BFV-Pläne: „Eigentlich ist das ein Schwachsinn“
Montag 20.04.20 07:44 Uhr|Autor: Münchner Merkur (Würmtal) / Tobias Empl Julius Roe1.781
Noch mindestens bis 31. August bleiben nach einem Beschluss des BFV in den Amateurligen sämtliche Fußballplätze gesperrt. <em>SVJ</em>

BFV-Pläne: „Eigentlich ist das ein Schwachsinn“

Meinungen zu den Plänen des Bayerischen Fußballverbandes
Am Freitag gab der Bayerische Fußballverband bekannt, dass bis 31. August im Freistaat keine Saisonspiele mehr stattfinden werden. Die Meinungen zu den Plänen des BFV gehen bei den Vereinen im Würmtal auseinander.


Würmtal – Die Saison 2019/2020 könnte die längste Spielzeit aller Zeiten im bayerischen Amateurfußball werden. Am Freitag gab der Verband bekannt, dass bis 31. August im Freistaat keine Saisonspiele mehr stattfinden werden. Den vermeintlich folgerichtigen Schritt eines Saisonabbruchs möchte der BFV jedoch, ebenso wie die Profiligen, vermeiden.

Am Freitag wurde der Vorschlag präsentiert, die Saison im Erwachsenenbereich bis zum 31. August zu unterbrechen und – wenn durch staatliche Vorgaben möglich – ab dem 1. September fortzusetzen. Der Jugendfußball ist in diesen Vorschlag nicht inbegriffen. Bis Sonntagabend, 18 Uhr, hatten die in einer Videokonferenz informierten Vereine die Möglichkeit, auf den BFV-Vorschlag online mit Ja oder Nein zu antworten. Der Münchner Merkur fragte bei den Würmtaler Klubs nach, dabei ergab sich ein geteiltes Meinungsbild.

TSV Neuried

Volker Levering, Fußball-Abteilungsleiter des Bezirksligisten TSV Neuried, signalisiert Zustimmung. Levering erklärt: „Die Argumentation ist stichhaltig, bei allen anderen Möglichkeiten ergäbe sich eine unsichere Rechtslage. Außerdem helfen jetzt keine Alleingänge.“ Zudem fürchtet Levering Schadensersatzforderungen gegen die Vereine, die für einen Abbruch votieren. Er betont: „Wir müssen den TSV Neuried schützen.“

Amateurfußballer helfen bei Corona:

SV Planegg-Krailling

Michael Lelleck, Trainer von Kreisligist SV Planegg-Krailling, findet es gut, „dass der Verband eine Entscheidung getroffen hat. Egal, was du entscheidest, du wirst es am Ende nie allen recht machen können. Mich stört, dass es noch viele Unklarheiten wegen Wechselfristen und Vertragslaufzeiten gibt. Aber ich denke, auch das wird der Verband demnächst regeln. Wie auch immer die Lösung aussieht, ich werde sie mittragen und akzeptieren.“ Sein Trainerkollege von der zweiten Mannschaft, Andreas Budell, stimmt zu: „Ich finde den Vorschlag des BFV richtig und korrekt, auch wenn es bis September noch verdammt lange hin ist. Meine Spieler wollen natürlich alle möglichst schnell wieder kicken, und auch ich würde jetzt lieber am Trainingsplatz stehen. Der Verband muss bezüglich Wechseln und Vertragsfristen bald Klarheit schaffen, sonst wird es chaotisch.“

TSV Gräfelfing

Lokalrivale TSV Gräfelfing, der sich in der Kreisliga im unteren Tabellenmittelfeld befindet, hat den Vorschlag abgelehnt. „Ich bin schwer enttäuscht vom BFV“, sagt Fußball-Abteilungsleiter Stefan Schmidt. Er ist der Meinung, der Verband orientiere sich bei der Entscheidung vor allem an den höherklassigen Klubs, die auf den mit hohem finanziellen Aufwand hingearbeiteten Aufstieg auf keinen Fall verzichten wollen. Er glaubt aber nicht, dass ein Gericht bei einem Saisonabbruch dem Verband widersprechen würde. Schmidt betont: „Es ist eine Ausnahmesituation, die noch nie da war. Da muss eben jemand in den sauren Apfel beißen.“ In Gräfelfing ist man für eine Annulierung der Saison. Zudem ärgert Schmidt sich darüber, dass über den Jugendbereich fast gar nicht gesprochen wird.

Gautinger SC

Auch der Gautinger SC hat nach internen Diskussionen zwischen den Trainern und der Abteilungsleitung gegen eine Fortführung der Saison votiert. „Wir können die Bedenken und Begründungen des Verbands nachvollziehen, haben den Vorschlag aber dennoch abgelehnt“, sagt Vorstand Jens Rindermann, der auch mit der erst am Donnerstagnachmittag erfolgten Einladung für das am Freitag stattfindende Webinar nicht ganz glücklich war. Er findet, dass die Streitpunkte vor allem Vereine ab der Landesliga und höher betreffen. Die Motivation für unterklassige Vereine wie Gauting, dessen erste Mannschaft im Kreisklassen-Mittelfeld steht, würde aber deutlich sinken, wenn man die Saison künstlich in die Länge strecke. Zudem spricht Rindermann aus, was viele denken: „Eine Saison, die sich über fast zwei Saisons hinstreckt, hat nichts mehr damit zu tun, wie sie angefangen hat.“

DJK Würmtal

Auch Tom Gollong von der DJK Würmtal, die sich bis zur Spielunterbrechung in der A-Klasse auf klarem Aufstiegskurs befand, hält wenig von den BFV-Plänen. „Eigentlich ist das ein Schwachsinn, da kommt alles durcheinander“, sagt der Fußball-Abteilungsleiter. Sein Vorschlag: „Der Erste soll aufsteigen. Und wenn keiner absteigt, kann sich auch keiner beschweren.“

TV Stockdorf

Bei A-Klassist TV Stockdorf stößt die Idee hingegen auf Gegenliebe. Peter Mühlbauer, sportlicher Leiter Herren beim TVS, findet den Vorschlag des BFV sportlich fair. Er ist auch mit der Kommunikation vonseiten des Verbandes zufrieden.

TSV Pentenried

Ähnlich sieht das Michael Möhwald, Spieler und Abteilungsleiter beim TSV Pentenried: „Für uns als Verein spricht nichts dagegen. Im Hinblick auf die Großen haben wir zugestimmt.“

Die Umfrage ist nicht rechtlich bindend. BFV-Präsident Rainer Koch hat aber angekündigt, bei einer mehrheitlichen Ablehnung des Vorschlags einen außerordentlichen Verbandstag einzuberufen.


Tabelle
1. Großhadern 1429 36
2. Planegg-Kr. 1520 32
3. DJK Pasing 1525 31
4. FC Neuhadern 1325 28
5. FC Wacker M. 156 23
6. FT Gern 153 22
7. Hajduk 142 22
8. Hellas Münch 140 22
9. Gräfelfing 14-9 18
10. SV Laim 14-2 17
11. SV Lochh. Mü 13-16 11
12. MTV München 14-18 11
13. SV Akgü Spor 15-28 7
14. TSV Neuried II 15-37 7
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