
Die Formkurve zeigt weiter nach oben, doch im Klassement ging es wieder nach unten. Der 1. FC Kleve kassierte am Sonntag vor knapp 300 Zuschauern eine 1:2 (0:0)-Niederlage beim SC St. Tönis. Der Oberligist verpasste dabei eine Woche nach dem 2:1-Heimsieg gegen die SpVg Schonnebeck die Chance, seine Lage im Rennen um den Klassenerhalt mit einem Erfolg gegen ein weiteres Team aus dem oberen Tabellendrittel zu verbessern.
Der 1. FC Kleve fiel auf den letzten Platz zurück, da das bisherige Schlusslicht SV Biemenhorst beim FC Monheim mit 2:0 siegte. Der Rückstand zum rettenden 15. Platz, auf dem der SV Sonsbeck steht, beträgt unverändert fünf Punkte. Er hätte auf zwei Zähler verringert werden müssen. Doch die Mannschaft belohnte sich für eine der besten Auswärtsleistungen in dieser Saison nicht mit einem Erfolg, der allemal drin war.
„Die Enttäuschung ist sehr, sehr groß. Denn wir hätten wenigstens einen Punkt mitnehmen müssen und auch verdient gehabt“, sagte der Klever Trainer Umut Akpinar. Stattdessen gab es im 25. Spiel die 14. Niederlage, weil ein großes Problem bleibt. Der 1. FC Kleve hat keinen Stürmer mit gehobenem Oberliga-Niveau in seinen Reihen.
Der SC St. Tönis, der vier Tage zuvor mit einem 5:3-Heimsieg gegen den FC Büderich den Einzug in das Finale des Niederrheinpokals, in dem er auf den MSV Duisburg trifft, perfekt gemacht hatte, hatte dem Kontrahenten nur in einem Punkt Entscheidendes voraus. Er war im Abschluss effektiver.
Vor der Pause hatte die Mannschaft keine zwingende Torchance. Der 1. FC Kleve, der in Niklas Klein-Wiele, Luca Thuyl (beide verletzt) und Ilkay Akpinar (erkrankt) im Mittelfeld wichtige Kräfte ersetzen musste, während Kapitän Fabio Forster wieder fit für einen Kurzeinsatz war, hatte mehr vom Spiel. Dominik Burghard verpasste in der 40. Minute die verdiente Führung knapp. Er traf bei einem Freistoß nur die Latte.
Kurz nach dem Wechsel hätte Elias Reffeling, der eine Woche zuvor mit seinen ersten beiden Saisontoren gegen Schonnebeck der Matchwinner gewesen war, das 1:0 erzielen können. Der Youngster hatte den gegnerischen Keeper schon ausgespielt, verfehlte aber das leere Tor, weil der Winkel etwas zu spitz geworden war (51.).
Und wenig später lag der SC St. Tönis mit 2:0 in Führung, weil er im Stile eines Spitzenteams zwei seiner ersten drei Chancen in der zweiten Hälfte genutzt hatte. Julio Torrens (58.) und Dominik Dohmen (61.) waren für den Gastgeber erfolgreich, der in der Folgezeit einige gute Gelegenheiten zu Erfolg versprechenden Kontern hatte, diese aber nicht clever genug ausspielte.
Der 1. FC Kleve wiederum bestätigte seinen Aufwärtstrend auch, weil er trotz des Rückstands fast aus dem Nichts bemerkenswerte Moral zeigte. Er nahm das Heft des Handelns wieder in die Hand. Doch mehr als der Anschlusstreffer durch Ole Kook (75.) sprang nicht heraus, obwohl in der Schlussphase erst Abwehrchef Philipp Divis und bei einem letzten Eckball in der Nachspielzeit auch Schlussmann Ahmet Taner mit in die Offensive gingen.
Die Mannschaft hatte gute Möglichkeiten zu wenigstens einem weiteren Treffer. Doch sie hat halt keinen Stürmer mit Torjäger-Instinkt, wie es Andre Trienenjost und Danny Rankl einst waren, mehr in ihren Reihen. Deshalb gab es ein enttäuschendes Ergebnis für den Abstiegskandidaten. Und der Frust war beim Abpfiff groß. Akpinar: „Hier war mehr drin.“
Doch das Ergebnis ändert nichts daran, dass der 1. FC Kleve im Abstiegskampf weiter nicht aufgibt und an seine Chance glaubt. „Wir machen weiter, immer weiter. Jetzt müssen wir alles daran setzen, am Donnerstag die Partie beim TSV Meerbusch zu gewinnen“, sagte der Coach. Anpfiff ist um 20 Uhr.
Anlass zur Hoffnung macht der Auftritt in St. Tönis auf jeden Fall. Der 1. FC Kleve ist fußballerisch im Aufwärtstrend, auch wenn die Tabelle das nicht bestätigt. Nur: Das Schlusslicht braucht jetzt nicht nur gute Noten in der technischen Wertung, sondern Punkte, damit die Lichter in der Oberliga nicht ausgehen.