FuPa Medizincheck: Sehnenscheidenentzündung der Hand
Donnerstag 29.03.18 10:30 Uhr|Autor: Dr. Simeon Geronikolakis2.391
Der FuPa-Medizincheck mit Dr. Simeon Geronikolakis. Foto: FuPa Stuttgart

FuPa Medizincheck: Sehnenscheidenentzündung der Hand

FuPa-Serie / Regelmäßige Tipps und Infos rund um Verletzungen im Sport
Im FuPa-Medizincheck erklärt Dr. Simeon Geronikolakis dieses Mal wie eine Sehnenscheidenentzündung der Hand diagnostiziert wird und wie sie behandelt werden kann. Übrigens: Wer eine Frage an ihn hat, kann jene ganz einfach via E-Mail stellen!


Lieber Herr Dr. Geronikolakis, in der heutigen Ausgabe des FuPa-Medizinchecks möchten wir auf die eingesandte Frage eines unserer FuPa-Leser eingehen, die sich auf die Sehnenscheidenentzündung der Hand bei Torhütern bezieht. Wie sind Ihre Erfahrungen mit dieser Verletzung? Wie häufig kommt das bei Torhütern vor?
Dr. Geronikolakis: In erster Linie gilt es die Diagnose zu sichern und andere Ursachen weitgehend auszuschließen. Eine Sehnenscheidenentzündung der Hand kann vor allem aufgrund von bestimmten Übungen im Training bei Fußball-Torhütern selbstverständlich vorkommen, wenn auch im Verhältnis zu anderen Verletzungen oder Erkrankungen eher seltener. Vielmehr sehe ich solche Probleme öfters bei anderen Sportarten, wie zum Beispiel bei Tennisspieler, Radfahrer oder Turner.

Darf ein Torwart mit einer Sehnenscheidenentzündung weiter trainieren und spielen? Wenn ja, auf was sollte er dabei achten?
Dr. Geronikolakis: Sollte die auslösende meist monotone Belastung der Hand nicht adäquat reduziert werden können, wie dies beispielsweise im Leistungssport oft der Fall ist, so muss zunächst der Betroffene zumindest darauf hingewiesen werden, dass der Heilungsprozess hierdurch verzögert oder der Ausprägungsgrad der Erkrankung sogar vergrößert werden kann. Es sollte eruiert werden, in welchem Ausmaß die Belastung des Handgelenks beim Fußball als Entstehungsursache eine Rolle spielt, um so das gemäße Risiko abschätzen zu können. Vor allem beim Amateurspieler ist insbesondere auch die berufliche und alltägliche Belastung zu erfragen.
Bei der Behandlung von Leistungssportlern wird oft als Kompromiss eine nur relative Belastungsreduzierung angestrebt. So können die Trainingsinhalte zumindest angepasst und unter anderem auch entlastende Tapes angewendet werden.

Wie läuft die Behandlung ab?
Dr. Geronikolakis: Bei der Behandlung der meistens mechanischen Sehnenscheidenentzündung gilt es erstens die ursächliche Belastung wenn möglich komplett zu vermeiden und zweitens die Entzündung zu bekämpfen. Es sollte primär, soweit wie möglich, eine Belastungsreduzierung stattfinden, z.B. durch Anpassung der Arbeits- oder Sportbelastung, wobei auch eine Ruhigstellung des Handgelenks mittels einer Orthese (Schiene) oder bei schweren Formen sogar mittels einer Gipsschiene in Frage kommen kann. Eine schmerzlindernde und gleichzeitig entzündungshemmende medikamentöse Therapie ist begleitend notwendig, in manchen Fällen evtl. auch durch Spritzen. Zudem kann durch Salbenverbände und physiotherapeutische sowie verschiedene physikalische Maßnahmen der Heilungsprozess beschleunigt werden.

Was muss man in der Heilungsphase beachten?
Dr. Geronikolakis: Man sollte darauf achten die Therapie vollständig und konsequent durchzuführen, dann ist in der Regel eine schnelle und komplette Heilung zu erwarten. Ist eine Sehnenscheidenentzündung dann mal ausgestanden, können Dehn- und Entspannungsübungen sowie unterstützende Bandagen prophylaktisch wirken. Ein adäquates Aufwärmen vor sportlicher Belastung und ein abwechslungsreiches Training mit Verbesserung der Technik sind ebenfalls in der Prävention zu empfehlen. Bei Wiederauftreten von Schmerzen sollten diese ernst genommen und rasch entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden. Es ist darüber hinaus auch ratsam, zum Beispiel am Arbeitsplatz ergonomische Aspekte zu berücksichtigen um die Beanspruchung der Hand zu reduzieren.

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Informationen zu Dr. Simeon Geronikolakis

Der in Ludwigsburg praktizierende Sportmediziner und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist insbesondere in Fußballerkreisen sehr bekannt. Als Sportarzt kümmert er sich schon seit vielen Jahren um die Betreuung von Spitzensportlern und Vereinen aus unterschiedlichen Sportarten, vor allem von mehreren Fußballmannschaften sowie einzelnen Amateur- und Profifußballern. Im Rahmen seiner Tätigkeit als DFB-Arzt betreut er seit Anfang 2013 zusätzlich die Junioren-Fußball-Nationalmannschaften und ist Teamarzt der deutschen U18-Nationalmannschaft.

In den letzten Jahren wirkte Dr. Geronikolakis unter anderem auch als Mannschaftsarzt beim VfB Stuttgart, betreuender Arzt der Kaderathleten des Olympiastützpunktes Stuttgart, Verbandsarzt des württembergischen Fußballverbandes (WFV), Referent in der Fußball-Lizenztrainerausbildung, Team-Arzt der deutschen Fußball-Amateur-Nationalmannschaft (mit dreimaliger EM-Quali- und zweimaliger EM-Endrunden-Teilnahme), Nationalmannschaftsarzt der deutschen Mannschaft der rhythmischen Sportgymnastik und leitender Arzt des entsprechenden Nationalmannschaftszentrums.

Ferner übernahm er auch schon die medizinische Betreuung von mehreren nationalen und internationalen Sportereignissen (u.a. Handball-WM 2007, Turn-WM 2007, Turn-Weltcups jährlich 2007-2014, Turn-Bundesliga 2008, Turn-Deutschland-Cup 2008, 6-Tage-Rennen 2008, Judo-WM 2009, Wasserball-Junioren-EM 2010, Bahnrad-WM 2011, U19-Damen-Fußball-EM-Eliterunde 2013, Weltcup der rhythmischen Sportgymnastik 2014, Weltmeisterschaft der rhythmischen Sportgymnastik 2015, UEFA Regions' Cups 2010-2015).

Nähere Infos über Dr. Geronikolakis unter www.dr-geronikolakis.de oder www.fussballarzt.de Eine Terminvereinbarung ist für unsere FuPa-Leser unter mail@dr-geronikolakis.de möglich. Leser können ihre Fragen via medizincheck-stuttgart@fupa.net an ihn richten.



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