„Das macht Menschen müde im Kopf“
Freitag 20.11.20 14:00 Uhr|Autor: Lars Brepols; Benjamin Jansen | AZ/AN2.446
Wie könnte es für die Amateurfußballer im Fußball-Verband Mittelrhein weitergehen? Die Trainer der Mittelrheinligisten der Region haben sich Gedanken gemacht. Foto: Imago/Hanno Bode, FuPa

„Das macht Menschen müde im Kopf“

Mittelrheinliga: Wie geht es im Amateursport weiter? Diese Frage beschäftigt angesichts der „Corona-Zwangspause“ derzeit auch die vielen Fußballer in unserer Region.
Bund und Länder wollen erst auf ihrer nächsten Konferenz am 25. November „über konkrete Schlussfolgerungen sowie die weitere Perspektive für Dezember und Januar im Rahmen eines Gesamtkonzepts diskutieren und entscheiden“, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Montag verkündete. Dass es dann zu Lockerungen kommen wird, ist derzeit eher unwahrscheinlich. Vielmehr muss sich der Amateur- und Breitensport, der Anfang November zum Erliegen gekommen ist, voraussichtlich auf eine längere Pause einstellen. Der Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen hat bereits vergangenen Mittwoch auf die Restriktionen reagiert und seine Vereine vorzeitig in die Winterpause geschickt, der Fußball-Verband Niederrhein hat am Donnerstagabend nachgezogen. Soweit ist man beim Fußball-Verband Mittelrhein (noch) nicht: Beim FVM stimmen sich derzeit die Gremien ab, wie der Fahrplan in den kommenden Wochen aussehen könnte; Anfang der kommenden Woche soll die Entscheidung dann ebenfalls bekanntgegeben werden


Lars Brepols und Benjamin Jansen haben mit den Trainern der sechs Mittelrheinligisten aus unserer Region gesprochen und gefragt:
a) Der FVM hält sich noch bedeckt, wie es ab Dezember im Amateurfußball weitergehen könnte. Wie würden Sie entscheiden?

b) Halten Sie es für realistisch, dass die Saison normal zu Ende gespielt werden kann?

c) Wie halten sich momentan Ihre Spieler fit?

Giuseppe Brunetto, Trainer 1.FC Düren:

a) Natürlich ist es schwierig, eine Entscheidung zu treffen. Ich fände es aber wichtig, dass der Verband sich frühzeitig dazu äußert und man nicht wie in der vergangenen Saison so lange in der Luft hängt. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich sagen: Im Dezember wird nicht mehr gespielt. Und ich würde direkt den Termin für die Wiederaufnahme fixieren.

b) Ich denke schon. Wenn der Verband sich das zum Ziel setzt, dann bekommt man das wahrscheinlich auch hin. Dann müsste man allerdings eine klare Leitlinie festlegen, wie man mit Corona-Verdachtsfällen umgeht. Es kann nicht sein, dass ein Spiel schon am Montag abgesetzt wird, wenn es erst am Wochenende ausgetragen werden soll. Wenn es einen positiven Corona-Fall gibt, dann ist es ganz klar, dass es nicht stattfinden kann. Die Gesundheit aller Beteiligten geht immer vor.

c) Die Jungs bekommen jedes Wochenende neue Aufgaben von unserem Athletiktrainer gestellt. Wir überprüfen die Werte, die Spieler wiegen sich auch jeden Montag. Das hat nichts mit fehlendem Vertrauen zu tun, sondern ist mehr als Motivation gedacht.

Kevin Kruth, Trainer Borussia Freialdenhoven:

a) In Anbetracht der hohen Infektionszahlen halte ich es derzeit nicht für realistisch, dass wir in diesem Jahr nochmal auf den Platz zurückkehren. Anstelle des FVM würde ich den Vereinen Planungssicherheit geben und sagen, dass man erst ab Februar oder März die Hinrunde fortsetzt.

b) Selbst wenn es im Frühjahr weitergehen sollte, glaube ich nicht daran. Es wird auch weiterhin Spielausfälle geben, das Coronavirus wird nicht von heute auf morgen verschwunden sein. Ich denke, dass es zielführender wäre, wenn man versucht die Hinrunde bis Ende Juni vollständig zu spielen. Dann hätte keine Mannschaft einen großen Wettbewerbsnachteil.

c) Wir haben allen einen Plan mit Läufen und Kräftigungsübungen an die Hand gegeben. Aufgrund der unklaren Perspektive haben wir das Programm aber nicht zur Pflicht gemacht. Bisher klappt es ganz gut, die Jungs schicken uns regelmäßig die Infos zu ihren Läufen und absolvierten Übungen. Zusätzlich machen wir jede Woche noch eine kleine Videoschalte, um in Kontakt zu bleiben.

