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Mittwoch 07.10.15 17:00 Uhr|Autor: Philipp Maisel741
Buchrezension: Heimspiele - 90 Fußballplätze in Baden-Württemberg und ihre Geschichten. Foto: Silberburg Verlag

Von vergessenen Helden und legendären Spielstätten

Buchrezension: Heimspiele - 90 Fußballplätze in Baden-Württemberg und ihre Geschichten
Irgendwelche Fußballbücher erscheinen täglich, der Markt ist geradezu überschwemmt. Doch Bücher über den baden-würrtenbergischen Fußball, dazu noch von gewisser Substanz, suchte man bisher vergeblich. Bernd Sautter hat das geändert.

Schwer kommt es daher, das Buch „Heimspiele“ von Bernd Sautter. Ein richtiger Schinken, etwas salopp formuliert. Doch das bezieht sich lediglich auf Format, Umfang und eben das tatsächliche Gewicht. Ist man erst einmal eingetaucht, so fällt die Lektüre überhaupt nicht schwer. Sautter hat ein Buch geschrieben, auf das viele Fußball-Enthusiasten landauf, landab nur gewartet haben dürften. Der Autor erzählt auf 280 Seiten 90 tolle, interessante Geschichten aus der baden-württembergischen Fußballgeschichte. Viele dieser Geschichten – alle sind eindrucksvoll bebildert und habe keine Überlänge, bei der heutigen gängigen Aufmerksamkeitsspanne der Leserschaft sicher kein Fehler – sind lange versunken gewesen. Manche der Orte, an denen sie spielen sind es heute noch. Sautter fördert sie wieder zu Tage. Mit genauer Beobachtungsgabe und einer knackiger Schreibe nimmt er den Leser mit auf eine Reise durch die Zeit und in die Tiefe des Raumes in unserem fußballbegeisterten Bundesland. Man erfährt einiges Neues über eher bekannte Themen, wie etwa den Mythos der Waldhof-Buben, die Oberliga-Ultras der Szene E aus Reutlingen, die Firma Mieg aus Schwenningen, die das Tipkick-Spiel erfunden hat oder über den Umstand, dass die Keimzelle der berühmten baden-württembergischen Trainerschule mit Absolventen wie Helmut Groß, Joachim Löw, Ralf Rangnick, Markus Gisdol, Alexander Zorniger oder Thomas Tuchel erstens in Ruit bei Stuttgart liegt und zweitens maßgeblich vom damals russischen Topteam Dynamo Kiew und dem legendären Trainer Walerij Lobanowksyi beeinflusst wurde, die in den Achtzigern regelmäßig in der dortigen Sportschule gastierten.

Schnürles, der Engländerplatz und die Grube Karl

Doch es sind die der breiten Öffentlichkeit bisher nicht bekannten Geschichten, die dieses Buch zu einem der faszinierendsten machen, die in den letzten Jahren erschienen sind.  Erzählt Sautter mit gesunder Härte von erstaunlichen Frisuren und fehlendem Flutlicht, vom Telegraphenmast im Mittelfeld und Windhosen im Strafraum, dann ist der Leser richtiggehend gefesselt. So etwa beim „Schnürles-Wembley“, dem Pforzheimer Nagoldbad. Oder dem Engländerplatz in Karlsruhe, wo anno 1889 auf Initiative von Walther Bensemann das erste Fußballspiel in Süddeutschland stattfand. Wer erinnert sich noch aus Schramberg stammenden legendären Läufer Georg Knöpfle, der einst den „Il Filio di Dio“ Luigi Cevenini das Fürchten lehrte und später als Trainer des Hamburger SV viermal hintereinander die norddeutsche Meisterschaft gewann. Wer kennt überhaupt die Grube Karl, berüchtigte Spielstätte des SV Glück Auf Altenstadt und erste Station in der großen Karriere von Karl Allgöwer? Dieses Potpourri an Geschichten erwartet den Leser in Sautters Buch. Nichts davon ist erfunden. Alles ist wahr. Und das ist teilweise kaum zu glauben.


LINK: Bernd Sautter in der Landesschau

 Zuffenhausen, das Schalke Stuttgarts

Die schönste der insgesamt ein Dutzend Geschichten, die in Stuttgart oder direkter Umgebung spielen, kommt aus Zuffenhausen. Von der Schlotwiese, um genau zu sein. Dort, wo heute noch TV 89, SSV Zuffenhausen und weitere Vereine spielen, war einst der FV Zuffenhausen beheimatet. Zuffenhausen war das Schalke Stuttgarts, der Arbeiterverein des bürgerlichen Fußballs und einst dritte Kraft der Stadt hinter dem VfB und den Kickers. Der Verein brachte bekannte Köpfe wie Robin Dutt, Rainer Adrion, Horst Köppel oder auch Albert Streit hervor. Und er gebar eine Legende: Robert Schlienz, der langjährige VfB-Kapitän und erster und bisher einziger Einarmige, der je in der deutschen Nationalmannschaft spielte. "Robert Schlienz ist die allerhöchste Stufe von dem gewesen, was die Engländer 'Matchwinner' und die Franzosen 'Gagneur' nennen", schrieb der bekannte Journalist und Romancier Hans Blickensdörfer 1995 bei seinem Nachruf auf Schlienz – im Buch erfährt der Leser, wo dessen Wurzeln liegen.

Fazit – unbedingte Kaufempfehlung

Unser Urteil fällt eindeutig aus. Für jeden Fan des Fußballs, der mehr über jenen erfahren will als nur das ewig gleiche Bundesliga-Geschreibsel der einschlägigen Medien und Autoren, ist dieses Buch ein Muss. Doch auch für nicht Fußball-affine Leser, die einen fundierten Einblick in die Geschichte des Ballsports in unserem Bundesland erfahren möchten, können wir es nur ans Herz legen. Kaufen kann man es direkt beim Silberburg-Verlag für 29,90 Euro.

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Einfach den Link klicken, teilnehmen und Daumen drücken. An diesem Freitag ist Bernd Sautter übrigens beim "StN-Stadtschreibtisch" im Buchhaus Wittwer (15 Uhr), zusammen mit Cacau, Gilbert Gress und anderen. Ein Interview mit dem passionierten Groundhopper erscheint morgen auf FuPa Stuttgart.

 
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