Juni 1986 zum damaligen Verbandsligisten – gleich drei Klassen höher. SC-Coach war seinerzeit Friedel Strauch, Co-Trainer war Willi Naß, der mit dem Bruder zum Sport-Club wechselte. Die ersten sechs Partien saß Hubert Naß auf der Bank, danach markierte er 15 Tore. „Für ein Spiel wurde ich vereinsintern gesperrt, da ich angeblich bis 4 Uhr morgens im Granny Saloon, einer Klever Kultdisco, gewesen sein soll“, sagt Naß und lächelt.

Zu Anfang der folgenden Spielzeit sagte Friedel Strauch, der übrigens alle Akteure siezte, dann zu Hubert Naß: „Sie passen nicht in mein System.“ So war er wieder Reservist, kam dann wieder zum Einsatz und fiel schließlich lange wegen einer Kapselverletzung im rechten Fuß aus. Und ab April spielte er gar nicht mehr. „Trotzdem war es eine absolut tolle Zeit beim SC“, sagt Hubert Naß. Doch trotz eines guten SC-Angebots heuerte er, weil es mit Trainer Friedel Strauch halt nicht passte, beim Lokalrivalen VfB Kleve an, der 1988 in die Bezirksliga abgestiegen war.

Über seinen ehemaligen Lehrer Bernd Praest kam die Verpflichtung beim VfB zustande. Trainer war Uwe Brouwers, der im Winter gehen musste und von Friedel Gertgens abgelöst wurde. In der folgenden Spielzeit 1989/90 machte der VfB ein glanzvolles Meisterstück: Ungeschlagen marschierte die Mannschaft unter der Regie von Coach Norbert Lange durch die Bezirksliga und stieg in die Landesliga auf.

„Norbert Lange war kameradschaftlich der Hammer“, sagt Hubert Naß, der noch heute von seinem damaligen Trainer schwärmt. In der Landesliga-Saison 1990/91 verlor die, so Naß, „überragende Mannschaft“ das entscheidende Spiel und wurde Vizemeister. Dafür gab es wieder das prestigeträchtige Lokalderby gegen den SC Kleve, der aus der Verbandsliga abgestiegen war.

Werner Ingenillem löste Norbert Lange als Coach 1991 ab. „Er hat versucht, die Raumdeckung mit uns einzuspielen“, sagt Naß, der in dieser Zeit seine Frau Marion, die aus Duisburg stammt, kennenlernte. Der ehemalige Bundesliga-Profi Werner Buttgereit folgte 1993 auf Werner Ingenillem. Am Samstag, 12. September 1993, fand das Stadtduell gegen die Blauen statt, das die Roten 4:0 gewannen. Hubert Naß steuerte zwei Treffer bei.

„Ich hatte im Vorfeld gesagt, dass ich Nieler Schützenkönig werde, wenn wir gegen die Blauen gewinnen und ich ein Tor schießen würde“, sagt er. Aber da er seinerzeit zunächst seine Kühe melken musste, mussten seine Mitspieler, die komplett im Festzelt waren, eine Stunde ausharren. Doch ihr Warten wurde belohnt, denn angefeuert von ihnen schoss Naß sich zum Nieler Schützenkönig.

Seinen sportlichen Höhepunkt feierte er in der Spielzeit 1994/95, denn dem VfB gelang der ersehnte Aufstieg in die Verbandsliga. „Wir hatten eine überragende Truppe“, sagt der 55-Jährige. Beim 3:1-Sieg beim SV Straelen spielte Hubert Naß, der im Angriff auf allen Positionen sowie im offensiven Mittelfeld einsetzbar war, für alle überraschend gegen den Straelener Coach Jos Luhukay.

„Manfred Priewe, der mich immer unterstützte und förderte, wollte mich damals beim FC Bocholt oder Olympia Bocholt unterbringen. Aber der elterliche Hof ging vor. Träumen ist schön, aber man muss realistisch sein. Und ich habe das Beste aus meinen Möglichkeiten gemacht“, sagt Hubert Naß.

Eine umstrittene Rote Karte erhielt er in seiner ganzen Laufbahn und hat sein Kampfgewicht von 75 Kilogramm bei einer Größe von 1,74 Meter behalten. Wenn eine Partie unter der Woche angesetzt war, kam er nach der Arbeit auf dem Hof im Trikot zum jeweiligen Spiel angefahren. Er erzielte etliche Tore bei seinen Stationen, darunter waren auch pro Saison etwa sechs Kopfball-Treffer. „Ich war ein Gesicht in der Klever Fußballszene“, sagt Naß. Während der Vorbereitung auf die Saison 1994/95 absolvierte eine Kombination aus VfB Kleve und SV Straelen ein Freundschaftsspiel gegen das Star-Ensemble von Bayern München vor 7700 Zuschauern am 30. Juli bei großer Hitze im Gustav-Hoffmann-Stadion. Die Bayern gewannen 5:3. „Die Fete fand anschließend im Hotel Kleve statt. Meine Frau und ich hatten viel Spaß“, sagt Naß.

Nach dem Verbandsliga-Aufstieg machte Hubert Naß 1995 Schluss beim VfB und wurde Spielertrainer bei seinem Heimatverein DJK Mehr-Niel in der Kreisliga B. Er verpasste mit dem Team knapp den Aufstieg in die A-Liga. Sein Bruder Willi heuerte 1996 als Coach beim VfB Kleve an, der wieder in Landesliga spielte, und Hubert Naß wurde sein Co-Trainer. „Ich wollte mal die andere Seite kennenlernen, doch dann habe er zwei Jahre wieder selbst gespielt und hatte viel Spaß“, sagt Naß.

Er wechselte 1998 als Spielertrainer zum Bezirksligisten Spvgg. Kessel. Doch ausgerechnet in einer Vorbereitungspartie gegen seinen Ex-Verein VfB Kleve erlitt er einen Knorpelschaden im rechten Knie. Ein Jahr später stiegen die Kesseler ab – und Naß ging zum A-Kreisligisten DJK Kleve. Die DJK musste runter in die B-Liga. Hubert Naß blieb noch zwei Spielzeiten, ehe er sich vom aktiven Fußball verabschiedete. Er trainierte noch einige Jahre im Schüler- und Jugendbereich seinen Sohn Kevin – zunächst beim TuS Kranenburg und später beim 1. FC Kleve.

„Fußball ist eine schöne Nebensache, aber nicht das Wichtigste im Leben. Meine Kontakte und Freundschaften pflege ich heute noch, denn ich habe durch den Sport viele Leute kennengelernt“, sagt er. Heute bewirtschaftet Hubert Naß, der staatlich geprüfter Landwirt ist, den elterlichen Bauernhof mit 60 Kühen. Er ist tief verwurzelt in dem beschaulichen Kranenburger Ortsteil Niel mit seinen 230 Einwohnern, seit 2004 ist er Ortsvorsteher. „Meine Frau Marion hat mich immer begleitet und unterstützt, genau wie meine beiden Kinder. Das ist die Stärke unserer Familie“, sagt Hubert Naß.

Aufrufe: 23.4.2021, 16:00 Uhr
RP / Peter NienhuysAutor

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