FuPa Medizincheck: Der Morbus Sinding-Larsen
Donnerstag 31.05.18 07:45 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis6.494
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Der Morbus Sinding-Larsen

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie der Morbus Sinding-Larsen diagnostiziert wird und wie er behandelt werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen!


Der Morbus Sinding-Larsen-Johannson (oft nur Morbus Sinding-Larsen genannt) betrifft vermehrt junge Sportler, vorwiegend im Alter von 9 bis 12 Jahren, und kann die Ursache für anhaltende oder wiederkehrende Kniebeschwerden sein.

Definition
Es handelt sich hierbei um eine schmerzhafte Entzündungsreaktion des Ansatzes der Kniescheibensehne (Patellasehne) am unteren Pol der Kniescheibe, ähnlich dem Patellaspitzensyndrom beim Erwachsenen. Dort kann es im Rahmen des entzündlichen Prozesses zu einer Ablösung von Knochenstückchen kommen, die daraufhin auch nekrotisieren, also absterben, können. Aufgrund dessen zählt der Morbus Sinding-Larsen zu den sogenannten aseptischen Osteonekrosen, den Erkrankungen, die mit einem nicht auf eine bakterielle Infektion zurückzuführenden Absterben von Knochengewebe einhergehen.
Zu dieser Gruppe gehört auch der Morbus Osgood-Schlatter, eine ähnliche Erkrankung, die am unteren Ende der Patellasehne, an ihrem Ansatz am Schienbein, lokalisiert ist.

Ursachen
Die Hauptursache für den Morbus Sinding-Larsen ist eine chronische Überlastung durch andauernde, wiederholte, ungewohnte oder zu starke Zugbeanspruchungen der Kniescheibensehne. Als Risikosportarten zählen daher Sportarten mit vielen Sprüngen, schnellen Richtungswechseln, Antritten und Abstoppbewegungen, beispielsweise Sportarten wie Hochsprung, Weitsprung, Fußball, Basketball oder Volleyball.
Darüber hinaus können noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. Zu nennen sind hier unter anderem eine verminderte Dehnbarkeit der Oberschenkelmuskulatur, ein Hochstand der Kniescheibe sowie statische aber vor allem auch dynamische Fehlstellungen des Beckens, der Wirbelsäule, der Beinachsen und der Füße. Auch ein genetischer, also erblicher, Einfluss ist möglich.

Symptome
Charakteristisch für den Morbus Sinding-Larsen sind insbesondere lokale Schmerzen an der Kniescheibenspitze, die sowohl bei als auch nach der sportlichen Belastung auftreten können.

Diagnostik
Anhand der angegebenen Beschwerden und der körperlichen Untersuchung sowie durch eine Ultraschalluntersuchung des Kniegelenkes kann meistens die Diagnose eines Morbus Sinding-Larsen gestellt und es können anderweitige Erkrankungen oder Verletzungen weitgehend ausgeschlossen werden. In der Regel sind dann keine weiteren bildgebenden Verfahren mehr notwendig um die ersten therapeutischen Maßnahmen einzuleiten. Durch eine Röntgenuntersuchung und insbesondere eine Kernspintomographie (MRT) kann aber die Diagnose gesichert und das Ausmaß der Erkrankung bemessen werden.
Therapie und Prognose:
Wird frühzeitig mit einer adäquaten, individuell abgestimmten Behandlung, die die aus der körperlichen Untersuchung sowie der Bildgebung erhobenen Befunde berücksichtigt und unterschiedlich ansetzende aber gezielte Therapiemaßnahmen beinhaltet, begonnen, so ist die Prognose sehr gut. Die Beschwerden können hinsichtlich Ihrer Intensität und Frequenz abnehmen während gleichzeitig auch kann das Risiko für eine Chronifizierung oder für Komplikationen, wie zum Beispiel einen Riss der Patellasehne oder eine Nekrose der Kniescheibe, reduziert werden kann. Eine Sportpause ist nicht immer zwingend notwendig, es ist vielmehr eine beschwerdeadaptierte Anpassung der sportlichen Belastung angeraten. Zudem sollte auch nach Abheilung der Erkrankung eine Rezidivprophylaxe betrieben werden.


Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U19-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.





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