
Friedhelm, Du bist mit dem VFL Osnabrück dreimal Nordmeister geworden und hast viermal an der Aufstiegsrunde zur Bundesliga teilgenommen, bevor du kurz vor Ende deiner Karriere zum SV Meppen wechseltest. Wie geht es Dir über 40 Jahre nach deinen tollen Erfolgen und was machst Du heute?
Friedhelm Holtgrave: Dankeschön! Ich freue mich über meine gute Gesundheit, bin zufrieden und lebe mit meiner Lebensgefährtin Renate Warning in Lotte bei Osnabrück. Seit zehn Jahren bin ich im Ruhestand, nachdem ich zuvor als Ingenieur bei der Kreisverwaltung Steinfurt gearbeitet habe. Mein großes Hobby ist das Golfen geworden und ich spiele fast täglich. Die größte Freude und viel Spaß machen mir allerdings meine Enkelkinder.
Welchen Kontakt hast Du noch zu deinen alten Weggefährten aus der erfolgreichen VfL-Ära?
In den vergangenen 40 Jahren ist ja einiges passiert und es ist nicht einfach, die Freundschaften über so einen langen Zeitraum aufrecht zu erhalten. Mit Willi Mumme, Kalla Diehl und Siegfried Müller pflege ich immer noch unregelmäßigen Kontakt und freue mich wenn ich von den Jungs etwas höre.
Inwieweit verfolgst Du das Fußballgeschehen zwischen deinem Wohnort Lotte und Osnabrück?
Der VfL Osnabrück ist mein Lieblingsverein geblieben! Die Spiele des VfL verfolge ich nur noch sehr selten live, weil mir die Anreise etwas zu umständlich ist. Aber über die Medien verfolge ich die Spiele und das Geschehen um den Verein intensiv. Die Heimspiele der Sportfreunde Lotte sehe ich mir regelmäßig zusammen mit Freunden an.
Du hast im Anschluss an Deine aktive Zeit einige Amateurmannschaften im Osnabrücker Raum trainiert. Verfolgst Du heute noch den Osnabrücker Amateurfußball?
Den Amateurfußball habe ich natürlich immer verfolgt. Nachdem ich meine Karriere 1973 beim SV Meppen beendete, habe ich im westfälischen Raum bei Westfalia Westerkappeln, Bünder SV, Preußen Lengerich, Cheruskia Laggenbeck als Trainer gearbeitet. In Osnabrück habe ich mir damals oft talentierte Spieler angesehen. Heute bin ich über die NOZ immer noch gut über den Osnabrücker Amateurfußball informiert.
Warum wurde der große Traum „Bundesliga“ für den VFL Osnabrück und seinen vielen Fans während deiner erfolgreichen Ära nicht Wirklichkeit?
Wir wären gerne aufgestiegen! Aber die Vereine aus dem Westen (RW Essen, VFL Bochum, Wuppertaler SV Anmerk. Red.) waren damals einfach zu stark.
Besonders knapp haben wir im Jahre 1969 den Aufstieg in die Bundesliga gegen den hohen Favoriten Rot Weiß Essen mit Nationalspieler „Ente Lippens“ verpasst. In den bis heute unvergessenen Spielen vor über 35000 Zuschauern an der Bremer Brücke (3:3) und dem 1:3 an der Hafenstrasse in Essen, waren wir auf Augenhöhe mit dem haushohen bundesligaerfahrenen Favoriten. Die Vereine aus der damaligen Regionalliga West verfügten über professionellere Vereinsstrukturen und hatten bessere finanzielle Möglichkeiten. Da waren sie dem VfL Osnabrück einen großen Schritt voraus. Der Wuppertaler SV war beispielsweise so stark, dass er direkt nach dem Aufstieg die Deutsche Vizemeisterschaft hinter Bayern München erreichen konnte.
Wie schätzt Du die aktuelle Situation des VfL Osnabrück ein?
Ich hoffe, dass die Verantwortlichen den erforderlichen wirtschaftlichen Kraftakt stemmen können und wünsche viel Glück dabei. Der VFL hat aber noch zwei sehr gute Trümpfe. Die begeisterungsfähigen treuen Fans und Trainer Maik Walpurgis. Die Fans haben den Verein immer fantastisch unterstützt und werden es weithin machen. Trainer Maik Walpurgis hat mich während seiner Amtszeit hier in Lotte mit seiner Arbeit absolut überzeugt. Vor der Saison 2013/2014 hatte er noch zu wenig Zeit um den Kader richtig zusammen zu stellen. Er ist der richtige Mann für den VfL. Ich bin sicher, dass er für die kommende Saison eine sehr starke Mannschaft bilden wird.
Wie unterscheidet sich nach Deiner Auffassung der Berufsfußball von damals mit dem heutigen Profi-Fussball?
Das kann man sicher gar nicht mehr vergleichen. Wir waren als Lizenzspieler damals alle voll berufstätig und mussten dreimal wöchentlich nach der Arbeit trainieren. Wir verdienten in unseren erfolgreichsten Jahren in denen wir Nordmeister wurden 50 DM Erfolgsprämie je Punkt. Heute gibt es für die Profis wesentlich bessere Verdienstmöglichkeiten.
*Der VfL spielte zu Holtgraves aktiver Zeit in der direkt unter der Bundesliga angesiedelten Regionalliga. Die Meister und Vize- der insgesamt fünf Regionalligen ermittelten in einer Aufstiegsrunde mit Hin- und Rückrunde die beiden Aufsteiger zur Bundesliga. Dreimal in Folge wurde der VfL Osnabrück Nordmeister. Zweimal erreichte er die Vizemeisterschaft. Gleichzeitig entfachte die spielstarke Mannschaft mit begeisterndem Fußball unter der Regie von Trainer Radoslav Momirski eine bis dahin ungekannte riesige Faneuphorie. Über 12.000 Zuschauer verfolgten im Durchschnitt die Spiele an der Bremer Brücke in Osnabrück. Bei einigen Spitzenspielen wurden an der ausverkauften Bremer Brücke bis zu 35000 Zuschauer gezählt. In vier der fünf Aufstiegsrunden mit Osnabrücker Beteiligung wurde das Team von Friedhelm Holtgrave angeführt. Er war nicht nur ein exzellenter Fußballspieler. Aufgrund seines sachlichen Auftretens, seines immer fairen Verhaltens und seiner positiven Lebenseinstellung besaß er auf und neben dem Platz Vorbildfunktion. Er wurde Sympathieträger für die Osnabrücker Fans und ist es bis heute geblieben.