Achim Rodheut, Trainer SV Eilendorf:

a) Vorweg möchte ich sagen: Wir nehmen es, wie es kommt. Die derzeitige Situation ist so schnelllebig, dass ich es momentan verfrüht finde, eine Entscheidung zu fordern. Wir brauchen alle gute Nerven – und müssen damit leben, dass wir etwas weniger planen können. Es ist eine Situation, die mit unheimlich vielen Fragezeichen versehen ist. Wenn die Infektionszahlen rückläufig wären, besteht vielleicht die Möglichkeit, dass noch ein oder zwei Spiele im Dezember ausgetragen werden könnten.

b) Ich würde es zumindest nicht ausschließen. Es steht und fällt mit den Infektionszahlen. Sollte im Frühjahr tatsächlich geimpft werden, ergibt sich wieder eine komplett neue Situation.

c) Mein Co-Trainer hat einen Trainingsplan ausgearbeitet, der aber sehr allgemein gehalten ist und den die Jungs eigenverantwortlich durchführen können. Überprüfen werde ich das aber nicht, das sind alles erwachsene Menschen. Ich gehe einfach davon aus, dass sie froh sind, wenn sie etwas machen können.


Klaus Barth, Trainer SV Breinig:

a) Ich würde mir wünschen, dass der Verband jetzt klar Stellung bezieht und die Vereine in die Winterpause schickt. Ab März könnte man dann möglicherweise den Spielbetrieb fortsetzen.

b) Für die Mittelrheinliga kann ich mir das nicht vorstellen, da insgesamt 34 Spieltage absolviert werden müssten und einige Teams erst drei oder vier Partien ausgetragen haben. Daher wäre es aus meiner Sicht sinnvoll, nur die Hinrunde zu Ende zu spielen und dann auch zu werten. So hätte Jeder gegen Jeden gespielt und den Staffelleitern würde man so den Druck hinsichtlich der vielen Ansetzungen nehmen. Unsere Jungs sind alle berufstätig, demzufolge wäre es äußerst schwierig, künftig immer sonntags, mittwochs, sonntags anzutreten.

c) Die Jungs haben alle einen Trainingsplan bekommen und halten sich daher individuell fit. Dennoch werden wir voraussichtlich bald auch wieder eine Onlineeinheit per Video machen, die wird dann mein Co-Trainer Kilian Simon durchführen.

Thomas Virnich, Trainer Viktoria Arnoldsweiler:

a) Aus meiner Sicht befinden wir uns schon in der Winterpause. Ich kann mir nicht vorstellen, dass in diesem Jahr noch einmal gespielt wird. Aufgrund der aktuellen Entwicklungen sollte das jedem klar sein. Ich würde mich freuen, wenn der Verband diesmal schneller eine Entscheidung treffen würde und aus der letzten Hängepartie gelernt hat.

b) Wir sollten uns glücklich schätzen, wenn wir in dieser Saison 50 Prozent der Spiele absolvieren könnten. Ziel sollte es sein, die Hinrunde abzuschließen, so dass am Ende jeder einmal gegen jeden gespielt hat. Dann hat man bezüglich der Heimspiele je nach Konstellation halt Glück oder Pech, aber das ist aus meiner Sicht verschmerzbar. Wir sollten keine Dummheiten machen, denn wir alle wollen so schnell wie möglich auf den Fußballplatz zurückkehren.

c) Ich mache den Jungs da keine großen Vorgaben, da ich der Meinung bin, dass es schwierig ist, sich ohne ein konkretes Datum vorzubereiten. Vielmehr haben wir die Lehren aus der fußballlosen Zeit in der ersten Jahreshälfte gezogen. Wir wollen vorausschauender unterwegs sein und präventiv besser arbeiten. Wir freuen uns, wenn wir irgendwann wieder spielen können, aber es wäre natürlich sehr schade, wenn Spieler dann direkt mit Adduktorenproblemen oder anderen Verletzungen ausfallen würden.

Andi Avramovic, Trainer Vfl Vichttal:

a) Ich gehe davon aus, dass wir Ende der Woche ein anderes Zahlenwerk haben werden. Ob das dann einen Start im Dezember legitimiert, kann ich nicht beurteilen. Wenn ich eine Wette platzieren müsste, dann liegt das Datum für den nächsten Wettkampf im kommenden Jahr.

b) Sollte ein finaler Erfolg in Sachen Impfstoff verkündet werden und die Zahlen runter gehen, dann könnte ich mir das schon vorstellen. Wenn wir Ende Januar starten und englische Wochen in den Spielplan einbauen, dann wäre es aus meiner Sicht durchaus realistisch, die Saison gänzlich zu Ende zu spielen.

c) Wir haben einen fortlaufenden Trainingsbetrieb. Ein ehemaliger Spieler von uns führt die Einheiten mit der Mannschaft online durch. Ziel ist es, das Fitnesslevel zu halten. Die Belastung wird über die Herzfrequenz-Gürtel gesteuert. Das Trainerteam ist dazugeschaltet und kann sich so selbst ein Bild machen. Wir vertrauen den Jungs aber zu 100 Prozent und sind überzeugt, dass jeder Gas gibt. Unser gesamter Kader besteht aus Vollblutfußballern und jeder weiß, was unsere Aufgabe ist.


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