
1. FC Kaan-Marienborn - Wuppertaler SV 3:0
Der 1. FC Kaan-Marienborn (16.) ist nach nur einer Saison schon wieder raus aus der Regionalliga West. Der direkte Wiederabstieg des Vorjahres-Aufsteigers steht bereits nach dem vorletzten Spieltag fest – eines 3:0 (2:0)-Sieges gegen den Wuppertaler SV (9.) zum Trotz.
Für Kaan ist der Abstieg der erste Rückschlag seit fast zwei Jahrzehnten. 2003 war der Club, damals noch als TuS Kaan-Marienborn, von der Kreisliga A wieder in die Bezirksliga aufgestiegen. In der nächsten Saison spielt Kaan dann gemeinsam mit den Sportfreunden Siegen und wahrscheinlich auch dem TuS Erndtebrück in der Oberliga Westfalen. Dann wird die heimische Fußball-Region erstmals seit 2012 nur noch fünftklassig sein.
Kaans Trainer Thorsten Nehrbauer hat in den vergangenen Wochen stets ein „Endspiel“ um den Klassenverbleib am letzten Spieltag beim Bonner SC (14.) zum Ziel ausgerufen, einem Mantra gleich vor sich her getragen. Jetzt ist die Hoffnung des Regionalliga-Debütanten aus dem Breitenbachtal auf ein zweites Jahr in der vierthöchsten Liga in Deutschland eine Woche vor der Reise nach Bonn geplatzt. Und ausgerechnet die Rheinländer spielten die Hauptrolle dabei.
Das Nehrbauer-Team hatte seine Hausaufgaben gemacht, begann erfreulich forsch; Nach einer schnellen Kombination von Mehmet Kurt, diesmal vor zwei Viererketten aufgeboten, und Arthur Tomas jagte Elsamed Ramaj den Ball ans Außennetz. Schon zwei Minuten später brachte Kurt aus halblinker Position sein Team mit dem 1:0 auf „Endspiel“-Kurs (5.). Tomas schob sogar das 2:0 nach (9.).
Doch schon eine Minute später stellte Bonn den Abstiegskampf im Fernduell mit Kaan auf den Kopf, ging bei Alemannia Aachen in Führung. Ein Sieg für den BSC, und Kaan hätte Bonn nicht mehr einholen können. Wuppertaler Anhänger sahen derweil die Verteidigung der Mannschaft von Trainer Pascal Bieler „wie ein Hühnerhaufen“. Mangelnden Einsatz im Mittelfeld konnten sie der Elf dagegen nicht vorwerfen: Kenan Dünnwald-Turan, im Winter von Kaan an die Wupper gewechselt, stieg rüde gegen Burak Gencal ein, sah dafür „Gelb“. Kapitän Dennis Malura jagte einen Warnschuss am Tor der Gastgeber vorbei (30.). Kaans Keeper Christian Bölker fischte einen Versuch von Kevin Hagemann mit einem Sprung tief aus der linken Ecke (39.).
Zu diesem Zeitpunkt war Kaan wieder im Vorteil gegenüber Bonn. Auf dem „Tivoli“ in Aachen hatten die Alemannen in der 28. Minute ausgeglichen. Die neue Lage: Bei einem eigenen Sieg gegen Wuppertal und einem Remis von Bonn in Aachen, wäre das Team aus der Herkules-Arena mit zwei Punkten Rückstand nach Bonn gereist und hätte sich mit einem Sieg noch retten können.
In der 71. Minute war dann aber der Abstieg von Kaan besiegelt: Bonn ging erneut und diesmal endgültig in Führung – 2:1. Da nutzte es auch nichts mehr, dass Kaan nun drückend überlegen war und Gencal an der rechten Seitenauslinie zu einem Solo ansetzte, das er mit einem prächtigen Linksschuss (74.) zum 3:0 abschloss, der Bayern-Star Arjen Robben zur Ehre gereicht hätte.
„Es ist absolut enttäuschend“, sagte Nehrbauer später. Seine Spieler schlichen mit hängenden Schultern vom Platz. Sie hatten den Verbleib in der Regionalliga nicht an diesem Tag aus der Hand gegeben. „Wir hatten in den letzten Wochen sicherlich Spiele dabei“, betrieb Mannschaftskapitän Toni Gänge eine erste Ursachen-Analyse, „wo wir besser waren, geführt haben, wo wir die Führung leichtsinnig weggegeben haben.“
Beispiele gefällig aus der jüngsten Vergangenheit? In Wiedenbrück (17.) 2:2 nach 2:0, in Wattenscheid (13.) 1:3 nach 1:0, gegen Oberhausen (2.) 3:4 nach 3:2, in Mönchengladbach 2. (4.) 2:2 nach 2:0. Und am vergangenen Mittwoch hat das 1:1 gegen Lippstadt (11.) womöglich die entscheidenden Punkte gekostet – trotz zuletzt nur einer Niederlage in sieben Spielen.
Was nun aus der Käner Mannschaft wird, „das ist eine Aufgabe für die nächsten Wochen von Vereinsseite aus“, sagte Nehrbauer. Nur sechs Spieler haben einen Vertrag über die Saison hinaus; die meisten Neuzugänge hatten sich, wie üblich, ohnehin nur für die Regionalliga-Saison gebunden. Spieler wie Gencal, 2017 von Nehrbauer in Windeck entdeckt und jetzt mit elf Treffern unter den Top 5 der Regionalliga-Torjäger, oder Ramaj („Einer der schnellsten Angreifer“, so Lippstadts Trainer Daniel Berlinski) mit zehn Toren haben offenkundig das Interesse anderer Clubs geweckt. Späher vom Zweitliga-Aufsteiger Karlsruher SC und vom Drittligisten KFC Uerdingen sollen mehrfach in Kaan gewesen sein.

Und Nehrbauer selbst? Der Coach ließ bei seinem „Alles Weitere bringt die Zukunft“ zum Abschluss der Pressekonferenz die Tiefe des Raumes für Interpretationen. Im Januar 2014 war der Ex-Profi und heutige A-Lizenz-Trainer mit Fußballlehrer-Ambitionen ins Breitenbachtal gekommen, stieg mit Kaan in die Oberliga Westfalen (2016) und in die Regionalliga (2018) auf. Bis 2020 hat er noch einen Vertrag, aber: „Ich muss mir jetzt auch mal Gedanken machen.“