Nazi-Skandal: Wurde Mike Achtelik zum Schweigen gebracht?
Sonntag 22.11.20 14:30 Uhr|Autor: FuPa8.643
Achtelik (l.) bei einem Hallenturnier vor einigen Jahren. Foto: Bieber

Nazi-Skandal: Wurde Mike Achtelik zum Schweigen gebracht?

TuS Holzhausen Porta Trainer äußerst sich erstmals zum skandalösen „Sieg-Heil“-Aufstiegsvideo, das bundesweit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Ihm Interview sagt der 46-Jährige, dass ihm sowie der Mannschaft seitens des Vereins nahelegt wurde, keine Auskünfte gegenüber dem Staatsschutz zu tätigen.
TuS Holzhausen/Porta – ein Name, an den sich wohl die meisten noch erinnern werden. Es ist jener Verein, der im Sommer 2019 durch das skandalöse „Sieg-Heil“-Aufstiegsvideo bundesweite Bekanntheit erlangte. Damals feierte das Team den Aufstieg in die Mindener Kreisliga A. Kurze Zeit später kursierte das Video auf diversen Onlineplattformen und sorgte für einen Eklat. Der Staatsschutz ermittelte – jedoch ohne Ergebnis: Die Akte wurde juristisch im September 2020 geschlossen, das Verfahren eingestellt. Der Hauptgrund dafür war, dass weder Spieler noch Trainer konkrete Aussagen zum Video gemacht habe. Welche Personen die Nazi-Parolen von sich gegeben hatten, bleibt bis heute ungeklärt. Überraschend meldete sich nun der immer noch amtierende Trainer Mike Achtelik zu Wort. Im Interview mit dem Mindener Tageblatt behauptet der 46-Jährige, dass seitens des Vereins Druck ausgeübt worden sei und er sowie die Spieler zum Schweigen gebracht worden seien. Die Einzelheiten.


Kein Schuldbewusstsein?

Mike Achtelik hat es getan. Er hat sein Schweigen gebrochen. Zwei Monate nach der Einstellung des staatsanwaltlichen Verfahrens im Zuge des Nazi-Skandals beim TuS Holzhausen/Porta versucht der Trainer im Interview mit dem „MT“ sein Gewissen rein zu waschen. Warum er sich während der Ermittlungen nie geäußert habe? Ganz einfach: „Wir wollten schon was sagen. Aber uns wurde gesagt, wir sollten ruhig bleiben und zunächst nicht reden. Als dann der Staatsschutz eingeschaltet wurde, haben wir aus Selbstschutz geschwiegen.“ Auf die konkrete Nachfrage, wer Achtelik damals empfohlen habe zu schweigen, lautet die kurze und knappe Antwort schlicht: „Das ging vom Verein aus.“ Fast im Stile eines römischen Statthalters weist der Trainer jedes Schuldbewusstsein von sich. Vielmehr sei es bis heute nicht möglich gewesen nachzuvollziehen, wer mit den „Sieg-Heil“-Parolen begonnen habe. Es seien laut Achteliks Aussagen „vielleicht 30, 40 oder sogar 50 Leute“ in der Kabine gewesen. Rückblickend sei es „wahrscheinlich besser gewesen“ das Verfahren mit klaren Antworten abzuschließen. „Wir hätten gern die Wahrheit ans Licht gebracht“, heißt es weiter.


Schweigen ist Gold

Autor Marcus Riechmann gibt dann zu Bedenken, ob Achtelik in seiner Funktion als Trainer nicht auch vielleicht Fehler gemacht habe. Schließlich war der 46-Jährige mitten im Geschehen dabei. „Ich glaube nicht, dass ich an dem Abend damals etwas falsch gemacht habe. Das war nicht meine Feier oder die der Mannschaft, sondern das war die Feier vom Verein mit vielen anderen Leuten, auch vielen Spielern aus anderen Vereinen. Ich hatte mein Handy auf Videokamera gestellt, aber ich war so betrunken, dass ich gar nicht auf Aufnahme gedrückt habe. Wenn ich das Video hätte, wüsste ich, wer alles in der Kabine war. Dann hätte man auch Zeugen suchen können“, sagt Achtelik. Scheinbar sichtlich überrascht über die wenig bis gar nicht reflektierenden Antworten Achteliks, fragt Riechmann noch einmal provokant nach: „Lernt man, dass Schweigen Gold ist?“ Auch hier bleibt der Coach seiner Version treu. TuS Holzhausen Porta sei eine „sehr offene Mannschaft“. Man hatte „Erfolge“ und war „immer gut drauf“. „Jeder“ konnte bei der Mannschaft „mitfeiern“. Als Konsequenz aus dem Skandal nehme man nun mit, dass man besser unter sich bleibe und „allein feiere“. Da habe es nie Probleme gegeben…


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Tabelle
1. Kleinenbrem. 831 24
2. TuS Holzh. P (Neu) 717 16
3. TuS Volmerd. II 810 16
4. SC Oberb/Bab 77 14
5. BW Lerbeck 79 13
6. SuS Wulferd 72 11
7. TuS Bad Oeyn II 8-6 9
8. Weser Leteln II (Neu) 7-19 6
9. BW Holtrup 7-12 2
10. Türk. Minden (Neu) 7-17 1
11. SC Rodenbeck (Neu) 7-22 1
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